Die Holzindustrie 2001/2002: Der naturnahe Werkstoff trotzt der Krise

Österreichs Holzindustrie verweist auf stabile Beschäftigung, insgesamt zufriedenstellende Umsatzentwicklung und einen starken Fokus auf Forschung und Ausbildung. Das Jahrestreffen "Network Wood" des Fachverbands am 17. Oktober stellt den Strukturwandel der Branche und die Chancen für Österreichs Holzindustrie in den Mittelpunkt.

(Wien, 17.10.2002) Die positive Entwicklung der österreichischen Holzindustrie in den vergangenen Jahren wurde 2001 auch unter schwierigen konjunkturellen Bedingungen fortgesetzt. Die Produktivitätssteigerung betrug 0,5%, auch die Beschäftigungszahlen stiegen leicht an (0,2%).

Zu den wichtigsten Sparten der österreichischen Holzindustrie zählen Sägeindustrie, Möbelindustrie, Baubereich, Holzwerkstoffindustrie und Skiindustrie. Die abgesetzte Produktion betrug 2001 5,4 Mrd. €. Die Exportquote beträgt über 50%, dabei ist die EU der wichtigste Abnehmer österreichischer Holzprodukte. Die 1800 Betriebe sind fast ausschließlich in privater Hand. Probleme durch den Strukturwandel bestehen - auch im Hinblick auf die EU-Erweiterung und die fortschreitende Globalisierung. Restruk-turierung und Konzentration, zumindest aber Networking kleinerer Unternehmen sind notwendig.

1. Halbjahr 2002: Gesunkener Produktionswert, aber Rekord beim Handelsbilanzüberschuss

Der Produktionswert der Holzindustrie sank im 1. Halbjahr 2002 um 8,4 % auf 2,326 Mrd. €. Die Produktionsmengen konnten in nahezu allen Branchen der Holzindustrie gesteigert werden. Daraus folgt, dass der Wert je produzierter Einheit teilweise stark zurückgegangen ist oder anders ausgedrückt, dass sich die Ertragslage verschlechtert hat. Die Handelsbilanz der Holzindustrie weist im 1. Halbjahr 2002 einen Überschuss von 771.640.965 € aus. Dieser Überschuss wuchs im Verhältnis zum ersten Halbjahr 2001 um 35,9 %.

Während der Überschuss in der EU um 26,9 % und nach Übersee um 9,7 % anstieg, reduzierte sich das Defizit nach Osteuropa um 17,2 %. In den Entwicklungsländern konnte ein Handelsbilanzminus in einen Überschuss verwandelt werden. Während die Importe generell um 10,3 % gesunken sind, konnten die Exporte erneut um 3,7 % gesteigert werden. Hervorzuheben ist ein Plus von 22 % nach Osteuropa.

"Bei unserer Jahrestagung ´Network Wood´ wollen wir uns mit den Herausforderungen des europäischen und weltweiten Strukturwandels auseinandersetzen und Möglichkeiten für die Österreichischen Unternehmen erarbeiten"; erklärte Dr. Erich Wiesner, Vorsitzender des FV Holzindustrie am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Haus der Industrie. "Nur eine kontinuierliche Steigerung des Marktanteils von Produkten und Dienstleistungen mit geringerem Ressourcen- und Energieverbrauch bewirkt Nachhaltigkeit. Die öffentliche Hand trägt hier eine Mitverantwortung in der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen und kann eine Vorbildrolle spielen", regte Wiesner an.

Soziale Nachhaltigkeit - über 33.000 Arbeitsplätze im Land!

Österreichs Holzindustrie ist klein- und mittelbetrieblich strukturiert, Familienbetriebe herrschen vor. Seit Anfang der 80er Jahre hat die Holzindustrie ihre Beschäftigungszahlen trotz laufender Steigerung der Produktion stabil gehalten - derzeit sind mehr als 33.000 Arbeitnehmer in den verschiedensten Bereichen industrieller Holzverarbeitung beschäftigt. Vielfach ist die Holzindustrie in strukturschwachen Gebieten der einzige Arbeitgeber.

