• 08.10.2002, 10:39:21
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Musik im sozialen Raum

Wien (OTS) - In Venezuela besteht seit vielen Jahren ein kunst-
und sozialpädagogisches Projekt, das kürzlich in Wien gastierte. Ging
es den Initiatoren ursprünglich darum, sozial benachteiligten und
bedrohten Kindern und Jugendlichen aus den Elendsvierteln der
Großstädte ein Instrument der Schicksalsbewältigung und eine
Lebensperspektive zu ermöglichen, weitete sich das Unternehmen "Junge
Philharmonie Venezuela" sehr schnell aus.

Im Rahmen von musical Xchanges der Jeunesse gastierte die "Junge
Philharmonie Venezuela" im Großen Konzerthaussaal. Im Vorfeld des
Konzerts fand im Konservatorium Wien ein Vortrag des Projektgründers
Dr. Jose Antonio Abreu statt. In einer Kooperation mit der Jeunesse
Österreich präsentierten die Musiklehranstalten Wien das Projekt in
Anwesenheit der Wiener Stadträtin für Jugend, Soziales, Bildung und
Sport, Grete Laska. An einer Podiumsdiskussion zum Thema "Musik im
sozialen Raum" nahmen neben Dr. Abreu prominente Vertreter aus
Österreich und Südamerika teil, u.a. Ranko Markovic, der Leiter der
Musiklehranstalten Wien, Heide Tenner, ORF-Kultur sowie Vertreter von
Jeunesse und dem Wiener Landesjugendreferat.

»Social Action for Music«-Projekt

Auch die UNESCO wurde bereits auf die jungen Musikerinnen und
Musiker aus Venezuela aufmerksam: Mit staatlicher Förderung werden im
»Social Action for Music«-Projekt 102 Jugend- und 55
Kinderorchesterprojekte koordiniert, in denen mehr als 110.000 Kinder
und Jugendliche im ganzen Land für die Musik begeistert werden -
darunter auch viele Waisen- und Straßenkinder.
1993 wurde das »Social Action for Music«-Projekt mit dem
International Music Award der UNESCO prämiert und 2001 konnte Jose
Antonio Abreu, Präsident der Jeunesses Musicales Venezuela, für den
Aufbau des »Social Action for Music«-Projekt Venezuela in Stockholm
den »2001 Right Livelihood Award«, bekannt als »Alternativer
Friedensnobelpreis«, entgegen nehmen.

Junge Philharmonie Venezuela

Fundación del Estado para el Sistema Nacional de Orquestas
Juveniles e Infantiles de Venezuela (FESNOJIV). Die Staatsstiftung
des Systems der nationalen Kinder- und Jugendorchester Venezuelas
wurde 1975 durch Dr. José Antonio Abreu gegründet. Heute, 27 Jahre
später, erfreut sich die Jugendorchesterbewegung in Venezuela großer
Beliebtheit. Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet das Musizieren
in einem der vielen Orchester, die über das Land verteilt sind, eine
berufliche Perspektive und häufig eine Chance ihrem sozial schwachen
Umfeld zu entkommen. Dabei kommt der Spaß an der Musik nicht zu kurz.
In hoher Perfektion und mit musikalischem Witz werden Werke aller
Epochen und Genres vorgetragen, wobei jeder Musiker ein
professioneller Baustein im Orchester darstellt.

Als Sozialprojekt gegründet, erhalten alle Kinder und
Jugendlichen in Venezuela die Möglichkeit, an einem der zahlreichen
Orchester im Land teilzunehmen. Die Stiftung stellt die finanziellen
Mittel für die Instrumente und den Instrumentalunterricht sowie die
Orchesterarbeit, so dass auf die Familien der Musiker keine Kosten
zukommen.

Durch die unermüdliche Arbeit der Instrumentalpädagogen und
Initiatoren in Venezuela ist erreicht worden, dass klassische Musik
nicht elitär, sondern weit verbreitet und geschätzt ist. Mittlerweile
ist es möglich, in Caracas Jugendsinfonieorchester zu hören, die
regelmäßig öffentliche Konzerte geben. Klassische Musik wurde durch
sie zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens auf den
Straßen und Plätzen Venezuelas. Durch die innovativen Ansätze der
Instrumentalpädagogik wurde bis heute zahlreichen Kindern und
Jugendlichen eine Chance gegeben, ihrem sozial schwachen Umfeld zu
entfliehen.

Faszinierend ist dabei nicht nur die überwältigende quantitative
Dimension sondern auch die mit durchaus unkonventionellen Methoden
erreichte höchste künstlerische Qualität. Zum zweiten Mal bereiste
die aus den besten jungen Musikerinnen geformte "Junge Philharmonie
Venezuela" Deutschland und erstmals Österreich.

musical Xchanges

Die Reihe von Gesprächskonzerten, mit denen vor allem ein junges
Publikum angesprochen wird, will mit kommunikativen Ideen das große
sinnliche und intellektuelle Potential der Musik jungen Menschen
vermitteln. Begeisterung für und intensives Erleben von Musik stehen
und fallen mit der Nähe und Vertrautheit, die zuhörende Menschen im
Konzert erleben. musical Xchanges will klangliche Erfahrungen
anschaulich machen und damit das Publikum in das musikalische
Geschehen mit hineinnehmen.

Ein besonderes Merkmal ist der »internationale Xchange«: In
jeder Saison wird ein ausländisches Ensemble vorgestellt, das einen
Schwerpunkt in der Jugendarbeit setzt - diesmal die Junge
Philharmonie Venezuela.

Mehr als 200 Musikerinnen und Musiker der Extraklasse boten im
Großen Saal des Wiener Konzerthauses ein wahres Feuerwerk
romantischer Klangpracht. Das Besondere daran? Die Stars der »Jungen
Philharmonie Venezuela« sind erst zwischen 10 und 18 Jahre alt und
gelten als eines der besten Jugendorchester der Welt.

Im Laufe der Saison sind noch Stargeiger Julian Rachlin und
Musiker der Wiener Philharmoniker mit Vivaldis »Vier Jahreszeiten« zu
erleben. (Schluss) eg

Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Jeunesse, Albert Seitlinger:
Tel. 710 36 16-20,
mailto:a.seitlinger@jeunesse.at
Konservaorium, Brigitta Eminger:
Tel.: 512 77 47/89346,
mailto:emi@m13kms.magwien.gv.at

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