"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ernst - Beinhart" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 17.10.2002

Graz (OTS) - Innenminister Ernst Strasser entzieht der Caritas
und den anderen Hilfsorganisationen die Rückkehrberatung von Asylwerbern und überträgt sie einem privaten Dienstleistungsunternehmen.

Dagegen ist grundsätzlich wenig einzuwenden. Schließlich ist es das gute Recht des Ministers, sich für die Flüchtlingsbetreuung jene Partner zu wählen, die sein Vertrauen genießen. Die Caritas zählt offenbar nicht mehr dazu.

Inhaltlich verwundert die Entscheidung umso mehr. War man in der Asylfrage zuletzt doch weit weniger voneinander entfernt, als man annehmen könnte. Bei der Caritas bestreitet niemand, dass das Asylwesen höchst reformbedürftig ist und dass zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Asylanten strikt getrennt werden muss.

Trotzdem macht der Innenminister auf beinhart. Er wird schon wissen, warum. Schließlich geht es in Zeiten des Wahlkampfs auch für die ÖVP darum, möglichst viele heimatlose FPÖ-Wähler zu lukrieren.

Diesem Ziel opfert der Christdemokrat Strasser ohne mit der Wimper zu zucken die großartige Flüchtlingsarbeit der Karitativen. Schlimm. Denn eines muss auch ihm klar sein: Einem privaten Unternehmer geht es letztlich immer um den Gewinn, der Caritas aber um den Menschen. ****

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