"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Von Täuschung und Dummheit (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 02.10.2002

Klagenfurt (OTS) - Zwischen Täuschung und Selbsttäuschung hat das Spiel mit der Wahrheit den Boden unter den Füßen verloren: Die Schönwetter-Rhetorik ist zum unfeinen Mogelzynismus verkommen. Oder nennen wir es gerade heraus: Die Politik hat die Scheu vor der Lüge verloren - sie sagt frank und frei die Unwahrheit.

Die Unwahrheit hat - ebenso schleichend wie hartnäckig -gesellschaftspolitisch Laufen gelernt: Stillschweigend vom Kollektiv geschluckt, ist sie zum wichtigsten Instrument im Kampf um Wählerstimmen emporgestiegen. Kindergeld für jedes Kind bis zum sechsten Lebensjahr. Strompreissenkung. Steuerliche Entlastung. Für jeden Jugendlichen einen Arbeitsplatz. - Der Wähler hofft. Der Wähler glaubt. Der Wähler wählt. Und erwacht irgendwann ernüchtert, weil der Schmäh eine doch zu plumpe Lüge war.

Plump und plump aber ist nicht dasselbe: Man kann sich selbst ins Eck der Lächerlichkeit verfrachten. Siehe Kanzler Schüssel und seine blauen Gefährten: Mit stählerner Miene geht man daran, Arbeitslosenzahlen, derart dramatisch wie Österreich sie noch nie gesehen hat, als Erfolg der Wenderegierung zu feiern. Wie das geht? -Man ignoriert die Fakten, lässt sie links liegen, tut so, als gäbe es sie nicht. Und zimmert sich eine Wahrheit zurecht, mit der man Österreich belügt. Dann schließlich hofft man: man hofft auf die Gutgläubigkeit und Dummheit der Wählerschaft...

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