Kossina: Regierung hat beim Klimaschutz versagt

"Wien zeigt wie's geht", bereits 1.200.000 Tonnen CO2 Emissionen eingespart

Wien (OTS) - "Klimaschutz zeigt in Wien volle Wirkung", betonte am Mittwoch Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina bei einer Pressekonferenz. Das erfolgreiche Gegenmodell Wien zum Bund beweist im Klimaschutz, dass mit effizienten Maßnahmen und der konsequenten Umsetzung des KLIP (Klimaschutzprogramm) die CO2 Emissionen in den vergangenen Jahren wesentlich reduziert werden konnten. Eine erste Zwischenbilanz bestätigt, dass die Maßnahmen in Wien greifen. Waren es 1987 noch Pro-Kopf 5,7 Tonnen Kohlendioxid, so lag der Wert im Jahr 2000 bei 4,3 Tonnen. Das Ziel im KliP: Bis zum Jahr 2010 will Wien die jährlichen CO2-Emissionen von 8,5 Millionen Tonnen (Wert:
1990) auf 7,3 Millionen Tonnen CO2 (2010) absenken und zusätzlich die Emissionen der anderen Treibhausgase im Ausmaß von 1,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten reduzieren. Gerade in Städten sei es notwendig, Maßnahmen zur Verminderung des Treibhauseffektes umzusetzen und zu evaluieren. Wien gehe als Klimamusterstadt diesen erfolgreichen und zukunftsweisenden Weg, betonte Kossina.****

Bei den CO2 Emissionen ist das erstmals gelungen. 1,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid wurden allein durch Maßnahmen wie den neuen Kraftwerksblock Donaustadt, den Fernwärmeausbau, der Wohnbauförderung und Wohnhaussanierung und dem ÖkoBusinessPlan Wien eingespart. Ohne KliP-Maßnahmen - so haben Experten berechnet - würden die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 in Wien auf 9,9 Millionen Tonnen klettern.

Kossina: "Aber auch der Austausch von alten Ölkesseln muss forciert werden. Bei alten, ineffizienten Einzelkesseln ist eine hohe Umweltbelastung gegeben. Dort, wo leitungsgebundene Netze für Fernwärme und Gas vorhanden sind, soll eine Umstellung auf Fernwärme oder Gas erfolgen, dort, wo sich alte Ölkessel befinden, müsse ein rascher Austausch stattfinden.

Kossina: "Damit das nicht geschieht, setzt Wien auf Energiesparen, Energieeffizienz und Wärmedämmung, auf CO2 freie bzw. CO2 arme Energieträger, auf ökologischen Einkauf und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und anderer umweltfreundlicher Alternativen wie das Radfahren. Neben den positiven Effekten auf Umwelt und Klima, helfen diese Maßnahmen auch Geld zu sparen und Arbeitsplätze zu sichern.

Kossina: "Die Stadt Wien ist mit ihren bereits konkret umgesetzten Maßnahmen des Klimaschutzprogramms, der nationalen Klimaschutzstrategie der Regierung weit voraus. Das beginnt bei den Reduktionszielen, die im KliP ehrgeiziger sind, als bei der Bundesstrategie und endet damit, dass Wien nicht nur die Maßnahmenprogramme ausgearbeitet hat, sondern sie seit Jahren in der Praxis realisiert." Das Reduktionsziel Österreichs wurde mit 13 Prozent festgelegt. Dieser Wert beinhaltet die vom Anwendungsbereich des Kyoto Protokolls erfassten Treibhausgase CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan), N2O (Lachgas), H-FKW (teilhalogenierte-Kohlenwasserstoffe), PFKW (vollhalogenierte Kohlenwasserstoffe) und SF6 (Schwefelhexafluorid).
Anders das KLIP - Reduktionsziel Wiens: 14 Prozent Einsparungen allein bei den CO2-Emissionen gegenüber dem Wert von 1990. Zusätzlich eine Reduktion anderer Treibhausgase mit einem CO2-Äqivalent von 1,3 Millionen Tonnen.

Klimaschutz sei vorsorgender Umweltschutz, denn Umwelt kenne keine Grenzen, so Kossina. Im Unterschied zum Bund beweise Wien, dass Klimaschutz ernst genommen wird und dass dies tatsächlich messbare Auswirkungen habe.

Bereits 1999 hat die Stadt Wien das Klimaschutzprogramm für Wien beschlossen. Es besteht aus insgesamt 36 Maßnahmenprogrammen in fünf Schwerpunktbereichen: Fernwärme- und Stromerzeugung, Wohnen, Betriebe, Stadtverwaltung, Mobilität.

