"Neues Volksblatt" Kommentar: "Frostigkeiten" (Christian Buchar)

Ausgabe vom 17. Oktober 2002

LINZ (OTS) - Poltern gehört zum Handwerk, wenn Gehaltsverhandler aufeinander treffen. Und oft genug wird letztlich dann nicht so heiß gegessen wie gekocht. Verhandlungen zwischen der Regierung und der Gewerkschaft öffentlicher Dienst machen da keine Ausnahme.
Trotzdem gehen die Verwerfungen bei den aktuellen Beamtengehaltsverhandlungen über das rituelle Verhandlungsgeplänkel hinaus. Die Ursachen dafür liegen nur zum Teil im aktuellen Streit um die nachträgliche Inflationsabgeltung für das laufende Jahr. Primär sind sie das Resultat zweier anderer Faktoren: Da ist zunächst der Beamtenabbau, der, so berechtigt er in vielen Bereichen war und ist, doch auch Sparten geschaffen hat, in denen das geforderte Arbeitspensum kaum mehr zu bewältigen ist. Und, noch schwerer wiegend: Da sind Wut und Frust über eine FPÖ, gedanklich noch repräsentiert vom Verhandlungsgegenüber Susanne Riess-Passer, die die Beamtenschaft oft genug als Klub überbezahlter, fauler Nichtstuer abqualifiziert hat.
Seitens der FPÖ war dieses Agieren politisch verständlich. Zum einen ist Beamtenschimpfen, vor allem im FP-Wählersegment, nach wie vor populär. Zum anderen traf man damit nicht das eigene, sondern eine schwarz-rote Wählerklientel. Aktuelle Frostigkeiten haben oft zurückliegende Wurzeln.

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