17. Oktober: Internationaler Tag der Armutsbekämpfung

Wien (OTS) - Am 17. Oktober ist der Internationale Tag der Armutsbekämpfung. Die Vereinten Nationen erinnern damit an die Situation von über 1 Milliarde Menschen, die von weniger als einem Euro täglich leben müssen. Der Tag der Armutsbekämpfung soll aber auch darauf aufmerksam machen, dass die Folgen der Armut nicht vor Grenzen halt machen und wir letztendlich alle davon betroffen sind. Nur wenn es gelingt, die weltweite Armut zu überwinden, wird es eine nachhaltige und sichere Zukunft geben.

Armut hat globale Folgen
Mehr als die Hälfte der Menschheit sind von Armut oder Verarmung betroffen. Armut verletzt die Menschenrechte und die menschlichen Würde und hat fatale Konsequenzen, die weit über regionale Grenzen hinaus spürbar sind. Die internationale Verteilungsungerechtigkeit hat trotz zahlreicher Gegeninitiativen ein groteskes Ausmaß erreicht, wie der UN Bericht über die menschliche Entwicklung 2002 zeigt. So hat etwa das reichste Prozent der Weltbevölkerung gleich viel an Einkommen wie die 57% Ärmsten der Welt. Die Disparitäten zwischen den ärmsten und reichsten Ländern haben sich deutlich verschärft, ebenso die Unterschiede zwischen einzelnen Entwicklungsländern: Während Europa, Nordamerika, Australien, aber auch die zwei größten Entwicklungsländer der Erde, China und Indien, in den letzten 2 Jahrzehnten rasches Wirtschaftswachstum und Steigerung des Pro-Kopf Einkommens erreichten, ist das Pro-Kopf-Einkommen in Sub-Sahara Afrika gesunken. Auch innerhalb von Gesellschaften wachsen die Unterschiede, so ist z.B. in den Ländern Ost- und Südosteuropas infolge des Transformationsprozesses ein Anwachsen der so genannten Neuen Armut vor allem in ländlichen Gebieten zu verzeichnen.

UN Entwicklungsziele noch außer Reichweite
Die Vereinten Nationen haben bei ihrem Millenniumsgipfel im Jahr 2000 grundlegende Entwicklungsziele festgelegt. Bis 2015 soll etwa der Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen halbiert werden, die Kinder- und Säuglingssterblichkeit um 2/3 reduziert und der Schwund der natürlichen Ressourcen gestoppt werden. Weiters sollen alle Kinder bis dahin eine Grundschulausbildung bekommen und alle Menschen Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Möglichkeit zur selbstständigen Familienplanung haben. Trotzdem in manchen Bereichen regional enorme Fortschritte erzielt wurden, scheint die Erreichung der Milleniumsziele bis 2015 außer Reichweite zu liegen. So ging zwar die Säuglingssterblichkeit weltweit stark zurück, liegt allerdings in Sub-Sahara Afrika noch immer bei 155 Todesfällen pro 1.000 Geburten -und damit auf dem etwa 6-fachen Niveau der Kindersterblichkeit in Europa. Während die Länder Südasiens und Zentralamerikas im letzten Jahrzehnt zum Teil rasante Fortschritte gemacht haben, bildet Sub-Sahara Afrika hinsichtlich Armut, Schulbildung und Kindersterblichkeit nach wie vor das Schlusslicht. Die enorme Verteilungsungerechtigkeit führt vielfach zur Zerstörung natürlicher Lebensräume, zu Krankheit, Unterdrückung und zu gewaltsamen Konflikten zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen oder sogar zwischen Staaten.

