Jüdisches Museum bringt Ausstellung "Musik und Dichtung"

Mailath-Pokorny und Albrecht-Weinberger präsentieren auch Ausstellungsprogramm 2003 des Jüdischen Museums Wien

Wien (OTS) - "Es ist beeindruckend, so viele Kostbarkeiten der Kulturgeschichte in einer Ausstellung sehen zu können", zeigte sich am Dienstag Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny bei der Pressebesichtigung der Schau "Musik und Dichtung. Handschriften der Sammlungen Stefan Zweig und Martin Bodmer" im Jüdischen Museum Wien beeindruckt. Direktor Dr. Karl Albrecht-Weinberger verwies auf die Tatsache, dass die Autographen für lange Zeit zum letzten Mal außerhalb der Schweiz zu sehen sein werden. Ein erheblicher Teil stammt aus der Sammlung Stefan Zweigs und gehört heute der bedeutenden Privatsammlung der Fondation Martin Bodmer in Cologny-Geneve.****

Festwochen-Ausstellung Höhepunkt des Ausstellungsprogramms 2003

Der Kulturstadtrat und der Museumsdirektor nützten die Pressekonferenz zur Präsentation des Museumsprogramms 2003. Im Mittelpunkt dieses Programms, das im Zeichen des 10-Jahr-Jubiläums der Eröffnung des Museums im Palais Eskeles gehalten ist, steht die große Festwochenausstellung "Quasi una Fantasia - Juden und die Musikstadt Wien". Stadtrat Mailath-Pokorny zeigte sich erfreut, dass es Dank der Zusammenarbeit des Jüdischen Museums mit Prof. Hans Landesmann gelungen ist, diese Ausstellung zum Bestandteil der Wiener Festwochen zu machen. Er betonte, dass die Ausstellung inhaltlich dort fortsetze, wo bereits bei der Eröffnung der Festwochen 2002 begonnen wurde - bei der Erinnerung an die Vertreibung des Geistigen durch die Nationalsozialisten im Bereich der Musik. "Als Musikstadt Wien, als die wir uns so gerne sehen, ist es hoch an der Zeit, sich mit dem jüdischen Erbe in diesem Bereich der Kultur auseinander zu setzen", sagte der Kulturstadtrat, der weiter ausführte, dass jüdische Komponisten, Künstler und Mäzene die Entwicklung der Musikkultur und das Image der Musikstadt Wien in den letzten beiden Jahrhunderten entscheidend geprägt hatten.

Direktor Karl Albrecht-Weinberger verwies auf die weiteren Ausstellungshighlights: Eine umfassende Dokumentation über Peter Altenberg, die das Jüdische Museum gemeinsam mit dem Historischen Museum der Stadt Wien, der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und dem Literaturhaus vorbereitet "Peter Altenberg - Extracte des Lebens", 22. Jänner 2003 bis 27. April 2003) und im Herbst 2003 "Die Galerie H.O. Miethke. Kunst, Avantgarde und Publikum in Wien um 1900" als Jubiläumsausstellung des Jüdischen Museums Wien anlässlich des 10. Jahrestags der Eröffnung des Museums im Palais Eskeles am 18. November 1993 (7. Oktober 2003 bis Mitte Jänner 2004). Die Galerie Miethke war im Palais Eskeles untergebracht, noch bevor das Dorotheum hier sein Kunstpalais eingerichtet hatte. Unter Carl Moll als Leiter war die Galerie Wiens erste Adresse für europäische zeitgenössische Kunst. Die Festwochen-Ausstellung "Quasi una Fantasia - Juden und die Musikstadt Wien" wird von 14. Mai 2003 bis 21. September 2003 im Kooperation mit den Wiener Festwochen stattfinden.

"Musik und Dichtung" zeigt Autographen-Kostbarkeiten von Weltrang

Autographen von über 50 Persönlichkeiten der europäischen Musik-und Geistesgeschichte sind nach dem Salzburger Carolino Augusteum im Jüdischen Museum Wien zu sehen. Für die Wiener Präsentation wurden zusätzlich einige herausragende Hebraica hinzugefügt. Die Autographen sind in folgende Bereiche gegliedert: Lieder (Ludwig van Beethoven, Alban Berg, Claude Debussy, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Arnold Schönberg, Robert Schumann, Franz Schubert, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Anton von Webern). Oper und Oratorium (Georges Bizet, Franz Liszt, Giacomo Puccini, Alessandro Scarlatti, Richard Strauss, Richard Wagner) sowie Drama, Lyrik und Prosa (Honorè de Balzac, Sigmund Freud, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Hugo von Hofmannsthal, Johann Nestroy, Friedrich Nietzsche, Romain Rolland, Friedrich von Schiller, Georg Trakl, Stefan Zweig). Eine besondere Rarität bildet auch ein kurzer Redetext Napoleons an seine Soldaten. Ein weiterer Ausstellungsbereich beinhaltet Porträts, die u.a. Johannes Brahms, Claude Debusse, Franz Grillparzer, Gustav Mahler, Jean Jacques Rousseau oder auch Hugo Wolf zeigen. Hinzu kommen noch ein kleiner Bereich mit Instrumentalmusik mit Werken von Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, Gaetano Donizetti und Gustav Mahler und ein weiterer, der ausschließlich Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet ist.

Unter den Handschriften und Druckschriften aus jüdischer Tradition, die zuvor nicht im Salzburger Museum Carolino Augusteum gezeigt wurden, findet sich eine Auswahl außergewöhnlicher Hebraica, die selbst erfahrene Judaisten in Erstaunen versetzen: Da ist eine Terrakotta-Schale mit jüdisch-magischer Schutz-Inschrift in Aramäisch-Syrisch zu sehen, die um das Jahr 500 in Nippur angefertigt wurde. Außergewöhnlich ist auch eine Pesach Haggada, die um 1470 von Joel ben Simeon für eine deutschsprachige Gemeinde in Italien geschrieben und reich illustriert wurde. Hinzu kommen lateinische Handschriften auf Pergament mit Texten von Josephus Flavius aus dem 9. Jahrhundert sowie äußerst seltene Drucke des aus Cordoba stammenden Schriftgelehrten Moses Mailmonides aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die Mischne Tora ist auf Arabisch in hebräischen Buchstaben mit lateinischer Übersetzung gedruckt.

"Musik und Dichtung. Handschriften der Sammlungen Stefan Zweig und Martin Bodmer" ist von 23. Oktober 2002 bis 6. Jänner 2003 im Jüdischen Museum zu sehen. Das Jüdische Museum Wien (1., Dorotheergasse 11) ist Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, an Donnerstagen von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt: 5 EUR/2,90 EUR ermäßigt. Schulklassen in Begleitung eines Lehrers haben freien Eintritt und eine kostenlose Führung. Ein pädagogisches Begleitprogramm zur Ausstellung ist in Vorbereitung (Auskünfte unter Tel: 535 04 31-311 bzw. 312 DW). Details zum Angebot des Museums finden sich auch im Internet unter http://www.jmw.at/ . (Schluss) sta/bs

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Jüdisches Museum
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