Zahlreiche Maßnahmen konnte Wien in den vergangenen Jahren schon erfolgreich umsetzen, so zum Beispiel:

o der Aufbau eines Ökostromangebotes durch Wienstrom,
o die Errichtung und Inbetriebnahme des Kraftwerksblocks
Donaustadt 3 (800.000 Haushalte erhalten dadurch Strom und rund 180.000 Haushalte Fernwärme), den Ausbau der Fernwärme,
o Maßnahmen im Bereich der erneuerbaren Energien, z.B. Solarförderung (Förderungen zwischen 2.000 und 7.000 Euro)
o Thermisch-energetische Wohnhaussanierung
o Energietechnische Maßnahmen in städtischen Gebäuden
o Ausbau und Verbesserung des öffentlichen Verkehrs
o Fortsetzung des Ökobusinessplans zur Förderung und Umsetzung
von Umweltschutz in der Wiener Wirtschaft
o Aufbau von Umweltmanagementsystemen in städtischen
Einrichtungen
o Erarbeitung von Umweltkriterien für die Beschaffung von Bau-, Dienst- und Lieferleistungen (Ökokauf)
o Weitgehende Umstellung der Stadtgüter auf biologischen Landbau
o Anhebung des Bio-Lebensmittelanteils in städtischen
Einrichtungen

Kossina: "In Summe konnten mit diesen Maßnahmen rund 1.200.000 Tonnen CO2 Emissionen eingespart werden."

Weitere Ziele: Ausbau der Fernwärme bleibt Priorität

"Der Fernwärmeausbau in Wien hat oberste Priorität", betonte Kossina. So liegt der Anteil der Fernwärme am Wiener Raumwärmemarkt derzeit bei fast 30 Prozent (Ziel bis 2005: 32 Prozent). Im Jahr 2001 wurden bereits 220.325 Wohnungen (Ziel bis 2005: 250.000 Wohnungen) mit Fernwärme versorgt.

Das Ziel 50.000 Wohnungen bis zum Jahr 2005 für den nachträglichen Anschluss an die Fernwärme vorzubereiten wurde bereits im Jahr 2000 erreicht und sogar übertroffen. Der Anteil der Wohnungen, die Fernwärme zur Warmwasserbereitung verwenden, konnte auf mehr als 70 Prozent gesteigert werden (Ziel bis 2005: 75 Prozent). Kontinuierlich wird auch das Fernwärme-Leitungsnetz ausgebaut. Derzeit hat es eine Länge von rund 940 Kilometer (2001:
870 km).

Mit Thewosan wird energiesparendes Wohnen möglich

"Beim Klimaschutz darf es keinen Stillstand geben", so Kossina und ergänzt: Die thermisch-energetische Wohnhaussanierung (Thewosan) bleibt ein Schwerpunkt des KliP: Ein Bauvolumen von 52,4 Mio. Euro und ein Landszuschuss von 13,9 Mio. Euro stehen zur Verfügung. Das Budget für Thewosan beträgt im Jahr 2002 zirka 27,3 Mio. Euro.

Mit Thewosan wurden und werden bereits mehr als 200 Wohnbauten von "Energiefressern" zu energiesparenden Wohnbauten gemacht.

Ein Thewosan-saniertes Wohnhaus verbraucht im Durchschnitt um 50 Prozent weniger Energie für Raumwärme als vorher. Bis 2006 sollen Wohnhäuser mit rund 100.000 Wohnungen saniert werden. Damit können 160.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Energiereduktion mit Contracting in öffentlichen Gebäuden

"Die Stadt Wien reduziert den Energieverbrauch in ihren Gebäuden ohne das Budget zusätzlich zu belasten", unterstrich Kossina. Möglich werde dies durch das System des Energie-Einspar-Contractings. Das bedeutet, dass beauftragte Firmen Energiesparmaßnahmen wie zum Beispiel Kesselerneuerung bzw. Umstellung auf Fernwärme, Modernisierung der Haustechnik-Regelung, Verbesserungen im Bereich der Beleuchtung sowie zusätzliche Isolierungen auf ihre eigenen Kosten durchführen. Die Bezahlung erfolgt innerhalb der zu garantierenden Amortisationszeiten in der Höhe der tatsächlich eingesparten Energiekosten.

1996 als Pilotprojekt bei acht städtischen Gebäuden gestartet, sind die Ergebnisse mittlerweile so überzeugend, dass mehr als 20 weitere Projekte umgesetzt werden. Bei den ersten acht sanierten Gebäuden konnten die jährlichen Energiekosten insgesamt um 116.000 Euro gesenkt werden, die Kohlendioxidemissionen um rund 960 Tonnen pro Jahr (44 Prozent) und die Schwefeldioxidemissionen um rund 1 Tonne pro Jahr (74 Prozent). Für die acht Projekte wurden Investitionen in der Höhe von rund 836.000 Euro getätigt, ohne das Budget der Stadt Wien zu belasten.

