Diskriminierungsfall des Monats Oktober Außendienst ist nichts für Frauen

Linz (AKO) Frau N. bewirbt sich als Lehrling bei einem Versicherungsunternehmen. Sie bekommt eine Absage mit dem Hinweis, dass Lehrlinge in erster Linie für den Außendienst ausgebildet werden, und das wollen Frauen nicht. Frau N. will schon. Die Lehrstelle bekommt sie trotzdem nicht. Warum, versuchen wir beim Diskriminierungsfall des Monats Oktober zu ergründen.

Frauen würden sich erfahrungsgemäß für den Einsatz im Außendienst nicht interessieren, weil es sich dabei um eine Arbeit in den Abendstunden handle, die größte zeitliche Flexibilität verlange, heißt es von Seiten der Versicherung. Das teilt die Versicherung der jungen Frau sogar schriftlich mit: "Leider werden bei uns die Lehrstellen nur für Bürokaufmänner vergeben, welche dann nach Absolvierung der Lehre auch den Beruf im Außendienst sofort ergreifen können.", steht in dem Brief, der uns vorliegt.

Frau N. hätte damit kein Problem. Sie würde gerne später im Außendienst arbeiten, erklärt sie. Allein - es hilft ihr nichts. Die Lehrstelle kriegt sie nicht.

Ein klarer Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Doch Frau N. will nicht klagen.

Schlussfolgerung: Es gibt nach wie vor historisch gewachsene Zuschreibungen, wonach bestimmte Berufe als typisch männlich bzw. typisch weiblich gelten und somit dem anderen Geschlecht praktisch verschlossen bleiben. Diese Zuschreibungen haben oft nichts mit den tatsächlichen Arbeitsbedingungen oder den verlangten Fähigkeiten zu tun: Verkaufstätigkeiten sind einmal typisch weiblich und einmal typisch männlich. Arbeit in den Abendstunden wird bei manchen Berufen - etwa bei den Pflegeberufen - durchaus als für Frauen geeignet angesehen, in anderen Berufen wieder nicht.

Es ist vielen Unternehmen durchaus bewusst, dass sie eine diskriminierende Einstellungspolitik betreiben. Sie sehen jedoch keine Notwendigkeit, davon abzugehen, solange es genügend männliche Stellenbewerber gibt. Und noch etwas: Der beschriebene Fall liegt bereits drei Jahre zurück. Geändert hat sich in der Zwischenzeit nur eines: Heute würde wohl kaum ein Personalchef die diskriminierende Einstellungspolitik seines Unternehmens auch noch schriftlich dokumentieren.

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