SCHÜSSEL: LEOPOLD FIGL - DER RICHTIGE MANN FÜR AUSSERGEWÖHNLICHE ZEITEN

Festrede des Bundeskanzlers zum Gedenken an den 100. Geburtstag Figls

Wien, 2. Oktober 2002 (ÖVP-PK) "Leopold Figl stand und steht für die Begründung der österreichischen Eigenstaatlichkeit 1945 und für die Überwindung des Nationalsozialismus und der Diktatur. Er wurde zum Symbol für das Ringen um Souveränität und staatlichen Wiederaufbau", sagte heute, Mittwoch, Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel in einer Festrede bei der Feierstunde anlässlich des 100. Geburtstages von Bundeskanzler Leopold Figl im Parlament. "Seine Freude und seine Lust an der Politik und am Leben machten ihn zum Symbol der Zweiten Republik. Sein Vorbild hat für die Politik für dieses Jahrhundert nichts an Gültigkeit verloren", so der Bundeskanzler weiter. ****

Bis heute verkörpere keine Person der Zweiten Republik so sehr die Anfänge dieser Zweiten Republik und des Lebenswillens des neuen Österreich nach 1945 wie Leopold Figl. Wenn man erlebe, mit wie viel Begeisterung und persönlicher Sympathie Menschen, auch jene, die ihn nicht persönlich kannten, seinen Geburtstag feiern, so sei er mit Sicherheit der beliebteste und einer der anerkanntesten Politiker unseres Landes.

"Österreich hatte helle und dunkle Zeiten in der Geschichte. Figl hat beide durchlebt und mitgestaltet. Figl ist ein Mensch, der uns seinen Glauben an Österreich und sein Vermächtnis übertragen hat, das wir bewahren wollen", so der Bundeskanzler weiter.

Seine dezidiert anti-nationalsozialistische Haltung und sein Eintreten für die Unabhängigkeit Österreichs 1938 hatte Figl fast mit seinem Leben bezahlt, erinnerte Schüssel an die Zeit Figls im Konzentrationslager Dachau, wo er auf einen so genannten "Bock" gebunden wurde und zwei SS-Männer auf ihn eindroschen. "Diese Dinge haben ihn nicht gebrochen, und das verdient Respekt und Anerkennung", so der Bundeskanzler.

Schüssel zitierte in seiner Festrede aus einen Brief Figls an seine Frau vom 5. Jänner 1941 aus Dachau. Figl bringt in dem Brief die Sorge um seine Familie und die Hoffnung auf eine Wiederauferstehung Österreichs zum Ausdruck. "Schon damals kreisten die Gedanken Figls um die Gründung einer bürgerlichen Integrationspartei", so Schüssel.

1943 wurde Figl aus dem KZ entlassen und dann neuerlich in Mauthausen inhaftiert. Ende 1945 wurde er dann in das Landesgericht Wien verlegt, wo er bereits in der Todeszelle die Exekution erwartete. Am 6. April 1945 erblickte er das Licht der Freiheit, stürzte sich sofort in das politische Leben und organisierte die Lebensmittelversorgung für Wien.

Figl nahm seine Tätigkeit im Bauernbund auf und gründete 1945 die ÖVP mit. Schüssel hob in seiner Rede die vielen Funktionen Figls -unter anderem als Niederösterreichs Landeshauptmann und stellvertretender Regierungschef der provisorischen Regierung Renners oder Nationalratspräsident - hervor. Figl sei nicht nur der erste Mann der ersten Stunde gewesen, sondern "der richtige Mann für außergewöhnliche Zeiten". Er habe in all seinen Funktionen Volksverbundenheit und Leutseligkeit an den Tag gelegt, wohinter sich auch Zielstrebigkeit verbarg. Als Christdemokrat standen Wertevorstellung und Patriotismus im Vordergrund. Wenn daher in der derzeitigen Wahlbewegung das Wort "Österreich" durchgestrichen werde, so reagiere man in der Volkspartei empfindlich, "weil wir uns in der Tradition Figls sehen".

Der Bundeskanzler verwies auch auf die legendäre Weihnachtsansprache Figls im Jahr 1945. Figl sei als Politiker ein Symbol der Lebensfähigkeit und des Willens. Konzentrationslager und die Nachkriegsjahre hätten natürlich auch Tribut gefordert. 1953 habe ihn Raab als Bundeskanzler abgelöst; wenige Monate später sei er als Außenminister zurückgeholt worden, verwies Schüssel auf das hohe Ansehen Figls bei allen Besatzungsmächten und seine Kenntnis der russischen Mentalität. "Figl verkörperte in seiner Persönlichkeit und seinen Handlungen Österreichs Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den eisernen Willen zur Wiedererlangung der österreichischen Souveränität."

Figl habe ein klares Bekenntnis zum westlichen Wertesystem gelegt und den Glauben an eine gemeinsame europäische Zukunft gehabt. Als Außenminister habe er Österreich in den Europarat geführt; und er glaubte an eine europäische Zukunft Österreichs. "Jetzt, wenige Wochen vor den EU-Erweiterungsverhandlungen, sollten wir das nicht vergessen", so Schüssel.

Der Bundeskanzler verwies zudem auf die Gespräche zwischen der UNO und dem Irak über die Frage der Zulassung von UNO-Waffeninspektoren, und deren guten Abschluss, auf den "wir auch ein wenig stolz sein können". Es sei wichtig, derartige Initiativen zu setzen und damit "durchaus im Geist eines Leopold Figl zu handeln".
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