Als nächster Schritt wird das Energie-Einspar Contracting bei sechs Wiener Hallenbädern durchgeführt. Basis dafür sind die Erfahrungen, die man bei der energetischen Sanierung des Simmeringer Hallenbades gemacht hat. Dort wurden 65.000 Euro an Energiekosten gespart.

Umweltmanagementsysteme für Amtsgebäude

Mit dem Projekt Umweltmanagementsysteme in Amtsgebäuden (PUMA) will die Stadt Wien in allen Amtshäusern und in den von der Stadt verwalteten Gebäuden Umweltmanagementsysteme einführen. Bis zum Jahr 2005 sollen alle Amtshäuser, Schulen, Kindertagesheime, Bäder und Krankenanstalten solche Systeme aufgebaut haben. Derzeit wird u.a. an Umweltmanagementsystemen in den Amtshäusern Wien 19/Muthgasse, Wien 7/Hermanngasse 24-28 und im Amtshaus der MA 22 - Umweltschutz (Wien 1/Ebendorferstraße) gearbeitet. Für eine Reihe von weiteren Amtshäusern wurden erste Gespräche zur Einführung von Umweltmanagementsystemen geführt oder als Vorbereitung Energie-Checks durchgeführt. Arbeiten laufen auch in vielen Kindertagesheimen und städtischen Hallenbädern.

Umweltservice Paket für die Wiener Wirtschaft

Der "ÖkoBusinessPlan Wien" ist seit 1999 das Umweltservicepaket für die Wiener Betriebe. Mit dieser Initiative hilft die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) der Wirtschaft auf Umweltkurs zu kommen. Sechs verschiedene Programme für einen vorsorgenden Umweltschutz stehen zur Auswahl: "EMAS", "ISO 14001", "Ökoprofit", "Klimaschutz in Kleinbetrieben", "Umweltzeichen Tourismus" und "Abfallmanagement in Kleinbetrieben".

Erfahrene Consultingunternehmen spüren gemeinsam mit den Betrieben umweltrelevante Schwachstellen auf und helfen mit, Maßnahmen in die Praxis umzusetzen. In den letzten drei Jahren haben bereits 280 Wiener Unternehmen eines der Umweltprogramme erfolgreich absolviert. Rund 50 neue Betriebe realisieren derzeit eines der Umweltprogramme, bis Jahresende sollen es rund 100 sein, sodass die Zahl der ÖkoBusinessPlan Wien Betriebe bis Ende 2002 auf 380 steigen wird.

Jeder kann Energie sparen

Energiesparen ohne Komfortverlust schont Ressourcen und reduziert die Kosten nicht nur für die Endverbraucher. Beratung und Service sind entscheidend, will man Kunden zum Energiesparen motivieren. Deshalb informieren WIEN ENERGIE-Mitarbeiter regelmäßig in Sachen Energiesparen. Fragen zu den Themen leitungsgebundene Energieträger (Strom, Fernwärme, Erdgas) werden genauso beantwortet wie zu Sanierungsmaßnahmen und Energiesparmöglichkeiten. Pro Jahr führen die Mitarbeiter insgesamt rund 25.000 Beratungsgespräche.

Drehscheibe für die Beratung ist das Haus WIEN ENERGIE: 1060 Wien, Mariahilfer Straße 63, Tel.: 58 200, E-Mail:
haus@wienenergie.at, Internet: http://www.wienenergie.at/ Öffnungszeiten: Mo - Mi: 9 bis 18 Uhr, Do: 9 bis 20 Uhr, Fr: 9 bis 15 Uhr. Erreichbarkeit: Buslinien 13A und 14A und U3 (Station Neubaugasse).

Außerdem werden zahlreiche Broschüren angeboten wie zum Beispiel zu den Themen "Sonnenenergie", "Verbesserung des Wohnkomforts", "Abdichten von Fenstern und Türen", "Regelung von Zentralheizungen". Neu ist die Broschüre "Strom im Haushalt" mit Tipps zur Nutzung energiesparender Elektrogeräte. Tipps zum Energiesparen und zum Klimaschutz gibt es auch auf wien.at unter
http://www.wien.at/umwelt/klimaschutz/tipps/ (Schluss) bfm/gat

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Birgit Flenreiss-Mäder
Tel.: 4000/81 353, Handy: 0664/32 69 753
fle@ggu.magwien.gv.at
Wolfgang Gatschnegg (MA 22)
Tel.: 4000/88303 oder Handy: 0664/345 39 96
gat@m22.magwien.gv.at

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