NEUER TORBERG-BAND IM HOHEN HAUS Präsident Fischer stellt Bücher über das FORVM vor

PK (Wien) - "Das Beste für Anfänger und Fortgeschrittene" verheißt ein neues Lesebuch aus Texten Friedrich Torbergs,
welches heute im Hohen Haus von Nationalratspräsident Heinz
Fischer vorgestellt wurde. Torberg ist auch das Bindeglied zu
zwei weiteren Werken, die heute ebenfalls der Öffentlichkeit präsentiert wurden: die ersten acht eines auf 33 Bände angelegten Reprint der Zeitschrift FORVM, deren Chefredakteur Torberg von
deren Gründung 1954 bis 1965 war, sowie ein diesbezüglicher Index über die Jahre 1954 bis zur Einstellung des FORVM 1995.

In seiner Begrüßung würdigte Präsident Fischer die grosse Bandbreite im Publikum, die sich von Gerd Bacher über Gerhard Bronner bis zu Günther Nenning erstrecke. Fischer rekapitulierte den Lebensweg Torbergs und ging auf die Genese des "Forum" ein, dabei betonend, wie bemerkenswert und faszinierend der intellektuelle Dialog gewesen sei, der dort geführt wurde -
sowohl auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene. Dies zu betrachten und nachzuvollziehen sei auch aus heutiger Sicht noch höchst interessant, so der Präsident.

Fischer berichtete von seinen eigenen Begegnungen und Gesprächen mit Torberg, wobei er meinte, die Diskussionen mit Torberg seien gerade deswegen so spannend gewesen, weil man eben nicht mit ihm einer Meinung war. Fischer erinnerte daran, dass bereits 1998
eine Anthologie mit Texten aus 42 Jahrgängen "Forum" erschienen sei, nun gebe es eine neue "wunderschöne Edition, schon rein haptisch und optisch, vor allem aber auch intellektuell", für die abermals Günther Nenning als Spiritus rector verantwortlich zeichne.

Nach den Dankesworten von Ueberreuter-Verlagschef Dr. Panzer, der auf die erstaunliche Aktualität der in der Edition versammelten Aufsätze verwies, die einen intellektuellen Diskurs widerspiegelten, wie er heute in dieser Form wohl nicht mehr möglich wäre, sodass man von einer Ära sprechen könne, deren prägender Geist Torberg gewesen sei, hielt der Herausgeber des Torberg-Lesebuchs "Künstler, Käuze, Zwetschgenröster" David Axmann eine Laudatio auf Torberg. Dieser sei in einem aktuellen Schulbuch über die österreichische Literatur nur noch mit zwei Zeilen vertreten, was für ihn, Axmann, ein Alarmzeichen und daher Movens gewesen sei, den vorliegenden Band zu edieren, um Torberg
vor dem Vergessen zu bewahren und einer neuen Generation von Lesenden nahezubringen. Das Buch solle daher "Appetit machen auf mehr Torberg".

Günther Nenning kam in seiner Ansprache auf seine Anfänge beim "Forum" zu sprechen und erinnerte an seine erste Begegnung mit Alexander Lernet-Holenia, der bei der ersten Zusammenkunft zu Nenning gemeint habe, ihn werde er sich gar nicht merken, denn
auf seinem Schreibtisch sässe alle 14 Tage ein anderer. Aus
diesen 14 Tagen seien schliesslich 25 Jahre geworden, die zur schönsten Zeit seines Lebens gehörten.

Nenning ging auch auf seine persönliche Beziehung zu Torberg ein, der im "Forum" alles versammeln habe wollen, was gegen den Kommunismus war, und da sei ihm ein Sozialdemokrat gerade recht gekommen. In der Redaktion habe aber stets ein liberales Klima geherrscht, so habe er, Nenning, genauso viel für Brecht publizieren dürfen, wie Torberg gegen Brecht veröffentlichte. Der vorliegende Reprint solle bis 2004 abgeschlossen sein, erklärte Nenning weiterhin, der sich erfreut darüber zeigte, dass dieses engagierte Projekt verwirklicht werden konnte.

DER ERFINDER DER TANTE JOLESCH

Friedrich Torberg wurde 1908 in Wien geboren und begann 1926
Texte zu publizieren. Diese veröffentlichte er unter einem Pseudonym, welches er aus der zweiten Silbe seines Nachnamens "Kantor" und dem Mädchennamen seiner Mutter zusammensetzte. 1930 erschien sein erster großer Roman, "Der Schüler Gerber", der ihn sofort berühmt machte. Nebenher war Torberg in diesen Jahren auch noch sportlich aktiv - er spielte Wasserball beim jüdischen
Verein "Hakoah".

1938 emigrierte Torberg über Zürich nach Paris, von wo er 1940 in die USA floh. Zehn Jahre später konnte er mit "Hier bin ich, mein Vater" an frühere Erfolge anknüpfen. Im Jahr 1954 begann Torberg mit der Herausgabe der Zeitschrift FORVM, die sich der Freiheit
der Kultur verschrieben hatte, dabei aber unter seiner Ägide primär ein konservativ-traditionelles Kulturverständnis propagierte. Seine letzten grossen Triumphe feierte Torberg 1975
mit "Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten" sowie 1978 mit "Die Erben der Tante Jolesch". Im
Oktober 1979 erhielt Torberg, der sich auch als Übersetzer, u.a. der Werke Ephraim Kishons, einen Namen gemacht hatte, den
"Grossen Österreichischen Staatspreis für Literatur", einen Monat später verstarb er im 71. Lebensjahr.

KÜNSTLER, KÄUZE, ZWETSCHGENRÖSTER

Das von David Axmann edierte Lesebuch enthält sowohl Auszüge aus Torbergs bekanntesten Werken "Tante Jolesch" und "Schüler Gerber" als auch eine Menge an Glossen, Kritiken und Briefen, die in
dieser Form eine gelungene Synopsis darstellen und zur weiteren Lektüre einladen. Eine Zeittafel und bibliographische Hinweise runden den Band, der im Verlag Langen Müller erschienen und im Handel erhältlich ist, ab.

FORVM: AUF VIELFÄLTIGE WEISE FÜR DIE DEMOKRATIE

"Das FORVM war die bedeutendste Kulturzeitschrift Österreichs."
In der Tat liest sich der Index jener Persönlichkeiten, die in
den Jahren zwischen 1954 und 1995 im "Forum" veröffentlichten,
wie ein Who is Who der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts, spannt sich der Bogen doch von Theoder W. Adorno und Hannah
Arendt über Thomas Bernhard und Ernst Bloch, über Albert Camus, Elias Canetti und Paul Celan, hin zu Rudi Dutschke, Jürgen Habermas, Friedrich Heer, Elfriede Jelinek und Georg Lukacs bis
zu Herbert Marcuse, Boris Pasternak und Jean Paul Sartre. In der
nun vorliegenden Ausgabe des Ueberreuter-Verlages kann man die Jahrgänge 1954 bis 1965 nachlesen.

In einem eigenen Index-Band sind sämtliche Autoren festgehalten, die zwischen der Gründung des "Forum" 1954 und dessen Einstellung 1995 für die Zeitschrift zur Feder griffen, wobei Themenhinweise und Heftnummer den jeweiligen Beitrag für besonders Interessierte genau erschließen. Alle heute präsentierten Werke sind im Buchhandel erhältlich. (Schluss)

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