Musik im sozialen Raum

Wien (OTS) - In Venezuela besteht seit vielen Jahren ein kunst-
und sozialpädagogisches Projekt, das kürzlich in Wien gastierte. Ging es den Initiatoren ursprünglich darum, sozial benachteiligten und bedrohten Kindern und Jugendlichen aus den Elendsvierteln der Großstädte ein Instrument der Schicksalsbewältigung und eine Lebensperspektive zu ermöglichen, weitete sich das Unternehmen "Junge Philharmonie Venezuela" sehr schnell aus.

Im Rahmen von musical Xchanges der Jeunesse gastierte die "Junge Philharmonie Venezuela" im Großen Konzerthaussaal. Im Vorfeld des Konzerts fand im Konservatorium Wien ein Vortrag des Projektgründers Dr. Jose Antonio Abreu statt. In einer Kooperation mit der Jeunesse Österreich präsentierten die Musiklehranstalten Wien das Projekt in Anwesenheit der Wiener Stadträtin für Jugend, Soziales, Bildung und Sport, Grete Laska. An einer Podiumsdiskussion zum Thema "Musik im sozialen Raum" nahmen neben Dr. Abreu prominente Vertreter aus Österreich und Südamerika teil, u.a. Ranko Markovic, der Leiter der Musiklehranstalten Wien, Heide Tenner, ORF-Kultur sowie Vertreter von Jeunesse und dem Wiener Landesjugendreferat.

»Social Action for Music«-Projekt

Auch die UNESCO wurde bereits auf die jungen Musikerinnen und Musiker aus Venezuela aufmerksam: Mit staatlicher Förderung werden im »Social Action for Music«-Projekt 102 Jugend- und 55 Kinderorchesterprojekte koordiniert, in denen mehr als 110.000 Kinder und Jugendliche im ganzen Land für die Musik begeistert werden -darunter auch viele Waisen- und Straßenkinder.
1993 wurde das »Social Action for Music«-Projekt mit dem International Music Award der UNESCO prämiert und 2001 konnte Jose Antonio Abreu, Präsident der Jeunesses Musicales Venezuela, für den Aufbau des »Social Action for Music«-Projekt Venezuela in Stockholm den »2001 Right Livelihood Award«, bekannt als »Alternativer Friedensnobelpreis«, entgegen nehmen.

Junge Philharmonie Venezuela

Fundación del Estado para el Sistema Nacional de Orquestas Juveniles e Infantiles de Venezuela (FESNOJIV). Die Staatsstiftung des Systems der nationalen Kinder- und Jugendorchester Venezuelas wurde 1975 durch Dr. José Antonio Abreu gegründet. Heute, 27 Jahre später, erfreut sich die Jugendorchesterbewegung in Venezuela großer Beliebtheit. Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet das Musizieren in einem der vielen Orchester, die über das Land verteilt sind, eine berufliche Perspektive und häufig eine Chance ihrem sozial schwachen Umfeld zu entkommen. Dabei kommt der Spaß an der Musik nicht zu kurz. In hoher Perfektion und mit musikalischem Witz werden Werke aller Epochen und Genres vorgetragen, wobei jeder Musiker ein professioneller Baustein im Orchester darstellt.

Als Sozialprojekt gegründet, erhalten alle Kinder und Jugendlichen in Venezuela die Möglichkeit, an einem der zahlreichen Orchester im Land teilzunehmen. Die Stiftung stellt die finanziellen Mittel für die Instrumente und den Instrumentalunterricht sowie die Orchesterarbeit, so dass auf die Familien der Musiker keine Kosten zukommen.

Durch die unermüdliche Arbeit der Instrumentalpädagogen und Initiatoren in Venezuela ist erreicht worden, dass klassische Musik nicht elitär, sondern weit verbreitet und geschätzt ist. Mittlerweile ist es möglich, in Caracas Jugendsinfonieorchester zu hören, die regelmäßig öffentliche Konzerte geben. Klassische Musik wurde durch sie zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens auf den Straßen und Plätzen Venezuelas. Durch die innovativen Ansätze der Instrumentalpädagogik wurde bis heute zahlreichen Kindern und Jugendlichen eine Chance gegeben, ihrem sozial schwachen Umfeld zu entfliehen.

Faszinierend ist dabei nicht nur die überwältigende quantitative Dimension sondern auch die mit durchaus unkonventionellen Methoden erreichte höchste künstlerische Qualität. Zum zweiten Mal bereiste die aus den besten jungen Musikerinnen geformte "Junge Philharmonie Venezuela" Deutschland und erstmals Österreich.

musical Xchanges

Die Reihe von Gesprächskonzerten, mit denen vor allem ein junges Publikum angesprochen wird, will mit kommunikativen Ideen das große sinnliche und intellektuelle Potential der Musik jungen Menschen vermitteln. Begeisterung für und intensives Erleben von Musik stehen und fallen mit der Nähe und Vertrautheit, die zuhörende Menschen im Konzert erleben. musical Xchanges will klangliche Erfahrungen anschaulich machen und damit das Publikum in das musikalische Geschehen mit hineinnehmen.

Ein besonderes Merkmal ist der »internationale Xchange«: In jeder Saison wird ein ausländisches Ensemble vorgestellt, das einen Schwerpunkt in der Jugendarbeit setzt - diesmal die Junge Philharmonie Venezuela.

Mehr als 200 Musikerinnen und Musiker der Extraklasse boten im Großen Saal des Wiener Konzerthauses ein wahres Feuerwerk romantischer Klangpracht. Das Besondere daran? Die Stars der »Jungen Philharmonie Venezuela« sind erst zwischen 10 und 18 Jahre alt und gelten als eines der besten Jugendorchester der Welt.

Im Laufe der Saison sind noch Stargeiger Julian Rachlin und Musiker der Wiener Philharmoniker mit Vivaldis »Vier Jahreszeiten« zu erleben. (Schluss) eg

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