Creative Europe - Teil 3

Kultur und Identität in Diskussion

Wien (OTS) - Bojidar Abrashev, Kulturminister von Bulgarien, eröffnete die Reihe der Referate zum Themenkreis "Kultur und Identität", in dem er die Vorteile der kulturellen Vielfalt in den Vordergrund rückte. Ihm geht es vor allem um die Wechselbeziehung gleichgestellter Kulturen, wobei die Weiterentwicklung der Minderheitenkulturen sowie die Bewahrung deren Authentizität einen bedeutenden Beitrag zur Erweiterung des interkulturellen Dialogs und in der Folge des gesamten demokratischen kulturellen Pluralismus leisten könne.

Gabor Görgey, Kulturminister von Ungarn, verwendete die Metapher eines leeren Altars im antiken Griechenland für "das Unmögliche, das immer neu ergründet werden muss". Der leere Sockel stehe einerseits für die Träume, Wünsche und Sehnsüchte des Einzelnen, andererseits für die Sicherheit des Bürgers und dessen Möglichkeit, Freiheit zu erleben. "In Mittel- und Osteuropa sind alle Sockel voll, ja mehr noch, viele Statuen stehen ohne Altar herum. Es fehlt die ewige Leerstelle", so Görgey.

Sloweniens Kulturministerin, Andreja Rihter sprach von der Kultur als einem Haus mit vielen Zimmern, wobei Tradition, Religion, Politik etc. jeweils in einem Zimmer beheimatet sind. Das Kinderzimmer ist dabei der Kunst gewidmet. Zum Begriff der Identität merkte sie an, dass dieser nie im Singular sondern immer nur im Plural stehen sollte."Wir brauchen große Wurzeln um groß zu wachsen und weit zu reichen!" In diesem Sinne meinte Rihter, dass die slowenische Kultur ihre Identität nicht als Schutz vor anderen verstehe, sondern als Beitrag zur kulturellen Vielfalt der europäischen Kulturen.

Antun Vujic, Kulturminister von Kroatien, präsentierte den Aktionsplan "Culture Net Croatia", der durch Steuerleichterungen und Subventionen seines Ministeriums das Kunst- und Kulturschaffen in Kroatien fördern und auch für Kooperationen attraktiv machen soll. Kultur sei integrierender Bestandteil der allgemeinen Entwicklung. "Wissenschaft und Kultur sind keine Konsumgüter", so Vujic, der Integration in erster Linie als Weitergabe der Vielfalt verstanden sehen möchte.

Aivars Gailis, Staatssekretär für Kultur in Lettland, bezeichnete die Wiedereingliederung in den europäischen und globalen Kulturaustausch als Priorität der staatlichen Kulturpolitik. Durch den Einfluss neuer Technologien und der Globalisierung verliere die Kultur ihre Verbindung zum geographischen Ort, was jedoch eine Herausforderung an Tradition und ethnische Kulturen darstelle. Lettland ist sich bewusst, dass es aus dem gemeinsamen reichen Kulturerbe Europas nicht nur schöpfen, sondern Europa auch etwas geben könne.

Petros M. Kareklas, Ständiger Sekretär des Kulturministers in Zypern, sprach die Rolle der Wirtschaft bei der Verbreitung von Kunst an. Diese Verbindung biete zwar Chancen für Künstler, gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr der Abhängigkeit, wenn jemand Kunst für eigene Zwecke nutzen möchte. Abhilfe könne durch kulturelle Netzwerke, an denen alle teilnehmen, geschaffen werden. Die Grenzen der kulturellen Begegnung würden dadurch ausgeweitet. Um in Europa, dem "Mosaik der Kulturen", Unterschiede und Ähnlichkeiten herauszuarbeiten, bedarf es der Zusammenarbeit aller.

Der ponische Staatssekretär, Maciej Klimczak, vertrat die Ansicht, dass jedes Volk nach Symbolgütern strebe. Die Übernahme globalen Denkens wäre leichter, aber nur kurzfristig. Eigene Muster zu finden sei schwieriger, aber lohnender für die Zukunft. "Unsere Identität ist unser Gesicht, das wir nicht vergessen können", so Klimczak. Für Polen stelle sich daher die zentrale Frage, wie man die eigene Identität in eine universale Sprache umwandeln könne, um einen Beitrag beim Aufbau Europas zu leisten.

Tamara Luuk, Kulturattaché von Estland, forderte, dass kulturelle Identität eher erlebt, als besprochen werden sollte. Sie sieht in der Kultur keine Lebensweise, vielmehr "ist sie uns eine zweite Natur geworden", die uns Gewissensbisse mache wie die geschädigte Umwelt. Einen möglichen Lösungsansatz sieht sie nicht nur in der Unterstützung der Kulturschaffenden, sondern auch in der Sensibilisierung von Politikern und Ökonomen.

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