"Kleine Zeitung" Kommentar: "Halbnackt" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 15.10.2002

Graz (OTS) - RH-Präsident Franz Fiedler versteht die Aufregung nicht. Sagt er zumindest. Irgendwie wird er die Empörung in der ÖVP aber wohl verstehen. Selbst wenn es nur, wie er beteuert, um "nackte Zahlen" geht. Darum, dass die Österreicher 5,81 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuern zahlten. Und damit erst das stolze Projekt der Regierung, das Nulldefizit 2001, ermöglichten.

Eine Tatsache, seit langem bekannt und nun im Bundesrechnungsabschluss neuerlich unverblümt schnörkellos dargestellt. Eine nackte Zahl, die nacktes Entsetzen bei FP und VP auslöst.

Warum eigentlich? So ganz nackt stehen sie doch nicht da, der Kanzler, der Finanzminister. Natürlich: Rühmlich und kreativ war es nicht, die Abgabenquote auf bislang nie erreichte 45,9 Prozent hochschnellen zu lassen. Rühmlich war es aber doch, eine Wende, eine kleine, eingeleitet zu haben. Und so wurde mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt geschafft, was seit 1974 keine Regierung schaffte. Auch nicht in Zeiten der Hochkonjunktur.

Mit dem Effekt, dass wir im Jahr allein 7,56 Mrd. Euro (104 Mrd. S) nur an Zinsen bezahlen müssen. Für die aufgetürmten Schulden vergangener Regierungen. Auch eine mehr als nackte Tatsache. ****

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