Models: Ein Drittel essgestört

Innsbruck (OTS) - Im Alpbacher Congress Centrum findet vom 24.-26. Oktober der 10. Internationale Kongress Essstörungen unter der wissenschaftliche Leitung von Günther Rathner von der Innsbrucker Uniklinik für Medizinische Psychologie & Psychotherapie statt. Diese vom Netzwerk Essstörungen organisierte Tagung ist auch für Betroffene und Angehörige zugänglich. Sie befasst sich traditionell neben neuen therapeutischen Ansätzen auch mit gesellschaftlichen Ursachen von Essstörungen. Auffallend bei Essstörungen ist die gegenwärtig starke Zunahme in der industrialisierten Welt, vor allem bei weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen.

Während das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist, wird das durch die Massenmedien und die Werbung propagierte "Ideal" immer dünner. Ein derartig niedriges Körpergewicht kann ohne Gesundheitsgefährdung nicht erreicht und gehalten werden. Eine schwerwiegende Folge dieses Schlankheitswahns sind Magersucht und Bulimie.

Der Psychologe und Psychotherapeut Günther Rathner berichtet bei diesem Kongress über eine neue Untersuchung, die er gemeinsam mit Susan Dezfulian bei österreichischen Models durchgeführt hat. Es war sehr schwierig, 50 Models für diese anonyme Untersuchung mittels Fragebogen zu gewinnen. Bei der Hälfte der in dieser Studie erfassten Models lag das Gewicht im magersüchtigen Bereich. Trotz dieses niedrigen Gewichts war die Einstellung der Models zu Figur, Gewicht, Essen und Äußerem deutlich problematischer als in einer Kontrollgruppe. Insgesamt zeigte sich ein Drittel der Models essgestört. Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch höher liegen.

Durch die Massenmedien und die Werbung werden diese Models Vorbild vor allem für weibliche Jugendliche, aber auch junge Frauen, die mithilfe der "Einstiegsdroge Diät" an dieses Vorbild heranzukommen trachten. Im Vergleich mit diesen Models nehmen sie sich dann als "fett" statt als attraktiv und gesund wahr; dies fördert Selbstunzufriedenheit und Unsicherheit.

In unserer Gesellschaft wird die äußere Erscheinung immer wichtiger und wie eine Ware verkauft. Schlankheitswahn und die in der letzten Zeit gehäuften Versprechungen der Schönheitschirurgie ("Alles ist machbar!") sind nur zwei Seiten einer Medaille:
Überraschenderweise wird die Gleichmacherei, die Standardisierung ("McDonaldisierung") gefördert, obwohl Individualismus hoch gehalten wird. Ein Ideal, fast wie beim Klonen, wird verkauft: eine bestimmte Form der Nase, des Beckens, der Brust. Damit wird der Körper zum Schlachtfeld (im wahrsten Sinne des Wortes) für die Lösung persönlicher und sozialer Probleme und die Verleugnung des Älter-Werdens. Essstörungen sind nur eine extreme Ausprägung, fast schon eine Karikatur, dieser Entwicklung. Und sie zeigen auch, daß dieser scheinbare Ausweg nur mit einem Verlust der eigenen Individualität, der eigenen Identität und schwerwiegenden Problemen und Schmerzen verbunden ist.

Rückfragen & Kontakt:

Günther Rathner
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Univ.Klinik für Medizinische Psychologie & Psychotherapie
Sonnenburgstraße 9
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43-664-39 66 700
guenther.rathner@uibk.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0001