Schüssel: Figl war richtiger Mann zum richtigen Zeitpunkt

Bundeskanzler Schüssel würdigte Leopold Figl zum 100. Geburtstag

Wien (OTS) Zu Ehren von Altbundeskanzler Leopold Figl, dessen Geburtstag sich heute zum hunderstenmal jährt, fand heute im Parlament eine Gedenkfeier statt. Unter den Ehrengästen befanden sich die Schwester, Maria Dorrek, und die Tochter, Dkfm. Anneliese Figl, des Altbundeskanzlers. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete Figl als eine "der beliebtesten und angesehensten Persönlichkeiten Österreichs, die untrennbar mit den Anfängen des neuen Österreichs verbunden sei". So habe er durch die geschickten Verhandlungen und durch sein hohes Ansehen bei den Alliierten als Außenminister die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrag im Jahr 1955 erwirkt und damit Österreich in die Freiheit und Unabhängigkeit geführt. Denn das Schicksal Österreichs war als Figl im Dezember 1945 Bundeskanzler Österreichs wurde mehr als ungewiss. "Aber Leopold Figl war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt und ein Symbol für die Lebensfähigkeit Österreichs", betonte der Bundeskanzler. Der Bundeskanzler hob auch Figls Volksverbundenheit, seine Leutseligkeit und spontane Emotionalität hervor und würdigte dessen Prinzipien, Wertvorstellungen und Patriotismus als Christdemokrat. "Leopold Figl hat Österreichs Geschichte wesentlich mitgestaltet. Er erteilte der Diktatur und den totalitären Regimen eine Absage und bekannte sich klar zur westlichen Demokratie. Seine Richtwerte sind nach wie vor gültig", so der Bundeskanzler.

Als wesentliche Elemente in dem politischen Wirken Figls bezeichnete Bundeskanzler Schüssel dessen stetes Eintreten für die Unabhängigkeit Österreichs und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Leopold Figl war einer der ersten Österreicher, die bereits im Jahr 1938 verhaftet und in dem ersten sogenannten "Prominententransport" in das Konzentrationslager Dachau überstellt wurden. "Die Leiden, die er ertragen musste, haben ihn aber nicht gebrochen", so Schüssel. Vielmehr habe er auch in Haft eine Wiedererrichtung Österreichs nie aus den Gedanken verloren. 1943 wurde Figl frei gelassen und wenig später nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler im Jahr 1944 wieder verhaftet. Figl wurde in die Todeszelle gebracht und nur der rasche Vorstoß der Roten Armee konnte ihn vor dem Tod bewahren. Am 15. April 1945 gründete Figl gemeinsam mit Leopold Kunschak, Felix Hurder, Lois Weinberger, Julius Raab und anderen im Schottenstift in Wien die Österreichische Volkspartei. Am 20. Dezember 1945 wurde Leopold Figl Bundeskanzler. 1953 löste Julius Raab Leopold Figl als Bundeskanzler ab. Figl wurde stattdessen in Raabs Kabinett Außenminister. Seine Verdienste gehen über die Verhandlungen des Staatsvertrages hinaus. So setzte er sich für den Beitritt Österreichs zur OECD und in den Europarat ein und integrierte Österreich in den Marshall-Plan.

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