Peymann attackiert Nestroy-Preis und Burg-Gruftis

Wien (OTS) - Ex-Burgtheaterdirektor Claus Peymann, der am
kommenden Samstag in Theater an der Wien und ORF für sein Lebenswerk mit dem Ehren-"Nestroy" ausgezeichnet wird, wollte den Preis ursprünglich gar nicht akzeptieren. Das erklärt der Intendant des Berliner Ensembles im NEWS-Interview.

Peymann: "Der Nestroy-Preis hat zumindest nicht so eine lange Geschichte wie die Kainz-Medaille, die über die Jahrzehnte auch an unzählige Idioten gegangen ist. Ich halte ja nichts von dieser österreichischen Sehnsucht nach Nasenringen. Auch diesmal hatte ich schon abgelehnt. Ich ließ mich aber dann doch weich klopfen: Ich nehme ihn nicht für mein Lebenswerk entgegen, schon deshalb, weil mein Leben dem Vernehmen nach ja noch nicht abgeschlossen ist. Ich habe den Preis für mich umgewidmet: Ich nehme ihn dafür entgegen, dass das österreichische Nationaltheater in den dreizehn Jahren unserer Direktion ein einziges und erstes Mal in seiner schier endlosen Geschichte w i r k l i c h für die zeitgenössischen österreichischen Dichter da war. Das waren nicht nur 60 Prozent des Repertoires sondern auch 60 Prozent der gespielten Vorstellungen. Die österreichischen Autoren mussten nicht im Vestibül und im Kasino antichambrierern."

Scharf wendet sich Peymann in NEWS gegen zwei betagte Ensemblemitglieder, die aus Protest gegen seine Ehrung der Zeremonie fernbleiben: "Nestroy wurde am Burgtheater zunächst gar nicht gespielt. Den Schauspielern war er suspekt und zu vulgär. Erst als er tot war, haben sie ihn sich unter den Nagel gerissen. So wie viele in meiner Zeit die Finger von Handke, Bernhard, Turrini und Jelinek gelassen haben. Es ist ja fast kurios, wie viele Burg-Gruftis nicht mitspielen wollten, inclusive dem noch amtierenden Staatssekretär für Kunst und Kultur. Die Haltung dieser Lemuren hat sich bis heute nicht verändert. Zwei von ihnen - meine alte Freund-Feindin Frau Kammerschauspielerin Prof. Annemarie D. und Herr Kammerschauspieler Prof. Heinrich S. - kommen nicht zur Zeremonie, weil Piefke Peymann Nestroys Namen schändet. Heute schmücken sich die schauerlichen Verhinderergestalten bereits mit Thomas Bernhard. So wie sie heute den wilden und verrückten Nestroy für ihr Privateigentum halten. Sie haben von Kunst nie etwas verstanden und werden es auch in Zukunft nicht verstehen."

Wahlempfehlung will Peymann keine abgeben: "Lieber nicht. Ich habe mich zwar mit meiner Werbung für einen berühmten Kaffee sogar in die Herzen der Kaffeehausmuttis gespielt, will aber doch nicht ausschließen, dass mein Votum den Begünstigten ein paar tausend Stimmen kosten könnte. Außerdem verschlingt mich der Berliner Überlebenskampf.
Die Subventionen, die wir in Wien hatten, erscheinen wie ein Traum gemessen an dem Armenhaus Berlin und an der Haltung derjenigen, die hier über Geld zu entscheiden haben. Es gibt hier zu viele Parvenüs, die über Nacht zu Banausen werden, wenn es hart auf hart kommt."

Schließlich gibt Peymann bekannt, an der Dresdner Semper-Oper seine erste Opernregie vorzubereiten. "Ja, vielleicht, wir reden wegen eines ,Figaro’. Kaum hatte sich das herumgesprochen, kam allerdings die große Flut, und die Semper-Oper hat sich vorsichtshalber selbst aus der Affäre gezogen."

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