ÖGJ zu ÖVP: Papier kann warten - im Gegensatz zur Jugend

Ausweitung der Vorlehre ist gefährliche Drohung

Wien (ÖGJ). "Mir ist noch nicht ganz klar, ob ich lachen oder heulen soll, bei der Garantie der ÖVP, dass jeder Jugendliche eine Lehrstelle oder einen Lehrgangsplatz bekommt. Bereits im Februar hat Minister Bartenstein diese Garantie abgegeben. Erst nach massivem Druck von Gewerkschaftsseite und der Ankündigung der Neuwahlen konnte sich die ÖVP überwinden ein Jugendbeschäftigungspäckchen zu schnüren. Von einer Ausbildungsgarantie sind wir jedoch meilenweit entfernt", ist Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) verärgert. "Mit den Jugendlichen derart zu spielen und sie als Wahlkampfzuckerl einzusetzen ist angesichts der dramatischen Situation weder fair noch angemessen."++++

Allein als gefährliche Drohung, so Maringer, könne die Forderung nach einer Ausweitung der Vorlehre gesehen werden. "Die Bestimmungen, nach denen Unternehmer Jugendliche für eine Vorlehre einstellen können, wurden derart aufgeweicht, dass die Vorlehre nun als Ausbildungsvariante neben der herkömmlichen Lehre angeboten werden kann. Die Nachteile schlucken die Lehrlinge: Denn die Probezeit für eine Vorlehre beträgt sechs Monate, in denen der Vertrag jederzeit gekündigt werden kann. Die Vorlehre kann bis auf drei Jahre ausgedehnt werden, wobei der Lehrling die gesamte Zeit nur die Lehrlingsentschädigung des ersten Lehrjahres erhält. Und wenn ein Jugendlicher 3 Jahre Vorlehre absolviert hat, hat er keinen Lehrabschluss und ihm werden nur sechs Monate auf eine nachfolgende Lehre angerechnet. Keine positiven Aussichten für die Jugendlichen", so Maringer.

Bundeskanzler Schüssel hat heute gemeint: Für uns ist jeder Mensch gleich wichtig. "Unternehmer sind aber offensichtlich etwas gleicher als ArbeitnehmerInnen", so der Bundesvorsitzende.

ÖGB, 19. Oktober 2002 Nr. 790

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