ROSA PAPIER IM VISIER

Im Rahmen der Enquete "Fahrausbildung im Umbruch" des KfV beleuchten Experten die Führerscheinausbildung von allen Seiten.

Wien (OTS) - Mehrphasenausbildung ab 2003 soll Unfälle mit jungen Lenkern senken.

"Jeder dritte Fahranfänger ist innerhalb eines Jahres in einen Verkehrsunfall verwickelt. Häufig enden diese Unfälle mit schweren Verletzungen oder gar mit dem Tod", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), anlässlich der heutigen Enquete zur "Fahrausbildung im Umbruch" im Wiener IBM-Forum. Im Freiland steigt die Unfallhäufigkeit dramatisch. Jeder zweite tödliche Fahranfängerunfall ist ein Alleinunfall (nur ein Fahrzeug ist beteiligt). "Offenbar stellt eine leere Landstraße für junge Lenker eine Aufforderung dar, auf´s Gas zu steigen und die Autobahn wird zum tödlichen Computerspiel. Die erweiterte Fahrausbildung verhindert, dass Jugendliche zu schnell aus der Übung kommen und dass die jungen Lenker ihre Fähigkeiten einzuschätzen lernen", begrüßt Thann die "Fahrausbildung neu" und weist darauf hin, dass außerdem gespart werden kann: "Statistisch betrachtet erspart sich jeder Einzelne, wenn durch die bessere Ausbildung auch nur ein Unfall mit Sachschaden verhindert werden kann im Durchschnitt 3000 Euro". Die Mehrphasenfahrausbildung sieht ein zusätzliches Fahrsicherheitstraining, zwei Feedbackfahrten im Straßenverkehr -diese sind drei, sechs und neun Monate nach der Prüfung abzuhalten -und eine verkehrspsychologische Weiterbildung vor.

Niederlande: In vier Schritten zum "Schein"

Das KfV nimmt die Neuerungen in der Fahrausbildung - die Mehrphasenfahrausbildung startet mit 1.1.2003 - zum Anlass und beleuchtet das internationale und vor allem das österreichische Führerscheinsystem von allen Seiten. Die Führerscheinausbildung ist in Europa unterschiedlich gestaltet. Jedes Land hat seine eigene Kultur, seine eigenen Ideale und sein eigenes System. In den Niederlanden kann der Prüfling in vier Schritten systematisch fahren lernen. Jedes Modul wird mit einem Test abgeschlossen. Heleen Groot, Generalsekretärin der CIECA über das neue niederländische System:
"Die ersten Ergebnisse mit dieser Art der Fahrausbildung sind sehr positiv ausgefallen. Vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen Fahrlehrern und Fahrprüfern ist aufgefallen. Um einen Erfolg in der Verkehrssicherheitsarbeit zu erzielen, ist ein gutes Zusammenwirken aller Beteiligten schlichtweg unumgänglich."

Europaweit Scheckkartenformat Standard

Auch die äußere Form des (in Österreich) rosa Papiers ist nicht in allen Ländern gleich. Europaweit betrachtet; entwickelt sich das Scheckkartenformat zum Standard. In Deutschland ist der Führerschein längst kein "Schein" mehr. Seit 1999 erhalten deutsche Staatsbürger ihre Lenkerberechtigung auf einer fälschungssicheren Polycarbonatkarte. Heike Herrmann, Projektleiterin für den Vertrieb von Personaldokumenten der deutschen Bundesdruckerei GmbH, preist die Vorzüge: "Neben der Handlichkeit, gewährleistet eine ausgefeilte Logistik den schnellen Führerscheinerhalt. Die reguläre Lieferzeit der bereits erworbenen Fahrerlaubnis beträgt höchstens fünf Arbeitstage. In Zukunft erhalten übrigens die Bürger ihre Führerscheinkarte gleich direkt per Post".

