DER STANDARD-Kommentar: "Heimische Innovationsszene bräuchte "Fördergeld auf Abruf" - Erscheinungstag 9.10.2002

Wien (OTS) - Österreichs Innovationsfördersystem ist besser als sein Ruf, ergab ein von GCI Management im Auftrag eines internationalen Industriekonsortiums durchgeführter Vergleich. Was fehlt, ist eine unabhängige Gesellschaft, die die knappen Mittel effizient verteilt.

Der Aufschrei über die von Infrastrukturminister Mathias Reichhold geplante Reform der außeruniversitären Forschung ist verhallt - nun werden nach und nach Ideen und Vorschläge unterbreitet, wie mit der kleinteiligen heimischen Innovationslandschaft künftig zu verfahren sei. "Das österreichische System ist so schlecht nicht, wie gemeinhin behauptet wird", attestiert Franz-Joseph Fraundorfer vom internationalen Beratungsunternehmen GCI Management.

Im Argen liege allerdings die Effizienz, glaubt Fraundorfer, der dem heimischen Forschungs- und Technologiefördersystem im Auftrag eines internationalen Industriekonsortiums auf den Zahn gefühlt hat. Insbesondere der administrative Bereich lasse Einsparungspotenzial vermuten, das angesichts knapper öffentlicher Haushaltsmittel gehoben werden sollte.

Gut angekommen ist laut GCI-Untersuchung die praktizierte Trennung der Fördertöpfe für Grundlagen- und angewandte Forschung. Da Drittmittel für die Grundlagenforschung auch künftig nicht in Sicht sind, sollte die Trennung beibehalten werden, zumal die Beurteilung der Förderwürdigkeit und das Projektmanagement in den beiden Sparten völlig unterschiedlich sind. Nichts hält die Industrie der GCI-Erhebung zufolge von einer Fusion der Geldgeberinstitutionen mit den Geförderten, wie Reichhold dies geplant hatte.

Dringend abzuschaffen sei der alljährliche Streit um die Forschungsmillionen - dieser sei unwirtschaftlich und stelle nicht sicher, dass tatsächlich die Schwerpunktprojekte ausreichend dotiert würden. Der GCI-Mann schlägt daher die Errichtung einer Verteilungsgesellschaft vor, die - nach dem Vorbild eines "Treasurers" - Gelder sammeln, verwalten, veranlagen und auszahlen sollte. So wäre "Cash auf Abruf" sichergestellt.

In diesem Punkt treffen sich GCI und Forschungsrat: In Letzterem gibt es Mitglieder, die ebenfalls einer unabhängigen Forschungsfirma nach Vorbild der Austria Wirtschaftsservice AG das Wort reden. Gespeist aus Nationalbank-Fonds und Budgetgeldern, sollte diese für flotte Geldflüsse sorgen, sagte ein Ratsmitglied zum Standard.

Eine zweite Schwachstelle des heimischen Systems ortet die GCI beim Rat für Forschung und Technologieentwicklung selbst. Im Gegensatz zu Finnland, dem Vorzeigeforschungsland in Europa, sei dieser zwar eine "exzellente Denkstube", meint Fraundorfer, hänge jedoch "an der Nabelschnur des Ministeriums". Heißt konkret: Der Expertenrat muss Leitlinien und inhaltliche Schwerpunkte der nächsten Dekade festlegen und mittels "Progress Reports" auch deren Umsetzung überprüfen dürfen - also: Evaluierungen in Auftrag geben und gegebenenfalls gegensteuern. "Denn ein reines Advisory kann von der Politik viel zu leicht vom Tisch gewischt werden", sagt Fraundorfer.

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