"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Abseits der Heiterkeit (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 05.10.2002

Klagenfurt (OTS) - Zugegeben: Die Saddam-Double-Story entbehrt
nicht eines gewissen Witzes. Jörg Haider staatsmännisch vor einem Phantom! Sein herzlicher Kniefall vor dem Zweit-, Dritt- (oder war es das Viertgesicht?) des irakischen Diktators. Die Groteske ist fein gesponnen. Die Komik hat etws derart Subtiles, dass Frotzelei bis in alle Ewigkeit gesichert ist.

Und trotzdem: Die Doublegeschichte kommt zur Unzeit. Zur Unzeit für das sachliche Argument. Zur Unzeit für den Alltag, der die Weichen für neue Belastungen stellt und den Boden für unsoziales Husch-Pfusch-Werk ebnet. Während an rot-weiß-roten Stammtischen und bei mondänen Vernissagentalks der Doppelgängerschmäh rennt, holt die Noch-Regierung in berüchtigter Speed-Manier zum Schlag gegen jene aus, die keine blau-schwarze Lobby schützt: Die Pensionisten sind's, die derart ausgenommen werden, dass einem der Lacher im Halse stecken bleibt.

Eine Pensionsanpassung von unter ein (!) Prozent klingt nicht nur wie Hohn: Sie ist Hohn. Hohn und Verhöhnung einer Generation, die Österreich auf die Beine geholfen hat. Der Regierung ist in ihrer derzeitigen Verfassung - den irrwitzigen Verfall ihrer selbst täglich vor Augen - viel zuzutrauen. Das meiste davon sollte nur schwer auszubügeln sein. Gar nicht wieder gutzumachen sind ihre Taten, wenn die Wenderegierung eine zweite Chance erhält...

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