ÖGB: Weiterer ÖIAG-Ausverkauf gefährdet Tausende Arbeitsplätze

Leutner: "Künftige Regierung muss positives Konzept zur Weiterentwicklung der industriellen Kernsubstanz vorlegen"

Wien (ÖGB). "Die vorliegenden Pläne zum Abverkauf des österreichischen Eigentums in der ÖIAG gefährden mehr als 100.000 Arbeitsplätze, setzen die Zulieferbetriebe unter Druck und reduzieren die Wertschöpfung in Österreich", erklärte Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB, die Folgen eines Verkaufs aller Beteiligungen und anschließender Auflösung der ÖIAG im Jahr 2007. Dieses Konzept, das der ÖIAG-Vorstand vorgelegt hatte, stelle einen wesentlichen industriepolitischen Rückschritt dar. "Damit steht Österreich auf der Verliererseite", so Leutner.++++

Die Ankündigungen eines bedingungslosen Verkaufs des ÖIAG-Vermögens würden nicht nur die ArbeitnehmerInnen in den betroffenen Betrieben verunsichern, sondern auch zu einem rapiden Preisverfall führen. "Die Absicht des scheidenden Finanzministers Grasser, sämtliche staatliche Industriebeteiligungen und die Post AG zu 100 Prozent zu verkaufen, führt notgedrungen zu einem Sinken der Preise. Das ist, als müsste jemand sein Haus an einem Vormittag verkaufen und vom Käufer dennoch einen guten Preis erwarten. Das Ergebnis kann man sich vorstellen", erklärte Leutner.

Abwanderung der Industrie

Damit werde jeder Einfluss auf das Bestehen der Arbeitsplätze in Österreich aufgegeben, die strategischen Entscheidungen über die österreichische Industrie würden in Zukunft im Ausland getroffen, kritisierte der Leitende Sekretär im ÖGB. "Langfristig kann das zur Abwanderung der Industrie und damit zu einer Schwächung des Wirtschaftsstandortes Österreich führen", so Leutner. Daher sei es unabdingbar, starke Industriekerne unter österreichischem Einfluss zu erhalten. "Fünf Prozent der österreichischen Beschäftigung hängen von der ÖIAG als Kernaktionär ab", betonte Leutner.

Mehr Beschäftigung durch österreichische Beteiligung

Anstatt eines wirtschaftlich unsinnigen Totalabverkaufes des industriellen Eigentums schlägt der ÖGB die Weiterentwicklung der industriellen Kernsubstanz vor. "Die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Beschäftigung hängt davon ab, dass wichtige Schlüsselsektoren in österreichischer Hand bleiben. Die ÖIAG muss daher von einer Privatisierungsagentur in eine echte Beteiligungsgesellschaft des Bundes umgewandelt werden. Von einer zukünftigen Regierung erwarte ich mir ein positiv orientiertes mittel- und längerfristiges Konzept zur Weiterentwicklung der industriellen Kernsubstanz, in dessen Mittelpunkt die ÖIAG stehen muss", schloss Leutner.

ÖGB, 22. Oktober 2002 Nr. 796

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