Österreich mit Fahrausbildung Vorreiter in EU

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Führerscheinausbildung haben sich über die Jahre verändert. In "grauer Vorzeit" durfte, wer mobil sein wollte, die Urform der Laienausbildung, die "Übungsfahrt" (ohne Fahrschulbesuch) in Anspruch nehmen. Heute gibt es die "Vorgezogene Lenkberechtigung für die Klasse B" oder kurz "L 17", d.h. in Österreich dürfen 17jährige den Führerschein unter bestimmten Voraussetzungen erwerben. Die Ausbildung besteht aus einer Kombination aus Übungsfahrt und Vollausbildung in der Fahrschule, so dass die Auszubildenden zur fundierten Profiausbildung zusätzlich genügend Praxis sammeln können. Für viele sind L 17-Kandidaten, die am sichersten ausgebildeten Autolenker. Ein Argument, das nicht von der Hand zu weisen ist: Die jungen Lenker steigen vom eher unsicheren Moped auf das sicherere Auto um.

Änderungen beim Mopedausweis - mehr Praxis gefordert

Seit heute, 1. Oktober, hat sich auch für Moped-Lenker einiges getan. Die 5. FSG-Novelle bringt eine achtstündige theoretische Schulung für künftige Moped-Lenker mit sich, wo Fachleute Jugendliche zum Beispiel über die Wirkung von Alkohol und Drogen informieren und verschiedene verkehrsrelevante Lerninhalte vertiefen können. KfV-Direktor Thann ist überzeugt, dass eine gewisse Mindestschulung auch für Moped-Lenker gelten sollte - im Vergleich zu einem Pkw-Lenker trägt ein Mopedlenker etwa das zehnfache Unfallrisiko! -und tendiert für eine Verschärfung der Praxis: "Eine verpflichtende theoretische Schulung ist ein positiver Anfang. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis ist damit aber noch nicht entschärft. Viele Inhaber eines Mopedausweises sitzen zum ersten Mal auf einem Fahrzeug, ohne auch praktisch geübt zu haben. Angesichts der steigenden Moped-Unfälle ist das ein erhebliches Versäumnis."

50 Prozent weniger Unfälle in Finnland bei jungen Lenkern

Die Senkung der überproportional hohen Unfallzahlen von Fahranfängern ist das entschiedene Ziel der Mehrphasenfahrausbildung. Das österreichische Modell orientiert sich an einem in Finnland bereits praktiziertem Mehrphasenmodell. In Finnland wurde seit der Einführung ein 35-prozentiger Rückgang der Unfälle bei männlichen Fahranfängern im Alter von 18 bis 20 Jahren beobachtet, bei weiblichen Fahranfänger ist die Unfallhäufigkeit um 16 Prozent reduziert. Männliche Fahranfänger über 21 konnten sogar ein Minus von 50 Prozent! verbuchen. Dazu der Obmann des Fachverbands der Fahrschulen Österreichs, Ing. Norbert Hausherr: "Diese Zahlen sind Bestätigung genug, dass bei der praktischen Ausbildung der 'Neulinge am Lenkrad' Nachholbedarf herrscht. Es ist unbestritten und wissenschaftlich bewiesen, dass eine Ausbildung, die auf einen längeren Zeitraum verteilt wird, eine wesentlich bessere Prägung erreicht".

Inhalte der Mehrphasenfahrausbildung

Die Inhalte der Perfektionsfahrten und des Fahrsicherheitstrainings, inklusive der zweistündigen verkehrspsychologischen Risikoschulung zeichnen sich durch verstärkte Praxisnähe, individuelles Coaching, Fortbildungscharakter und der Berücksichtigung des aktuellen Stands der Unfallforschung aus. Die speziell geschulten Verkehrspsychologen des KfV vermitteln nicht nur praxisrelevante Inhalte. Der richtige Umgang mit den Risiken und Gefahren im Straßenverkehr soll jungen Lenkern bewusst gemacht werden.

Rückfragen & Kontakt:

Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Gabriele Hinterkörner
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71 770/233
http://www.kfv.at

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