FASSLABEND: LEOPOLD FIGL IST MEHR ALS EINE GEDENKSTUNDE WERT

Festveranstaltung im Parlament im Gedenken an den 100. Geburtstag Figls

Wien, 2. Oktober 2002 (ÖVP-PK) Zu einer Feierstunde im Gedenken an den großen österreichischen Politiker Leopold Figl, der heute, am 2. Oktober, seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, hat der ÖVP-Parlamentsklub ins Parlament geladen, und die Spitzen der Republik, des politischen und religiösen Lebens in Österreich, viele Zeitzeugen und vor allem Mitglieder der Familie Figl sind zu dieser berührenden Feier gekommen. ****

Zwei Sätze Leopold Figls stehen besonders im Bewusstsein der Österreicher: "Glaubt an dieses Österreich" und "Österreich ist frei". Dahinter steht, dass zu dem Zeitpunkt, an dem diese Sätze fielen, mit Leopold Figl ein Mann an der Spitze der österreichischen Bundesregierung stand, der den Menschen ein neues Ziel und gleichzeitig Mut, Kraft, Hoffnung und Selbstvertrauen gab, alle Schwierigkeiten überwinden zu können, betonte der Dritte Präsident des Nationalrats, Dr. Werner Fasslabend, in seiner Begrüßungsrede. "Seine große Leistung bestand darin, das ganze Volk zu motivieren, nicht aufzugeben, sondern alle Kraft für eine neue österreichische Richtung einzusetzen."

"Österreich ist frei" bedeutete mehr als die Befreiung von NS-Regime und Besatzung. Es bedeutete, frei zu sein für eine neue Rolle, Positionierung und Herausforderung Österreichs, für ein neues Österreich. Aus den Worten Figls war der Neubeginn herauszuspüren, betonte Fasslabend.

"Vor zweieinhalb Jahren war Österreich von seinen Freunden im Stich gelassen, fast isoliert. Auch da hat uns ein Mann mit Ruhe und Gelassenheit das Gefühl gegeben, wir wollen und können das gemeinsam durchstehen." Mit diesen Worten begrüßte Fasslabend Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel als Festredner der Feierstunde. "Das Leben Leopold Figls war von Toleranz und Kooperation geprägt. In diesem Zusammenhang begrüße ich mit besonderer Freude den Laudator der heutigen Festveranstaltung, Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer", fuhr Fasslabend fort und begrüßte des weiteren Niederösterreichs Altlandeshauptmann Andreas Maurer, der in der Gedenkstunde als Zeitzeuge zu Wort kam.

Stellvertretend für die Familie begrüßte Fasslabend die Schwester Leopold Figls, Maria Dorrek und die Tochter, Dipl.Kfm. Anneliese Figl. Unter den vielen prominenten Festgästen hob Fasslabend folgende namentlich hervor: Bundesratspräsident Bieringer, die Minister Bartenstein und Molterer, die Gerichtshofpräsidenten Jabloner und Felzmann, Altbundespräsident Waldheim, NÖ.-LH Pröll, die Staatssekretäre Finz, Morak und Waneck, die ehemaligen Nationalrats-und Bundesratspräsidenten Hubinek, Gratz, Olah, Lichal und Schambeck, Zeitzeugen Ludwig Steiner, die Religionsvertreter Krätzl, Grosz, Krikorian, Staikos und Werner, die ehemaligen Minister Soronics, Taus, Streicher, Steyrer und Ofner und alle Vertreter des diplomatischen Corps, der politischen Gremien und der Medien. "Leopold Figl, den großen Österreicher, gilt es heute zu feiern und er ist mehr als eine Stunde des Gedenkens wert. Was wir aus dieser Feierstunde mitnehmen, ist der Gaube an dieses Österreich, diese Leidenschaft und Begeisterung, die er all seinen Angehörigen, den Österreichern seiner Zeit und nachfolgenden Generationen mit auf den Weg gegeben hat. Figl war Österreich, wir glauben an dieses Österreich" schloss Fasslabend.

MAURER: FIGL IST UND BLEIBT VORBILD, MAHNER, PATRIOT, WELTBILD UND LEITFIGUR

"Leopold Figl war ein fanatischer Optimist, er gab den Menschen Mut und Kraft zum Wiederaufbau, er fand immer die richtigen Worte und wurde immer von allen verstanden - das trifft für die Besatzungsmächte ebenso zu wie für das einfache Volk. Er war die Hauptfigur rund um die Entstehung des Staatsvertrages und das Symbol des neuen Österreich." Mit diesen Worten beschrieb Niederösterreichs Altlandeshauptmann Andreas Maurer, der in der Feierstunde als Zeitzeuge zu Wort kam, Leopold Figl.

"Figl war und blieb mein Vorbild und hat mich persönlich geprägt. Keiner konnte so auf Menschen zugehen wie er und man spürte, dass seine Worte immer aus dem Herzen kamen. Er hat seine Hand auch dem politischen Gegner stets zum Miteinander für Österreich ausgestreckt und niemand hat sie ihm verweigert. Für mich und für alle bleibt Leopold Figl Vorbild, Mahner, Patriot, Weltbild und Leitfigur. Wir werden ihn nie vergessen!

FISCHER: DAS LEBENSWERK LEOPOLD FIGLS HAT ÜBERDAUERT

Nationalratspräsident Heinz Fischer würdigte in seiner Festrede Leopold Figl als Mitbaumeister der Zweiten Republik, der es sich durch den österreichischen Staatsvertrag, durch seinen dramatischen Lebensweg und als Brückenbauer in der Politik verdiene, "dass wir seiner heute in dieser Form gedenken." Figl habe als einer der Entschiedensten die Gefahr des Nationalsozialismus erkannt und sich dagegen gestellt. Sein darauf folgendes Martyrium in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen habe ihn jedoch nicht gebrochen. "Er war Hilfe für seine Mithäftlinge und hat ihnen den Glauben an Österreich gegeben."

In einem kurzen geschichtlichen Überblick hob Fischer die unermüdliche Arbeit Leopold Figls für den Wiederaufbau Österreichs und seinen Beitrag zum "Wunder von 1945" hervor. Dieses bestand darin, "dass es Österreich gelungen ist, eine Teilung zu vermeiden, die bittere Gegnerschaft der Vergangenheit zu überwinden und unter der Last der Probleme nicht zu resignieren, sondern sie als Ansporn zu sehen", sagte Fischer.

Mit dem Tod Figls sei eine Ära zu Ende gegangen, es folgte ein Paradigmenwechsel und ein neues Kapitel der österreichischen Politik. "Aber das Lebenswerk Leopold Figls hat überdauert und ist heute genauso lebendig. Wir feiern ihn dankbar, weil er zu einem ganz überzeugten Demokraten, Österreicher und Brückenbauer gereift ist", schloss Fischer.
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