Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Schlechte Botschaft (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 12. Okt. 2002

Klagenfurt (OTS) - Präsident George W. Bush hält seit gestern die Generalvollmacht für den Krieg in Händen. Er wird sie nützen. Daran wird auch der UN-Sicherheitsrat nichts mehr ändern. Daran werden die Warnungen aus nahezu sämtlichen Hauptstädten Europas und Asiens nichts ändern. Daran werden die Geheimdienstberichte nichts ändern, die den Krieg nicht als Waffe gegen den Terror, sondern als Produzenten des Terrors gegen Amerika benennen. Und daran wird am allerwenigsten das Friedensnobelpreis-Komitee etwas ändern, das Carter ehrte, um Bush zu tadeln.

Jimmy Carter ist für den Friedensnobelpreis ausreichend würdig, doch bekommen hat er ihn, weil sich Kritik an Bush's Kriegstreiberei nicht eleganter ausdrücken lässt. Ob damit aber irgendwem ein guter Dienst erwiesen wurde, ist mehr als fraglich.

Bush wird die verschlüsselte Kritik aus Oslo mehr als kalt lassen. Und für Carter ist es nicht unbedingt schmeichelhaft, als Vehikel für politische Kritik zu dienen. Schaden wird es ihm aber nicht. Tatsächlich Schaden nehmen aber könnte durch solche politischen Manöver der Friedensnobelpreis selbst. Das Komitee zeigte sich bereits gestern darüber zerstritten, ob die Kritik gewollt war oder nicht. Tatsache bleibt: Der Friedensnobelpris ist eine völlig wirkungslose Ohrfeige für Bush. Eine schlechte Botschaft in Zeiten des Krieges.

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