Leitl fordert Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt

"Gemeinsame EU-Antwort auf Wirtschaftskrise" ist nötig

Wien (PWK726) - Angesichts der Krise der europäischen Wirtschaft fordern die Europäischen Wirtschaftskammern (Eurochambres) auf ihrem zweitägigen Kongress in Antwerpen (Belgien) gemeinsame europäische Impulse. "Die schwache wirtschaftliche Situation in Europa zu beklagen bringt nichts, jetzt sind Aktivitäten gefragt", sagte der Präsident der Europäischen Wirtschaftskammer, Christoph Leitl.

Zum einen sei es wünschenswert, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen senkt. "Eine Zinssenkung wäre aus Sicht der europäischen Wirtschaft ein wichtiges Signal. Sie würde wichtige und dringend notwendige Konjunkturimpulse bringen", betonte Leitl. Es gebe Spielraum für eine Reduktion um einen halben Prozentpunkt.

Von der Europäischen Union erwartet sich die Europäische Wirtschaftskammer Maßnahmen in drei Bereichen: Beim 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung solle ein überproportionaler Teil der bis 2006 verfügbaren 17,5 Milliarden Euro schon im ersten Jahr, also 2003, zur Verfügung gestellt werden. Zudem sei eine europäische Exportinitiative notwendig. Derzeit entfallen 90 Prozent der gesamten Warenausfuhren der Mitglieder Europäischen Union auf die Mitgliedstaaten selbst, nur zehn Prozent gehen in andere Märkte. "Eine entsprechende Gemeinschaftsinitiative soll dazu beitragen, den Anteil der Exporte in Drittstaaten entscheidend zu erhöhen", sagte Leitl. Als Ziel sei eine Verdoppelung auf 20 Prozent anzupeilen. "Das hätte enorme Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung und damit die Absicherung der sozialen Systeme in Europa." Die Europäische Wirtschaftskammer sei bereit, daran aktiv mitzuwirken. Leitl: "Die Global Chamber Platform ist nicht zuletzt aus diesem Grund gerade jetzt aus der Taufe gehoben werden."

Als dritter Schwerpunkt einer "gemeinsamen europäischen Antwort" auf die Konjunkturkrise in Europa sei das verstärkte Zusammenwirken zwischen der Europäischen Investitionsbank sowie Modellen der Public-Private-Partnership bei wichtigen europäischen Infrastrukturprojekten anzupeilen. "Insbesondere auch im Hinblick auf die EU-Erweiterung sollte der Bau wichtiger Infrastrukturprojekte in Europa vorgezogen werden", fordert Leitl. "Damit würde nicht nur der Wirtschaftsstandort Europa verbessert, von einer derartigen Aktion würden auch wichtige europaweite Impulse für brachliegende Kapazitäten der Bauwirtschaft ausgehen."
"Wir dürfen nicht auf andere warten, sondern müssen selbst Initiativen setzen", sagte Leitl abschließend. "Greenspan und die Bush-Administration und ihre Entscheidungen sind für uns wichtig. Noch wichtiger für die europäische Wirtschaft ist aber, was EZB-Präsident Wim Duisenberg und die Prodi-Administration tun. Die Europäische Wirtschaftskammer erwartet diesbezüglich in nächster Zeit klare Signale." (sr)

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