Gewerbe und Handwerk: Hohe Beschäftigung trotz Konjunkturflaute Toifl.: "Unsere Betriebe sind Stabilitätsfaktor Nummer 1 der heimischen Wirtschaft"

Wien (PWK697) - Trotz anhalten schwacher Konjunktur haben die
62.000 österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe den Beschäftigtenstand gehalten. Im Durchschnitt der ersten drei Quartale des laufenden Jahres hatten - wie im Vorjahr - etwa 550.000 Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz im Gewerbe. "Auch Gewerbe und Handwerk sind von der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung betroffen. Die stabilen Beschäftigungszahlen sind aber ein positiver Aspekt, der die Leistungen der vielen kleinen und mittleren Unternehmungen eindrucksvoll unter Beweis stellt", betont der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl. "Wir sind somit der Stabilitätsfaktor Nummer 1 in der österreichischen Wirtschaft und tragen wesentlich zur Vollbeschäftigung bei. Bedenkt man die trotz rückläufiger Konjunkturentwicklung stabilen Beschäftigtenzahlen, eröffnet sich für Zeiten wirtschaftlichen Wachstums ein enormes Potential an neuen Arbeitsplätzen in Handwerk und Gewerbe." Dafür sei es jedoch notwendig, in der Bevölkerung ein positives Stimmungsbild zum Unternehmerberuf und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen, so Toifl weiter.

Im 3. Quartal 2002 hat sich die konjunkturelle Situation der österreichischen Gewerbebetriebe noch nicht verbessert. Die Indikatoren zeigen laut der jüngsten Konjunkturbeobachtung des Institutes für Gewerbe- und Handelsforschung (IFGH) nach unten. Walter Bornett, Direktor des IFGH, sieht auch für das 4. Quartal keine besondere Veränderung und meint, "dass gerade in einer derartigen Situation der Stimulierung privater und gewerblicher Nachfrage konjunkturbelebende Bedeutung zukommen könnte, da kurzfristig wirksame Wachstumsimpulse der öffentlichen Hand nicht zu erwarten sind."

Konkret wird die aktuelle Geschäftslage im 3. Quartal 2002 schlechter beurteilt als in den Vergleichsquartalen der Vorjahre. In den investitionsgüternahen Branchen ist sowohl der durchschnittliche Auftragsbestand um 8% als auch der Anteil öffentlicher Aufträge um 5 % gesunken. In den konsumnahen Branchen hat sich der Saldo aus Betrieben mit Umsatzsteigerungen und jenen mit Umsatzrückgängen um 8%-Punkte verschlechtert.

Hoffnungen werde in das kürzlich von der Bundesregierung verabschiedete Konjunktur- und Jugendausbildungspaket gesetzt. Helmut Heindl, Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, ist stolz auf das bisher Erreichte: "Die Kosten für die Berufsschulzeit der Lehrlinge werden nun ersetzt." Durch eine Prämie von 1.000 Euro pro Lehrling und Lehrjahr erhalten die ausbildenden Betriebe ein positives Signal und den Anreiz, wieder Lehrlinge einzustellen oder die Ausbildung von Jugendlichen im bisher gewohnten Umfang aufrechtzuerhalten, erklärt Heindl.

Auch die 50%ige Vergütung der Entgeltfortzahlung bei Freizeitunfällen erfüllt eine langjährige Forderung des Gewerbes und entlastet besonders die Kleinbetriebe bis zu 50 Mitarbeiter. Die Abfertigung Neu setzt ebenfalls ein positives Signal für KMUs, da Betriebsübergaben an die nächste Generation wesentlich einfacher sind.

Nach wie vor sind jedoch Punkte offen, für die sich die Bundessparte der Wirtschaftskammer vehement einsetzt, bringt es Obmann Toifl au den Punkt. Offen ist eine Steuerreform, welche die Betriebe entlastet und Platz für notwendige Investitionen ermöglicht. Bei einer angenommenen Senkung der Lohnnebenkosten von 1,1 Mrd. Euro entfallen auf Gewerbe und Handwerk etwa 220 Mill. Euro. Ein dringend benötigtes Investitionsvolumen, das auch wesentlich beitragen kann, die Beschäftigtensituation zu verbessern.

Handlungspotential besteht für die Bundessparte Gewerbe und Handwerk auch in Hinblick auf die eklatant schwache Eigenkapitalsituation vieler Betriebe. Um einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung zu leisten, müssen nicht entnommener Gewinne steuerlich entlastet werden. Toifl: "Unsere Unternehmen dürfen nicht bei jedem konjunkturellen Windstoß aufgrund der schwachen Eigenkapitalausstattung umkippen." Dieser Schritt ist auch mit Blickrichtung "Basel II" dringend erforderlich. Konkret sollen Gewinne, die bei bilanzierenden Einzelunternehmen und Personengesellschaften im Unternehmen bleiben, mit einem ermäßigten proportionalen Steuersatz von höchstens 25% belastet werden, also mit jenem Maximalsatz, der auch bei der Endbesteuerung von Kapitaleinkünften angewendet wird. Nicht vergessen werden darf man laut den Vertreter von Gewerbe und Handwerk auf die Abschaffung der sog. "13. Umsatzsteuer-Vorauszahlung". Diese ist längst überfällig, würde eine spürbare Entlastung bedeuten und die Liquidität, gerade der kleinen und mittleren Unternehmen, deutlich verbessern. (us)

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