DER STANDARD-Bericht: "Besser, wenn SP in Regierung ist" - Gusenbauer will eigenes Bildungs- und Kulturministerium - Erscheinungstag 22.10.2002

SPÖ-Chef im STANDARD-Chat: Bei Platz zwei in Opposition

Wien (OTS) - Nein, er habe noch nicht im Container geschlafen. Und im Wahlkampf-Bus auch noch nicht, mit dem er derzeit durch Niederösterreich tingelt. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden: Gerade als SP-Chef Alfred Gusenbauer die ersten drei Fragen im Standard-Chat beantwortet hat, stürzt das System ab: Überlastung.

Nach einigen Minuten geht es weiter im Frage-Antwort- Spiel, und Gusenbauer kommt in Fahrt. Frauenpolitik ohne Frauenministerium sei sinnlos, also werde es bei einer SP- Regierung auch wieder ein eigenes Ministerium geben. Mit einem Kanzler Wolfgang Schüssel werde er nicht koalieren, weil, einfach: "Ich will selbst Kanzler werden." Und was er vorhabe, sollte die SPÖ die Wahl verlieren? "In Opposition gehen." Warum er eine Koalition mit der FPÖ ausschließe, beantwortete Gusenbauer mit drei Namen: "Stadler, Haider, Windholz."

Abgesehen von einigen Scherzchen ("Haben Sie schon einmal einen Joint geraucht?" - "Ich bin Niederösterreicher und wir bevorzugen Grünen Veltliner") beherrscht den Chat eine durchaus sachpolitische Atmosphäre. Die Abschaffung von Studiengebühren sei eine Forderung der SPÖ, die jeder potenzielle Koalitionspartner akzeptieren müsse -ebenso die Abschaffung der Ambulanzgebühren und die Rüchnahme der Unfallrenten-Besteuerung.

Im Bildungs- und Kulturbereich will Gusenbauer kräftig umstrukturieren. So wird eine SP-Regierung ein eigenes Ministerium für Bildung, Kunst, Kultur und Auslandskultur einrichten. Der gesamte Universitätsbereich, universitäre und außeruniversitäre Forschung sollen in einem eigenen Ressort zusammengefasst werden, kündigte Gusenbauer an.

Sparen will Gusenbauer bei den Abfangjägern. Zum einen sei der Umfang der angekündigten Kompensationsgeschäfte nicht ernst zu nehmen, zu anderen schütze die europäische Integration Österreich mehr als alle Abfangjäger zusammen.

Über weitere Überraschungskandidaten in seinem "Kabinett des Lichts" ließ sich Gusenbauer nichts entlocken. "Life is full of surprise" war noch eine der präziseren Antworten auf die wiederkehrende Frage. Was die SPÖ denn in den zwei Jahren Opposition gelernt habe, wollte ein Chatter wissen. Gusenbauer, wie aus der Pistole geschossen: "Dass es bedeutend besser ist, wenn die SPÖ in der Regierung ist." (kob)

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