Kossina: Start für noch bessere Ideen zur Abfallvermeidung

Internationaler Kongress tagt in Wien

Wien (OTS) - Wien steht diese Woche ganz im Zeichen der Abfallvermeidung: Mehr als 400 Experten aus 38 Staaten nehmen zwei Tage lang am internationalen Kongress im Wiener Messezentrum zum Thema "Vermeiden kommunaler Abfälle" teil. Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina wird im Rahmen der neuen Abfallvermeidungskampagne, bei der die besten Ideen zur Verringerung des Müllaufkommens in Wien gesucht werden auch einen internationalen Waste-Award ins Leben rufen.

"Abfallvermeidung ist in Wien ein zentrales Thema. Denn es ist die effektivste und umweltverträglichste Methode, um die Abfallmengen zu reduzieren und damit die Umwelt und die Ressourcen zu schonen", betonte Kossina bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Kongresses. Immerhin produziere jede Wienerin und jeder Wiener im Jahr eine halbe Tonne an Abfällen. Dies sei jedoch nicht nur für Wien spezifisch, sondern ein weltweiter Trend.

Eine Strategiegruppe zur Abfallvermeidung wird im kommenden Jahr wieder neue Abfallvermeidungsideen präsentieren. In einem Wettbewerb werden die besten Ideen von einer internationalen Jury ausgewählt." Mit einem Budget von fünf Millionen Euro sollen im Jahr 2003 Müllvermeidungs-Projekte in die Tat umgesetzt werden.****

Auch die Europäische Union müsse rasch effiziente Initiativen zur Abfallvermeidung setzen. Angesichts des neuesten Erkenntnisses des Europäischen Gerichtshofes, der den Abfallverwertungsbegriff erweitert hat, wäre dem Handel mit Abfällen zur Verwertung Tür und Tor geöffnet. Fast alle Abfälle würden nun als "Ware" definiert werden können und der Export zu Abfallentsorgungsanlagen mit niedrigeren Standards als Wien wäre die Folge.

Kossina: "Eine Liberalisierung des Abfallmarkts kann zu massiven Umweltdumping führen." Daher sei es um so wichtiger, dass die Kommunen die Verfügungsgewalt für den eigenen Abfall in vollem Umfang wahrnehmen. Wien ist auch in diesem Bereich Vorreiter, denn Wien sorgt dafür, Abfälle auf höchstem Niveau zu verwerten."

Weltweiter Trend zu mehr Abfall

Gründe für die Steigerung des Abfallaufkommens gebe es viele:
steigender Konsum und mehr Wohlstand (im Vergleich zu 1993 sind die Haushaltsausgaben 1999 in Österreich um 7,6 Prozent gestiegen) seien genauso dafür verantwortlich wie ressourcenvergeudende Produktionen. Kossina: "Vor allem bei Industrie und Gewerbe muss bei Abfallvermeidung angesetzt werden. Für den Konsumenten muss es mehr Information geben."

Der Trend zu steigenden Singlehaushalten sei eine zusätzliche Erklärung. Kleinere Haushaltsgrößen erfordern jedoch eine andere Produktgestaltung, die zu zusätzlichem Abfall beitrage.

Lust auf immateriellen Konsum

Kossina: "Wien setzt auf die Verringerung des Müllaufkommens. Ziel ist es mit verstärkter Bewusstseinsarbeit und ohne erhobenen Zeigefinder mehr Lust auf immateriellen Konsum zu machen. Die Idee der "Verführungsschecks" wäre so ein Schritt, der dabei helfen kann, mit mehr Fantasie weniger Abfall zu produzieren."
"Abfall vermeiden heißt Ressourcen schonen. Und darauf müssen wir auch in Hinblick auf zukünftige Generationen achten. Denn wem ist schon bewusst, dass für die Herstellung eines Handys 75 Kilogramm an Rohmaterialien notwendig sind, oder für die Produktion einer Zahnbürste 1,5 Kilogramm an Rohstoff verwendet wird", unterstrich Kossina.

Abfallvermeidung in Wien sei schon seit Jahren ein Schwerpunktthema der Umweltpolitik. Zahlreiche erfolgreiche Projekte seien auch international herzeigbar: Der ÖkoBusinessPlan Wien sei ein erfolgreiches Umweltberatungs- und Serviceprogramm für die Wiener Wirtschaft.

Das Projekt PUMA beschäftige sich mit dem Aufbau von Umweltmanagementsystemen für alle Objekte der Stadt Wien. Der Ökokauf Wien unterstütze die Ökologisierung des Beschaffungswesens der Stadt Wien. Die MA 48 forciere das Projekt der Altwarenbörse und unterstütze das Projekt R.U.S.Z. (Reparatur und Servicezentrum).

Mit dem "Müllionenspiel", einer Idee von Univ. Prof. Gerhard Vogel (WU), sollen Kinder und Erwachsene alle Fragen zum Thema Abfall erfahren. "Umweltbildung bleibt eine wichtige Säule, denn oft ist es so, dass Eltern von den Kindern über den richtigen Umgang und die Entsorgung von Abfällen lernen", so die Umweltstadträtin.

Gemeinsam gegen zuviel Müll

Dass auch international über die steigenden Abfallmengen nachgedacht wird, beweisen die unterschiedlichen Aktivitäten der Länder in Sachen Abfallvermeidung, wie beispielsweise das "Penti Refill Spray System" aus Finnland, das als Mehrwegsystem zur Vermeidung gefährlicher Abfälle eingesetzt wird. Oder das Pfandmodell auf Einweg-Getränkeverpackungen in Norwegen, das sich bereits erfolgreich etabliert hat.

Aber auch in unmittelbarer Nähe Österreichs macht man sich Gedanken über erfolgreiche Abfallvermeidung. So setzt die Stadt München zahlreiche Aktivitäten und hat ein effizientes Konzept ausgearbeitet: die Beratung im Internet zählt genauso dazu wie Aktionswochen zur Abfallberatung oder Kampagnen die den Mehrweganteil bei Getränken zu erhöhen.

Australien setzte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf "umweltschonende Spiele". Dies fand bei Medien und Öffentlichkeit hohe Anerkennung und brachte das Image von "Grünen Spielen". Das Resultat konnte sich sehen lassen: 50 Prozent weniger Materialaufwand im Vergleich zu den Spielen in Atlanta 1996. 77 Prozent der Abfälle wurden verwertet statt deponiert.

Kossina: "Wien ist Umweltmusterstadt und schon heute fit für die Zukunft. Dass das mit viel Fantasie und Spaß funktionieren kann wird die Umsetzung neuer Ideen zur Abfallvermeidung zeigen."

Allgemeine Informationen:

o Wiener Abfallwirtschaft: http://www.wien.at/ma48/

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