Armutsbekämpfung als Grundlage für Nachhaltige Entwicklung Angesichts dieser Tatsachen steht es mittlerweile außer Streit, dass unser aller nachhaltige und sichere Zukunft von der Überwindung der Armut und von gerechterer Verteilung abhängt. Zahlreiche Initiativen zur Steigerung der Entwicklungsfinanzierung und zur verstärkten Kooperation zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten haben in den letzten Monaten Anlass zur Hoffnung gegeben. Regierungsvertreter der Industriestaaten haben sowohl beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg als auch beim Internationalen Gipfel für Entwicklungsfinanzierung in Monterrey ihren Willen bekräftigt, mehr und aktiver zum Kampf gegen Armut und ihre Konsequenzen beizutragen. Dabei wurde auch das UN Ziel, jährlich 0,7% des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe auszugeben, erneut bestätigt.
Als ersten Schritt dazu haben die EU-Mitgliedstaaten zugesagt, zu prüfen, mit welchen Mitteln und in welchem Zeitrahmen in jedem Mitgliedsland das 0,7% Ziel erreicht werden kann. Diese Initiative der EU beinhaltet die Zusage jener Mitgliedstaaten, deren Entwicklungshilfebudgets bisher deutlich unter diesem internationalen Zielwert liegen, das Volumen ihrer öffentlichen Entwicklungshilfe in den nächsten vier Jahren zu erhöhen. Auch die anderen EU-Mitglieder werden erneut Anstrengungen unternehmen, um bei oder über dem Wert von 0,7 %. Ziel ist es, bis 2006 einen EU-Durchschnittswert von 0,39 % des BNE für Entwicklungszusammenarbeit zu erreichen. Im Hinblick auf dieses Ziel sollen alle EU-Mitgliedstaaten versuchen, im Rahmen ihres jeweiligen Haushalts bis 2006 mindestens ein Volumen von 0,33 % des BIP für öffentliche Entwicklungshilfe zu erreichen.

Bundesministerin Ferrero-Waldner hat festgehalten, dass auch Österreich in den nächsten Jahren seine EZA-Ausgaben auf 0,33 % anheben wird. Mit Entschuldungsinitiativen wurde bereits 2001 ein erster Schritt gesetzt, der zu einer deutlichen Erhöhung der österreichischen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit führte.

Österreich: Konzentration auf ausgewählte Partnerländer und Kernkompetenzen
Dennoch bleibt noch viel zu tun, denn die Probleme, mit denen Entwicklungsländer kämpfen, sind umfassend. Zusätzlich zu fehlender Infrastruktur, mangelhafter Gesundheitsversorgung und Bildungseinrichtungen erschweren fehlende demokratische Strukturen die soziale und wirtschaftliche Entwicklung. 'Wenn wir die Armut überwinden wollen, müssen wir uns daher in Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen auf vielen Ebenen gleichzeitig engagieren', so Bundesministerin Ferrero-Waldner, . 'Unsere Mittel dafür sind naturgemäß begrenzt. Um dennoch möglichst effizient Unterstützung zu leisten, konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit 20 Schwerpunkt- und Kooperationsländern in Afrika, Asien und Zentralamerika. Dort können wir vor allen in den Bereichen, in denen Österreich eigenes Know-how mitbringt, viel beitragen.' Als konkrete Beispiele nennt sie den Aufbau der Wasserversorgung in ugandischen Kleinstädten, Programme zur ländlichen Entwicklung und Sicherung der Nahrungsmittelversorgung in Äthiopien und Kap Verde, den Bau von Wasserkraftwerken in Bhutan, aber auch Seminare zur friedlichen Konfliktlösung für Entscheidungsträger im südlichen Afrika.

Entwicklungszusammenarbeit wirkt
'Auch wenn es sehr schwierig wird, die Millenniumsziele bis 2015 zu erreichen, müssen wir weiterhin daran festhalten. Industriestaaten und Entwicklungsländer müssen sich gemeinsam dieser Herausforderung stellen,' so der Appell von Bundesministerin Ferrero-Waldner zum Tag der Armutsbekämpfung. Schließlich 'belegen die Untersuchungen der Weltbank und des UN Entwicklungsprogramms (UNDP) immer wieder, dass die internationale Entwicklungszusammenarbeit wirkt.' Denn in vielen Entwicklungsländern sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen, so beispielsweise in Senegal, wo die Lebenserwartung der Menschen in den letzten 20 Jahren von 41 auf 52 Jahre gestiegen ist. Ähnliches gilt auch für Guatemala mit einem Anstieg der Lebenserwartung von 53 auf 64 Jahre oder für Uganda, wo der Anteil der Kinder mit Grundschulausbildung von 57 auf 100 Prozent erhöht werden konnte. Diese positiven Trends geben der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit Anlass zu Optimismus, wie Bundesministerin Ferrero-Waldner abschließend erläutert. 'Die Entwicklung der ärmsten Länder kann nicht von heute auf morgen gehen. Alle Beteiligten brauchen dazu Geduld und vor allem noch deutlich höhere Investitionen in Entwicklungszusammenarbeit als bisher.'

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