Alte Schmiede: Krimineller Marathon, Ödnis der Werbesprache

Wien (OTS) - Drei Neuerscheinungen österreichischer Verlage stehen kommenden Donnerstag zum näheren Kennenlernen in der Alten Schmiede an. Herbert J. Wimmer wird aus seinem neuaufgelegten Prosawerk "innere stadt: roman", herausgegeben vom Verlag Sonderzahl, lesen, Margret Kreidl wird aus ihrem neuen, in der "Edition Korrespondenzen" erschienenen Werk "Laute Paare" vortragen und Martin Prinz seinen ersten, von der Kritik bereits positiv gewürdigten Roman "Der Räuber" vorstellen.

Reale Banküberfall-Serie stand Pate

Prinz "Räuber" erinnert an einen tatsächlichen Kriminalfall aus den achtziger Jahren, als Johann Kastenberger, von den Medien seinerzeit auch als "Pumpgun-Ronnie" tituliert, für schlagzeilenträchtige Auflagen sorgte. Kastenberger, der sich auf das Überfallen von Banken spezialisiert hatte, erstaunte Österreich durch seinen Wagemut: So überfiel er einmal an einem einzigen Tag drei Banken, ein anderes Mal wieder binnen drei Tagen je ein Geldinstitut. Dabei benutzte Kastenberger jeweils eine Gummimaske, die den seinerzeitigen US-Präsidenten Ronald Reagen abbildete. Als Waffe nutzte er eine Pumpgun. Kastenberger fand den Tod nach einer spektakulären Flucht aus einem Verhörzimmer und einer sich daran anschließenden tagelangen Verfolgungsjagd, die Kastenberger vor allem laufenden Schrittes hinter sich brachte.

Martin Prinz, Jahrgang 1973, beschreibt in seinem fiktiv gehaltenen Erstlingswerk genau jene Tage der Flucht, als ein Bankräuber namens Rettenberger zu Fuß, gleich einem Marathonläufer, sein Heil im Hakenschlagen sucht. "Ich laufe davon, unentwegt kam dieser kaum hörbare Satz wieder...": Martin Prinz, selbst begeisterter Läufer und Schilangläufer - in den Jahren 1986 bis 1991 war er etwa Mitglied des Langlaufkaders des Landesschiverbandes Niederösterreich - erzählt seine Fluchtgeschichte jenseits moralischer Fragestellungen. Was ihn interessiert, sind die Angstzustände des Einzelnen, die vor sich hin trabende und schwitzende Verzweiflung des Gejagten, der sein Glück nicht dem Lottospiel anvertrauen wollte. "Der Räuber" ist im Verlag Jung und Jung erschienen.

Stadt als Sequenz

"innere stadt: roman" von Herbert J. Wimmer stellt sich als ambitionierte Annäherung an die Unübersichtlichkeit großstädtischen Lebens dar. Sein an sich bereits 1991 erschienener Roman darf als minutiöse Beobachtung innerstädtischer Bewegungsabläufe gelesen werden, die ihre pittoreske Erscheinung nur dem schreibenden Beobachter offenbart. "innere stadt: roman" handelt von dicht gedrängten Rolltreppen, von Menschenmustern auf der Bühne von Fußgängerpassagen, es sind kunstvoll verfasste Beobachtungen des Erscheinens, Durchquerens und Verschwindens von Menschen, die in der Stadt leben. Wimmer, Jahrgang 1951, stammt aus dem niederösterreichischen Donaustädtchen Pöchlarn, seit 1973 arbeitet er als freier Schriftsteller. Er ist Träger mehrer Förderungspreise, zuletzt erhielt er den Siemens Literaturpreis 1999. Zu seinen früheren Werken zählen u.a. "Auto Stop - tempo texte" (Sonderzahl Verlag, 1999) und "In Schwebe halten" (Edition päsens, 1997). Neben seinem erzählerischem Werk beschäftigte sich der vielseitige Autor, der immer wieder auch für den Rundfunk arbeitet, mit der Literaturgeschichte der letzten Jahrzehnte.

Physische Entblößung der Werbesprache

Die Auseinandersetzung mit der deformierenden Gewalt der Werbesprache, die unser aller Wörterschatz maßgeblich beeinflusst, ist bereits langjähriges Thema im Schaffen von Margret Kreidl. In ihrem neuen Werk "Laute Paare" unternimmt Kreidl, die seit 1989 freiberuflich als Schriftstellerin in Wien wohnt, einen weiteren Vorstoß in diesen seltsamen Orkus. Im Mittelpunkt steht der durchwegs groteske, mitunter durchwegs der Pornographie zuzuordnende Paarungsakt gegenwärtiger Liebespraktiken, deren Verhüllung längst abgelegt, deren Geheimnis scheinbar längst gelüftet zu sein scheint. Die Autorin, die bereits in früheren Werken, wie etwa "In allen Einzelheiten" (Ritter Verlag, 1998) oder "Schnelle Schüsse" (Edition Das Fröhliche Wohnzimmer, 1996) darum bemüht war, die zum Klischee geronnene Sprache des Fernsehens, der Werbung, von Anzeigen und Spots wieder aufzubrechen, setzt mit "Laute Paare" ihren Weg durch die seltsame Stille unserer konsequent aufgeheizten Slogan-Kommunikation fort.

o Termin: Donnerstag, der 17. Oktober 2002
Ort: Alte Schmiede (1., Schönlaterngasse 9)
Beginn: 19.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Allgemeine Informationen:
o Alte Schmiede: http://www.alte-schmiede.at/literatur.htm
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