Baucluster: Hoffnungsmarkt "Sanierungen" ankurbeln

Weg von Einzelmaßnahmen, hin zur umfassenden Gebäudesanierung -volles Wirtschaftspotential von Sanierungen nutzen

Wien (PWK699) - "Die Trends sind eindeutig: Die Neubauten sind ebenso wie der Sanierungsmarkt rückläufig. Trotzdem werden die Sanierungen anspringen, weil sich das unternehmerische Denken im Zusammenhang mit einer umfassenden Sanierung eines Gebäudes durchzusetzen beginnt", betonte heute, Donnerstag, der Sprecher des Baucluster Österreich, Johannes Lahofer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Günter Tschepl, Geschäftsführer des Baucluster, Wolfang Amann, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) und Herbert Wegleitner vom Verband der Industriellen Gebäudetechnikunternehmen Österreichs (VIGÖ). Nun verstärkt in den Sanierungsmarkt zu gehen, berge einige Vorteile:
"Erstens, eine hohe Beschäftigungswirksamkeit, zweitens, die Erhaltung historischer Bausubstanz sowie ökologische Vorteile durch einen geringen Energieverbrauch", so Lahofer.

Lahofer verwies insbesondere auf die Bundesbauten, bei denen nun jährlich ein bis zwei Prozent des Neubauwertes in die Instandhaltung investiert werden. Dies ergibt eine Investitionssumme von rund 150 Mill. Euro pro Jahr. Auch im kulturellen Bereich ergeben sich Potentiale, weil im Bereich des Tourismus weitere Zuwachsraten zu erwarten seien. Vorbilder sei Schönbrunn, wo gezeigt wurde, dass eine Sanierung durch entsprechende Verwertungskonzepte finanziert werden könne, ohne öffentliche Förderungen in Anspruch nehmen zu müssen, so der Sprecher des Baucluster.

Im Zusammenhang mit der Sanierungsfinanzierung wies Tschepl darauf hin, dass trotz Wohnbauförderung, den Bauspardarlehen und den Wohnbauanleihen weitere Anreize nötig seien, um den Markt anzukurbeln. Für die künftige Regierung habe der Baucluster daher ein Forderungspaket mit folgenden Punkten parat: Reduzierter Mehrwertsteuersatz für arbeitsintensive Baudienstleistungen, wie von der EU-Kommission empfohlen und in den meisten EU-Staaten bereits umgesetzt (6. Mehrwertsteuerrichtlinie), womit auch der Pfusch erfolgreich bekämpft werden könnte; sofortige Vollabsetzbarkeit von Gebäudeinstandsetzungs-Investitionen, wie ursprünglich im Entwurf zum Konjunkturbelebungsgesetz vom Dezember 2001 vorgesehen; befristete Wiedereinführung eines Investitionsfreibetrages für die Herstellung von Gebäuden; Wiedereinführung der Begünstigung von Stadterneuerungsmodellen; Wiedereinführung der Begünstigung von Mietzinsreserven;
verpflichtende Vorlage von Dienstleistungsrechnungen bei Inanspruchnahme von Wohnbauförderungsmitteln.

Aufgrund der vorliegenden Zahlen, Daten und Fakten, so Amann, gehe man in diesem Jahr von deutlich über 600 Mill. Euro Wohnbauförderungsmittel aus, die in die Sanierung fließen und ein Bauvolumen von 1,3 Mrd. Euro auslösen. Die Sanierungsförderung in Österreich bewirke damit ein Bauvolumen, das in etwa im Bereich des gesamten Produktionsvolumens "Sanierung" des Bauhauptgewerbes liege. Ausgelöst worden seien davon in den vergangenen Jahren vor allem Kategorieanhebungen, die nun sehr stark an Bedeutung verlieren werden, sowie Wärmeschutz, energiesparende Maßnahmen sowie Anschlüsse für Fernwärme. "Sanierungspotential ist aber nur dann sinnvoll, wo tatsächlicher Baubedarf ist und das Geld auch wirklich abgeholt wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass aufgrund einer nicht zielführenden Definition der Sanierungsziele Fördergelder oftmals liegen geblieben sind", betonte Amann.

Um den Sanierungsmarkt zu beleben, sind auch nach Ansicht von Wegleitner neue Ansätze notwendig. Immer mehr setzte sich ausgehend von internationalen Entwicklungen die Ansicht durch, dass das Vorhalten und Verwalten von Gebäuden für die öffentlichen Leistungen nicht Kernaufgabe des Staates ist, sondern entweder an eigens gegründete öffentliche Unternehmen ausgelagert oder gleich von privaten Dritten besorgt wird. "Die öffentliche Verwaltung wird damit vermehrt zum Kunden, der zunehmend klare Vorstellungen über die Nutzungsqualität und die Mietkosten, verglichen mit dem Angebot des freien Marktes, entwickeln wird", so Wegleitner. Klarerweise dürfe aber auch die klassische Eigenheimsanierung nicht vernachlässigt werden. Hier müsse aber umgedacht werden: "Wir müssen von den vielen Einzelsanierungsmaßnahmen weg und hin zu einer umfassenden -thermischen - Sanierung. Nur so kann u.a. das Kyoto-Ziel erreich werden und das volle wirtschaftliche Potential der lokalen Dienstleistung ´Sanierung´ genutzt werden", unterstrich Wegleitner.

Der aktuelle Sanierungsbedarf in Zahlen:
Es gibt in Österreich etwa 3,3 Mio Haushalte (Hauptwohnsitze) bzw. 3,8 Mio Wohnungen, die einer dauernden Instandhaltung bedürfen. Dieser Wohnraumbestand bedeutet einen Kapitalstock in der Höhe von 306 Mrd Euro. Will man den Wert dieses Kapitals erhalten, müßten jährlich mindestens 1%, also 3,06 Mrd Euro, investiert werden. Soll es zu einer Werterhöhung oder Verbesserung kommen, sind gar 2 bis 3%, also 6,18 bis 9,4 Mrd Euro pro Jahr nötig, um den Wohnungs-Kapitalstock zu sichern und zu verbessern.

Nach einer Studie bedürfen 1,5 Mio Wohneinheiten, die zwischen 1945 und 1980 errichtet wurden, dringender Erhaltungs- und Verbesserungsarbeiten und stehen zusätzlich in den nächsten Jahren zur bautechnischen, thermischen und gestalterischen Sanierung und Revitalisierung an. (us)

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