"Neues Volksblatt" Kommentar: "Doppelt grün" (Christian Buchar)

Ausgabe vom 3. Oktober 2002

LINZ (OTS) - Erst wollte Grünen-Chef Alexander Van der Bellen die Umsetzung der Uni-Reform nicht verzögern, dann q nach lauten Protesten der Studentenfraktion seiner Partei Y doch. Grün-professorale Biegsamkeit, wie sie auch schon in Sachen Abfangjäger zum Ausdruck gekommen ist.
Erklärbar werden Van der Bellens Widersprüchlichkeiten auf doppelter Ebene: Entweder, er glaubt wirklich, was er zunächst sagt, und wird von den Fundis in seiner Partei zurückgepfiffen. Oder die Doppelbödigkeit ist Kalkül: Erst das
Signal an bürgerliche Schichten, in denen der betont bedächtig und seriös auftretende Grünen-Frontmann bekanntlich wildern soll. Dann die Beruhigung an grüne Kernschichten h verbunden mit der Hoffnung, dass das plumpe Spiel mit der Täuschung niemand merkt.
Zynisch betrachtet, ließe sich daraus wenigstens ein Minimum an Strategie feststellen. Denn de facto ließen sich die Grünen zuletzt auf die wenig origenelle Rolle eines Wahlhelfers für SP-Chef Alfred Gusenbauer reduzieren. Den für die Demokratie positiven Wettstreit der Ideen haben sie zu Gunsten stereotyper Regierungskritik und liebevoller
Imagepflege von Van der Bellen (und jüngst von Eva Glawischnig) hintangestellt. Ob das Konzept aufgeht, wird sich weisen. Dünn bleibt es allemal.

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