ÖGJ: Der Jugend nicht nur vor Wahlen eine Chance geben

Maringer: Nach knapp drei Jahren Untätigkeit wird jetzt plötzlich die Werbetrommel gerührt

Wien (ÖGJ). "Der Jugend nur vor Wahlen eine Chance zu geben ist nicht nur durchsichtig, sondern auch etwas mager um sich der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich wirklich anzunehmen", ist Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) verärgert. "Wir hatten im Jahr 2000 ein Lehrstellenproblem, wir hatten im Jahr 2001 ein Lehrstellenproblem und wir haben heuer seit Beginn des Jahres ein Lehrstellenproblem. Die gesamte Legislaturperiode blieb die Regierung untätig. Arbeitslose Jugendliche schienen sie nicht zu interessieren. Jetzt sechs Wochen vor der Wahl wird plötzlich die Werbetrommel gerührt." Viel zu spät, wie Maringer meint.++++

Hätte sich die Regierung auch in Zeiten, in denen Sachpolitik vor Wahlpopulismus steht, Gedanken über die Jugendbeschäftigung gemacht, wären tausende Jugendliche bereits im Frühjahr noch in der Schule über ihre Möglichkeiten informiert worden. "Wie aus einer IFES Studie der Gewerkschaft Metall-Textil bei der mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Lehrgänge befragt wurden, hervorgeht, hatten bereits knapp vor Schulschluss mehr als ein Viertel aller Poly-SchülerInnen noch keine Lehrstelle", so Maringer. "Erschreckend ist, dass 40 Prozent jener SchülerInnen, die eine Lehrstelle bekommen haben, nicht ihren Wunschberuf erlernen können."

Angesichts dieser Informationen ist es nicht nur spät, der Jugend jetzt erst eine Chance zu geben, sondern auch mehr als fragwürdig, ob diese Chance auch nach dem 24. November weiterhin besteht. "Die gemeinsame Aktion des Wirtschaftsministeriums, des AMS und der WKÖ riecht stark nach Wahlkampf. Die Gelder, die für diese Notaktion aufgebracht werden müssen, wären für Berufsorientierung und Stiftungsmaßnahmen besser angelegt gewesen", so der Bundesvorsitzende.

"Die im Konjunkturpaket beschlossene Lehrlingsprämie von 1.000 Euro pro Lehrling und Arbeitsjahr muss verbindlich an Qualitätskriterien gekoppelt werden. Alles andere stellt ein Kopfgeld dar, das nicht den Jugendlichen und nicht der Qualität ihrer Ausbildung dient", so Maringer abschließend.

Service: Die gesamte IFES-Studie ist in der Zentralen Jugendabteilung der Gewerkschaft Metall-Textil unter der Telefonnummer 01/501 46-285 erhältlich.

ÖGB, 14. Oktober 2002 Nr. 774

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