Creative Europe - Teil 4

Neue Wege der Kulturpolitik

Wien (OTS) - Zum Themenkreis "Neue Wege der Kulturpolitik" wurde heute, Samstag, die Kunst- und Kulturministerkonferenz in Graz fortgesetzt. Einleitend gab Arta Dade, Kulturministerin von Albanien, einen Einblick in die Kulturarbeit ihres Landes. Die politische Situation in der Vergangenheit konfrontiere Albanien mit der Notwendigkeit, neue Strategien und Programme für die Kulturpolitik zu entwickeln. Steuerentlastung um den Kulturkonsum anzukurbeln oder Steuererleichterung für Kultursponsoring wären ein erster Schritt in diese Richtung, um die albanische Kultur, die bisher ein wenig bekannter Teil des europäischen Kulturerbes ist, ganz Europa näher zu bringen.

Roma Dovydeniene, Kulturministerin von Litauen, sieht die Rolle des Staates als Vermittler zwischen dem freien Markt und den Interessen der Bürgergesellschaft. Politische und rechtliche Initiativen sollen als Reaktionen auf die Bedürfnisse der Gesellschaft verstanden werden, wobei sowohl eine Dezentralisierung anvisiert als auch die öffentliche Teilnahme und Verantwortung festgeschrieben wird. Das vorrangigste Ziel der litauischen Kulturpolitik sei es, "die Interessen des freien Markts und die kulturellen Interessen der Gesellschaft aufeinander abzustimmen."

Der serbische Kulturminister, Branislav Lecic, sprach vom neuen Trend, dass Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in die Politik gehen, da die Politik die Erfahrung der Kulturschaffenden brauche. Es sei wichtig, den Bürger als Kulturschaffenden zu stärken, um einen Wandel der Rolle der Kultur in Geschichte und Politik herbeizuführen. "Kultur kann eine federführende Rolle in Zeiten politischen Wandels spielen." Die Aufgabe des Staates sieht der Minister als Initiator von Netzwerken und Kommunikation. Abgrenzung führe nicht zu einer Stärkung der Identität, sondern zu deren Verlust. Europa habe gerade auf Grund seiner kulturellen Vielfalt ein großes Potential. Die Chance der Globalisierung sieht Lecic in der Steigerung technologischer Standards.

Zdenek Novak, Vizekulturminister von Tschechien, bezeichnet Kultur als aktiven Wirtschaftsfaktor, der zwar Geld vom Budget benötigt, aber über den Weg der Umwegrentabilität, wie z.B. Kulturtourismus, dem Staat wichtige Steuereinnahmen bringe. Novak betonte den identitätsstiftenden Beitrag der Kultur für den einzelnen Bürger und hob die zentrale Rolle der Kultur in der Freizeitgestaltung hervor. Dadurch käme der Kultur auch eine Art präventive Wirkung gegen Drogenmissbrauch Jugendlicher, Gewalt und Kriminalität zu. Nicht zuletzt trage sie zum besseren Verständnis anderer Ethnien bei, was Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken könne.

Der griechische Botschafter in Österreich, Christos Alexandris, merkte an, dass Kultur das kollektive Bewusstsein und die Lebenserfahrung der Gesellschaft darstelle. "Es gibt europäische Kultur!" Diese stehe jedoch nicht im Gegensatz, sondern bereichernd neben anderen Kulturen. Die Kultur solle als Dialog und nicht als Konfrontation verstanden werden. Die Rolle des Staates sieht er darin, diesen Dialog aufrecht zu erhalten und so viele Menschen wie möglich einzubeziehen.

Anhand des in ihrem Land heuer stattgefundenen Eurovisions-Songcontests, demonstrierte Reet Remmel, vom Kulturministerium in Estland, wie sich das Land dieser kulturellen Herausforderung gestellt hat. Die Chance, sich einem 150 Millionen Publikum zu präsentieren, galt es zu nützen. Innerhalb einer Woche fand daher parallel dazu eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen und Festivals statt, die Estland den Gästen und den Journalisten nahe bringen konnten. Es war gleichzeitig der gelungene Versuch, eine Brücke zwischen Hoch- und Popkultur zu schlagen.

Service: Live-Stream der Telekom Austria:
http://portal.i-plus.at/creative_europe Detailprogramm der
Konferenz: http://www.art.austria.gv.at

Rückfragen & Kontakt:

Bundeskanzleramt/Bundespressedienst
Mag. Johann Drabek
Tel.: 0664/4220115

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0001