Obdachlose Asylwerber: Beratung auf der Straße nicht möglich

Caritas fordert menschenwürdigen Umgang

Wien (1.10.2002 OTS) "Jeder Mensch, der in Österreich um Asyl ansucht, muss ein Recht auf ein faires Asylverfahren haben", fordert die Caritas-Flüchtlingsexpertin Andrea Huber für die Flüchtlinge, die in den nächsten Tagen und Wochen aus der Bundesbetreuung ausgeschlossen werden sollen. Die Verweigerung der Unterbringung bedeutet de facto eine Verweigerung des Asylverfahrens. Wer kein Dach über dem Kopf hat, ist nicht nur obdachlos, sondern hat auch keine Meldeadresse, die für das Asylverfahren notwendig ist.

Auch für Kosovaren muss es ein Obdach geben, bis sie über ihre Perspektiven in Österreich aufgeklärt werden können. Viele kamen nach Österreich, weil ihnen von Schleppern ein Wirtschaftsasyl in Aussicht gestellt wurde. "Es ist zwar richtig, dass es kein Asyl aus wirtschaftlichen Gründen gibt, aber wir können keine Rückkehrberatung auf der Straße durchführen. Bis die Rückkehr organisiert ist, müssen die Männer, Frauen und Kinder eine Unterkunft haben und menschenwürdig behandelt werden", verlangt Huber ein Mindestmaß an Menschlichkeit. "Außerdem sind nicht alle Kosovaren Wirtschaftsflüchtlinge, noch immer gibt es Minderheiten im Kosovo, die gefährdet sind und eine Chance auf Asyl haben müssen."

"Viele Kosovaren, die jetzt in Österreich feststellen, dass sie getäuscht und in die Irre geführt wurden, haben alles verkauft, um die Schlepper zu bezahlen", berichtet Huber. "Sie sind Opfer krimineller Organisationen. Sie sollen zumindest hier menschenwürdig behandelt werden, bis geklärt ist, ob und wie sie zurückkehren können."

"In dieser Situation geht es um Männer, Frauen und Kinder, die
ohne unsere Hilfe auf der Straße stehen", betont Huber. In den Notunterkünfte der Caritas und anderer Hilfsorganisationen bietet sich ein dramatisches Bild: "Sie sind von den Kellern bis unter die Dächer überfüllt. Trotzdem müssen täglich Hilfesuchende in die Kälte abgewiesen werden", schildert Huber angesichts der verzweifelten MitarbeiterInnen. Hier braucht es die Zusammenarbeit aller, um die Menschen nicht knapp vor dem Winter im Stich zu lassen. Jeder, der in Österreich Zuflucht sucht, hat ein Recht auf ein ordentliches und faires Verfahren, denn in einem Rechtsstaat darf es keine willkürlichen Beschränkungen geben.

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