Maier zu Bundesliga: Offener Brief an Stronach wegen Westenthaler

Rassismus und Antisemitismus haben im Fußball nichts verloren -Westenthaler kein Signal in die richtige Richtung

Wien (SK) Der SPÖ-Abgeordnete Johann Maier, Mitglied des parlamentarischen Sportausschusses, wendet sich in einem Offenen Brief an Bundesliga-Präsident Frank Stronach, um von diesem Auskunft darüber zu erhalten, ob er Ex-FPÖ-Klubobmann Westenthaler für die Idealbesetzung als Bundesliga-Vorstand hält. Konkret bezieht sich Maier, wie er Mittwoch gegenüber dem SPÖ-Pressedienst bestätigte, auf Passagen der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil", wonach das "Okay vom Big Boss" zur Bestellung Westenthalers kam, nachdem letzterer bezüglich antisemitscher und rassistischer Fehltritte "auf Herz und Nieren geprüft" worden sei. "Gerade im Fußball sind die Themen Rassismus und Antisemitismus die sensibelsten Problembereiche, deren Bekämpfung von Seiten der Europäischen Union und der Bundesliga höchste Priorität eingeräumt wird. All diese Bemühungen, die die Bundesliga und der österreichische Fußballsport tatsächlich und täglich leisten, sind schlagartig gefährdet, wenn eine Person in eine Vorstandsfunktion kommt, die in ihrem politischen Vorleben Antisemitismus und Rassismus verharmlosten", so Maier, der Westenthaler als "eindeutig falsches Signal" für die Bundesliga bezeichnet. ****

Drei mögliche Interpretationen auf Stronachs Aussagen seien laut Maier möglich: Die Prüfung durch das "Hauptquartier" Stronachs müsse oberflächlich gewesen sein, was den SPÖ-Abgeordneten ob Stronachs Professionalität "wundern würde", die Berichterstattung über Westenthalers Prüfung "auf Herz und Nieren" sei falsch, oder die Prüfmaßstäbe Stronachs entsprechen nicht dem demokratischen rechtsstaatlichen Konsens. Maier erinnert Stronach an den März 2001, als Westenthaler auf die Frage, ob dieser auch einen "Ariel-Witz" machen würde wie sein einstiger Mentor Haider, sagte: "Wäre er mir eingefallen wahrscheinlich schon, aber ich habe keine so große Begabung für den Situationswitz." Kaum zwei Wochen später warf Westenthaler dem von Haiders antisemitischer Attacke betroffenen Ariel Muzicant Antisemitismus vor, weil dieser angeblich Juden mit Ausländern gleichgesetzt habe. Keinen Antisemitismus wiederum sah Westenthaler in Aussagen Haiders über den Wahlkampfstrategen des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl im Wiener Wahlkampf 2001, den sich dieser "von der Ostküste (hat) einfliegen lassen". Haider weiter: "Wir brauchen keine Zurufe von der Ostküste. Jetzt ist einmal genug." Für Westenthaler damals alles kein Problem, da Ostküste ein Wort sei, dass in jedem Wörterbuch nachzuschlagen sei.

Maier führt in dem Offenen Brief an Stronach Beispiele für Westenthalers xenophobe Äußerungen an und bittet diesen zusammenfassend, die Aussagen Westenthalers nochmals zu analysieren und "seine Entscheidung im Interesse des österreichischen Sports noch einmal zu überdenken". Gerade angesichts der vielfältigen Intiativen und Aktionen von EU und Bundesliga - Maier erinnert etwa an das über das anerkannte Projekt "Fair Play" -, Rassismus und Antisemtismus weltweit von den Fußballplätzen zu verbannen, sei Westenthaler als Bundesliga-Vorstand "eindeutig der falsche Mann", so der SPÖ-Abgeordnete abschließend. (Schluss) ns/mm

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