Chaos bei Jugendkonten der Banken: Wiener Jugendanwaltschaft deckt Missstände auf

Wien (OTS) - Falsche oder unzureichende Beratung bei Jugendkonten=

Die beiden Wiener Jugendanwälte Pinterits und Schmid
präsentierten am Mittwoch gemeinsam mit dem Leiter der Schuldnerberatung A. Maly eine Erhebung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien zum Thema Jugendkonten der Banken.****

Immer wieder melden sich in der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien Jugendliche oder besorgte Eltern und berichten, dass in den Bankfilialen falsche oder unzureichende Beratung zu Jugendkonten (Zinsen, Überziehungen, Bankomatkarte) gegeben werden, dass Überziehungen bei Jugendkonten toleriert werden, dass unter 14 jährige zur Unterschriftsleistungen zu einer Kontoeröffnung angehalten werden und einiges mehr. So hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien eine Erhebung mit der bewährten Methode des Mystery Shopping durchgeführt, um diese Situation näher zu betrachten.

Die Erhebung:
Es wurden 7 Bankinstitute (PSK, BA-CA, BAWAG, Raiffeisen, Erste Bank, HYPO NÖ, Volksbank) mit 15 Filialen "verdeckt" von einem Jugendlichen in Begleitung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien besucht. Der männliche Jugendliche stellte sich (wahrheitsgemäß) mit folgenden Angaben in den Filialen vor: Jugendlich - 16 Jahre - kein Einkommen - Schüler - Nachhilfe und Ferialpraxis sind seine Einnahmequellen. Er möchte gerne ein Jugendkonto eröffnen und interessiert sich für die Bedingungen dafür. Besonderes Augenmerk legt er auf Zinsen, Kunden/Bankomatkarte, Überziehungsrahmen. Die Eltern gestatten die Eröffnung eines Kontos, aber wollen mit dem Konto nichts zu tun haben - also keine Unterschriften leisten. Diese Ausgangssituation war in allen Instituten bei allen Kundenbetreuer gleich. Unterschiedlich jedoch die Ergebnisse der Gespräche.

Die Ergebnisse:
- Die Berater sind nicht gut auf Auskünfte über Jugendkonten vorbereitet (53% mussten nachfragen oder nachtelefonieren).
- Die Differenzen in den einzelnen Informationsmaterialien (Internet, Prospekte, Infoblätter) und der mündlichen Beratung sollten vermieden werden (z.B. veraltete Prospekte werden ausgehändigt!)
- Die Informationen in einzelnen Filialen eines Institutes sind manchmal unterschiedlich. Bei 57 % der Banken (4 von 7 Instituten) wurden unterschiedliche Infos in den beiden Zweigstellen gegeben.
- Die Beratungsdauer scheint größtenteils zu kurz zu sein, um einen wirklichen Überblick über die Bedingungen zu geben (kürzeste Beratung: 10 Sekunden, durchschnittliche Beratung: 7 Minuten).
- Habenzinsen bewegen sich zwischen 0,25% und 4%
- Sollzinsen bewegen sich zwischen 0% (da keine Überziehung offiziell möglich ist) und 9,5 %.
- Kunden-/Bankomatkarte - Überziehungsrahmen: Hier reicht die mündliche Auskunft von Bankomatkarte sofort und ohne Unterschrift der Eltern bis ausschließlich Überziehen mit Elternunterschrift möglich.

Die Forderungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien :
- Die Problematik der Kontoüberziehungen von Jugendlichen muss neu überdacht werden und allen Instituten gleich vorgegeben werden. Auch wenn dadurch genauere Bestimmungen im Bankwesengesetz notwendig sind. Daher hat auch der Gesetzgeber zu überlegen, welche Richtlinien im Bankwesengesetz geändert bzw. noch dazugenommen werden sollten. - Die Bedingungen rund um die Handhabung von Bankomatkarten sollten für alle Jugendlichen gleich sein und nicht vom Bankinstitut abhängen. Jugendliche ohne Einkommen muss es verwehrt werden, sich auch nur geringfügig zu verschulden. Wenn ein Jugendkonto Überziehungen aufweist, muss durch vorherige Unterschriftsleistung der Eltern garantiert sein, dass diese die Schulden abdecken müssen. Jugendlichen mit eigenem Einkommen dürfte eine Überziehung nur bis zu einem sehr geringen Betrag möglich sein.
- Jugendliche sind auch Kunden und sollten daher zumindest ebenbürtig wie Erwachsene betreut werden.
- Da Jugendliche in der Regel die Informationen ernst nehmen, die sie erhalten, sollten für die Berater und die Jugendlichen eindeutige Infostandards gegeben sein: Internethomepage mit allen Detailinfos und nicht nur Allgemeinplätze und Lockangebote aus dem Freizeitbereich.
- Jugendclubs können ein wesentlicher Faktor für die Institutsbindung von Jugendlichen sein, doch auch klare Sachinformationen (Zinsen, Kosten, Kontoführung, Überziehungen, etc.) müssen gegeben werden.

- Die Werbemaßnahmen der Institute für die jeweiligen Jugendkonten müssen seriös und sorgsam gehandhabt werden.

Die beiden Jugendanwälte Pinterits und Schmid zu diesem Ergebnissen:
Erst wenn obige Rahmenbedingungen erfüllt sind können Eltern die Bankgeschäfte ihrer Jugendlichen vertrauensvoll in die Hände der Institute legen.
Die Banken müssten sich bewusst werden, dass sie eine wichtige Aufgabe im Lernprozess der Jugendlichen besitzen, wenn es um den Umgang mit Geld geht. Sie haben daher äußerste Sorgfaltspflicht in der Betreuung ihrer jugendlichen Kunden zu garantieren.
Gleichzeitig ist es Aufgabe des Staates den Banken klarere Richtlinien für ihre Bankgeschäfte mit Jugendlichen vorzugeben und diese im Bankwesengesetz festhalten.

"Es dürfte niemanden in Österreich mehr möglich sein, mit Schulden von Jugendlichen Geld zu verdienen." schlossen die beiden Jugendanwälte Pinterits und Schmid.

Genauere Auswertungen sind in der Kinder- und
Jugendanwaltschaft Wien unter der
Tel. Nr. 01/1708 kostenlos zu bestellen und werden gerne zugesandt.

Rückfragen & Kontakt:

Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSA Monika Pinterits
Herr Dr. Anton Schmid
Tel: (++43-1) 1708

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