Ökologische Bewertung: PEFC-Zertifizierung als Standard
für naturnahe Produktion

Nur zwei Drittel des jährlichen Holzzuwachses in ganz Europa werden genutzt. Moderne Ernteverfahren nehmen wieder Bedacht auf biologische Vielfalt. Das neue Zeichen PEFC (Pan European Forest Certification) bestätigt die Nachhaltigkeit in allen Produktionsstufen.
"Wenn wir uns vor Augen führen, dass pro Sekunde ein Kubikmeter Holz in Österreich entsteht, kann man das Potenzial dieses Rohstoffs erkennen. Die Natürlichkeit seiner Entstehung wollen wir in Ernte, Verarbeitung und Veredelung nutzen und fortsetzen", erklärte KR DI Hans Michael Offner, Vorsitzender der österreichischen Sägeindustrie.

Der Energieeinsatz für die Holzverarbeitung liegt bei einem Bruchteil vergleichbarer Werk- und Baustoffe (Metall, Beton, Kunststoff), häufig dienen bei der Produktion anfallende Nebenprodukte als Energielieferant für Trocknung, Verarbeitung und Beheizung der Betriebe. Laufende Innovation und offensive technologische Entwicklung führen dabei zu einem Maximum an Effizienz. Ein wichtiges Anliegen von Wiesner: "Wir brauchen attraktivere Rahmenbedingungen für die Ökoenergie."
Offner hat sich mit der PEFC-Zertifizierung vor allem eines zum Ziel gesetzt: "Der Informationsstand über den ‚ökologischen Rucksack' des Werkstoffs Holz muss verbessert werden, um eine Unterstützung bei Investitions- und Kaufentscheidungen zu treffen."

Forschung für zukunftsträchtige Holzprodukte boomt

"Produkte aus Holz müssen zwar hinsichtlich Produkteigenschaft und Preis
konkurrenzfähig sein, der ökologische Mehrwert ist aber dennoch zu berücksichtigen - zum Vorteil von Konsumenten und Unternehmern", weiß KR DI Helmuth Neuner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Holzforschung. "Unsere Zusammenarbeit mit der Holzforschung Austria ist sehr erfolgreich - nur die technologische Weiterentwicklung sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und baut sie aus." Die Sonderaktion des Forschungsförderungsfonds zwischen 1996 und 2000 trägt Früchte, weiß FFF-Geschäftsführer Wotke:"In den letzten Monaten wurden 276 eingereichte Projekte mit einem Barwert von insgesamt 15 Mio. € evaluiert - mit erfreulichen Ergebnissen. Die Projektziele wurden zu fast 90% erreicht, meist schon im ersten Jahr Für 20% der Unternehmen war diese Sonderaktion überhaupt erst der Einstieg in die Holzforschung."
Die Studienautoren Technopolis und Wifo bestätigen in der Evaluierung, dass die Fördermittel der Sonderaktion richtig adressiert waren - immerhin 40% der beteiligten Unternehmen wollen ihre Forschungsaktivitäten verstärken.
In den nächsten vier Jahren stehen für das neue Kompetenzzentrum Holztechnologie 2,91 Mio. € zur Verfügung - davon kommt rund ein Drittel vom Fachverband.

Spitzenausbildung für Fach- und Führungskräfte in Kuchl - neuer FH-Studiengang für Design- und Produktmanagement

Auch die Ausbildung muss permanent den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden und die F&E-Quote weiter erhöht werden. Hier hat die Holzindustrie bereits vor Jahrzehnten die Zeichen der Zeit erkannt:
Seit 1943 betreibt sie einen gemeinnützigen Verein zur Erhaltung des privat geführten Holztechnikum Kuchl (Salzburg). Offner, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums des Holztechnikums Kuchl, listet die Ausbildungsangebote auf: "Neben einer Berufsschule, die unter anderem Holz- und Sägetechniker ausbildet, gibt es die HTL für Betriebsmanagement-Holzwirtschaft und den Fachhochschulstudiengang Holztechnik und Holzwirtschaft.
Heuer im September startete der Fachhochschulstudiengang ´Design- und Produktmanagement-Schwerpunkt Möbelbau´". Weitere FH-Studiengänge, insbesondere "Baugestaltung Holz", sind in Vorbereitung und werden voraussichtlich ab Herbst 2003 angeboten werden. (www.ht-kuchl.ac.at)

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