"Neues Volksblatt" Kommentar: "Oje, Heller" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 15. Oktober 2002

Oje, SPÖ. Da mühen sich _ bis hin zur peinlichen Sekundenzählerei, wer denn nun am öftesten auf der Mattscheibe erscheint _ Cap & Co seit Tagen, den ORF als schwarz-blau gelenkt zu diskreditieren und dann platzt bei der ORF-Übertragung der Nestroy-Gala ausgerechnet André Heller mit seinen Tiraden gegen die Regierung in die Strategie. Oje, André Heller. Nein, der bestenfalls mittelmäßige Text, mit dem sich der "Poet" seinen Frust über die VP-FP-Koalition von der Seele schrie, war nicht Ausdruck intellektueller Brillanz. (Gleiches gilt für die unpassenden Kommentare von Moderatorin Andrea Eckert). Johann Nepomuk Nestroy, in dessen Namen die Preise vergeben wurden, hätte sich Besseres verdient. Denn wo einst, bei Nestroy, jeglichen Obrigkeiten scharfzüngige Kritik und spitze Ironie entgegenschlug, griffen nun, bei Heller, dem bekennenden Gusenbauer-Unterstützer, die Tiraden einfach nur tief unter die Gürtellinie.
Natürlich steht es dem Künstler _ wie jedem Menschen _ zu, für sich über Anständigkeit und Unanständigkeit von Politikfeldern zu richten. Wer die ORF-Übertragung einer Laudatio im Rahmen einer Preisverleihung aber für plumpe Propaganda missbraucht, wird verstehen müssen, dass seine moralische Autorität im Nestroyschen Sinn zur Chimäre gerät.

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