"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Strassers Einladung (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 03.10.2002

Klagenfurt (OTS) - Faktum ist, dass Österreich in den letzten Wochen und Monaten im EU-Vergleich überproportional unter Druck geriet. Tausende Asylsuchende, Flüchtlinge aus politischen Gründen oder aus nackter Armut (was man bei uns völlig fälschlich "Wirtschaftsflüchtling" nennt) drängten nach Österreich. Das Innenministerium ist mit der sozialen Dimension dieses Problems völlig überfordert. Minister Ernst Strassers Politik prudziert Obdachlosigkeit.

Und der Minister selbst, der immerhin den Ruf eines Machers hatte, verspielt diesen in den letzten Tagen seiner Regierungstätigkeit mit hilflos zynischer Stammelei. Er sprach tatsächlich davon, dass er die Flüchtlinge "einlädt", dorthin "zurückzugehen", wo sie hergekommen sind. Schleich di, heißt das auf Deutsch. Außerdem wolle er "sauber trennen" zwischen echten Asylsuchenden und Wirtschaftsflüchtlingen. Doch wie trennt man - und das auch noch "sauber" - zwei Hungerleider, die sich nur dadurch unterscheiden, dass dem einen das Brot weggenommen wird und dem anderen gar nicht gegeben?

Das Dilemma der österreichischen Asylpolitik heißt nicht nur Jörg Haider, sondern wird dadurch verschärft, dass wir Wahlkampf haben, in dem auch Ernst Strasser eine Rolle spielen will. Seine Rolle ist peinlich bis abstoßend.

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