Wiener Jugendanwaltschaft kritisiert Handhabung bei Jugendkonten

Wien (OTS) - Kritik an der Information, Beratung und Werbung jugendlicher Kunden bei heimischen Banken äußerte die Wiener Kinder-und Jugendanwaltschaft zusammen mit der Wiener Schuldnerberatung anlässlich eines Mediengespräches am Mittwoch. Die Ergebnisse eines "Mystery Shoppin"-Tests, bei dem 15 Filialen von 7 Bankinstituten (PSK, BA-CA, BAWAG, Raiffeisen, Erste Bank, HYPO NÖ und Volksbank) von einem 16jährigen ohne regelmäßiges Einkommen auf ihre Konditionen im Jugendbereich getestet wurden, hätten, so Monika Pinterits und Dr. Anton Schmid von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft, gezeigt, dass es in diesem stark umworbenen Bereich zu massiven Fehlinformationen durch Unwissenheit der Bankbetreuer kommen würde Mehr als die Hälfte der Bankangestellten hätten erst nach Rücksprache entsprechende Auskunft geben können, die Beratungsgespräche seien mit durchschnittlich 7 Minuten inakzeptabel kurz gewesen. Anton Schmid forderte, dass die Kontoüberziehungen bei Jugendlichen gesetzlich neu geregelt werden müssten. Beide Volksanwälte wiesen darauf hin, dass es in ihrer Beratungsstelle zu diesem Thema vermehrt zu Nachfragen besorgter Eltern und Jugendlicher gekommen sei. Falls die Banken sich taub stellen würden, kündigten die Jugendanwälte an, Detailergebnisse ihrer Studie zu veröffentlichen.****

Alexander Maly, Leiter der Wiener Schuldnerberatung, betonte, dass die Situation in Wien besonders krass sei. Genaue Zahlen, die Aufschluss über die Verschuldungsquote unter Jugendlichen geben würden, existieren, trotz jahrelanger Forderung nach Freigabe entsprechenden Datenmaterials durch die Banken bislang nicht. Weiters wies er darauf hin, dass seit kürzerem via Werbeaktionen die Banken den Versuch unternehmen würden, juristische Graubereiche auszutesten. In der Wiener Schuldnerberatung seien Jugendliche zwar rar, die "Schuldnerkarrieren" der meist erwachsenen Kunden zeigten aber deutlich, dass die erste Schritte in die private Schuldenfalle bereits in den Jugendjahren mit dem Überziehen von Konten begonnen hätte. Insbesondere wies er auf die triste Situation von Zuwanderern hin, die aufgrund mangelnder Kenntnisse und anderer kultureller Erziehungsformen besonders oft in die Schuldenfalle tappten.

Juristisch gesehen dürfen Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr keine Unterschrift im Geschäfts- oder Bankenbereich tätigen. Anders sieht es vom 14. bis zum 18. Lebensjahr aus, wo Jugendliche eine Teilgeschäftsfähigkeit haben und somit für die Banken als Kunden interessant werden. Alle drei forderten die Banken dazu auf, die Informationspflicht gegenüber Jugendlichen in Zukunft deutlich seriöser zu gestalten und die Jugendlichen, die altersgemäß leichtgläubiger sind als Erwachsene, über die Geschäftsbedingungen genauestens und vollständig aufzuklären.
(Schluss) hch/

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Kinder- und Jugendanwaltschaft
Tel.: 1708 oder 317 15 56

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0011