Ärztekammer korrigiert Industriellenvereinigung

Der Anteil der Gesundheitsausgaben in Österreich liegt bei 8,2 Prozent - Dorner: Ohne Beitragserhöhung wird es nicht gehen

Wien (OTS) - Es sei bedenklich, wenn selbsternannte Gesundheitsexperten, die das österreichische Gesundheitssystem möglicherweise nur von einer Grippe her kennen, öffentliche Aussagen tätigen. So scharf reagierte der Präsident der Ärztekammer für Wien, Prim. MR Dr. Walter Dorner, auf die heutigen Äußerungen des "Gesundheitsexperten" der Industriellenvereinigung Heinrich Brauner, wonach Beitragserhöhungen "ein falscher Weg" seien. Tatsächlich verhalte es sich genau umgekehrt, will man in Österreich die Topmedizin erhalten und eine Zwei-Klassen-Medizin verhindern, so der Ärztekammerpräsident.****

Ohne zusätzliche Mittel sei bereits der derzeitige Level in der medizinischen Versorgung in Österreich kaum zu halten, "von der Finanzierung zusätzlich notwendiger Diagnose- und Therapieeinrichtungen ganz zu schweigen". Es stimme einfach nicht, daß das österreichische Gesundheitssystem zu den teuersten in Europa zähle. Dorner: "Es ist unangenehm, wenn Personen des öffentlichen Lebens unsinnige Forderungen erheben. Es ist aber skandalös, wenn ein Sprecher der Industriellenvereinigung komplett falsche Zahlen an die Öffentlichkeit bringt. Tatsächlich seien es nicht die von Brauner genannten 11 Prozent, die in Österreich für die Gesundheit aufgebracht werden, sondern lediglich 8,2 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. "Damit liegt Österreich lediglich knapp über dem OECD-Durchschnitt von 7,9 Prozent", so Dorner.

Auch sei es zynisch, vom "Druck der leeren Kassen" zu sprechen, der "geeignet ist, ... Reformen in Gang zu setzen". Leere Kassen bedeuten automatisch Leistungseinschränkungen und damit eine geringere Qualität in der medizinischen Versorgung. Dorner: "Das muß man sich einmal vorstellen: Die Industriellenvereinigung sagt nicht mehr und nicht weniger als: ‚Liebe Patienten, wir versorgen Euch schlechter, dafür haben wir aber ein Druckmittel in der Hand.’".

Die Ärztekammer werde auf jeden Fall diese patientenverachtende Politik nicht mittragen. Dorner: "Wir unterstützen jeden politischen Vorstoß, der auf die Sicherung unseres guten Gesundheitssystems abzielt. Beitragserhöhungen werden, auch wenn auf den ersten Blick vielleicht unpopulär, nötig sein, um ‚englische Verhältnisse’ wie Rationierungen und Leistungseinschränkungen zu verhindern." Die Patienten hätten diese Notwendigkeit auch erkannt, denn aus Umfragen gehe eindeutig hervor, daß sie bereit seien, moderate Beitragserhöhungen zu akzeptieren.

"Die österreichische Bevölkerung hat sich für ein solidarisches Beitragssystem entschieden, in dem leere Kassen als Druckmittel keinen Platz haben", so Dorner abschließend. (hpp)

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