Waneck: 1. Österreichischer Gesundheitsplan zur Sicherung der Versorgung

Basis für ein finanzierbares, gerechtes, effizientes und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem

Wien, (BMSG/STS) – "Nach 30 Jahren Wildwuchs im österreichischen Gesundheitssystem, in dem Strukturen entstanden sind, die weder finanzierbar noch durchschaubar sind, hat nun das Staatssekretariat für Gesundheit einen "Österreichischen Gesundheitsplan" erarbeitet, der anlässlich der "Schladminger Gesundheitsgespräche" vorgestellt wurde", berichtete Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck. "Dieser Gesundheitsplan soll die Basis für ein finanzierbares, gerechtes, effizientes und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem bilden." *****

"Das österreichische Gesundheitssystem, wie wir es vor zwei Jahren übernommen haben, ist unzureichend", so Waneck. "Wir haben eine Mehrklassenmedizin, die durch den unkontrollierten Wildwuchs der sozialistischen "Selbstverwaltung" entstanden ist. Jede Krankenkasse ist ein Gesundheitssystem für sich. Die neun Gebietskrankenkassen heben alle die gleichen Beiträge ein, bieten ihren Versicherten aber unterschiedliche Leistungen. Wir fordern gleiche Leistungen für gleiches Geld", betonte Waneck. Denn, so Waneck weiter, rechtfertige die Bevölkerungsstruktur im kleinen Österreich nicht, dass ein Burgenländer für sein Geld weniger medizinische Versorgung erhalte als ein Vorarlberger. Zu diesem Zweck müßten die Leistungskataloge der Krankenkassen vereinheitlicht werden. Dabei dürfe es jedoch nicht zu einer Nivellierung nach unten kommen, betonte Waneck. "Wir wollen ein gerechtes Gesundheitssystem für alle Österreicherinnen und Österreicher und keine ungerechte Mehrklassen-Klassen-Medizin", so Waneck. Derzeit drohe das Gesundheitssystem "Kaputtverwaltet" zu werden.

Im Mittelpunkt des Gesundheitswesens stehe der Mensch, so Waneck. Es sei menschlich, dass jeder von uns, wenn er sich in die Hände des Gesundheitssystems begebe sofort die beste medizinische Leistung erhalten wolle. Dies, so Waneck, sei oft nicht der Fall: Lange Wartezeiten, schlechte Qualität in der Behandlung, zu wenig Kassenverträge, knappe Ressourcen behindern eine optimale Versorgung. "Dadurch entsteht latente Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem für Betroffene. Wir verlangen daher die Verkürzung der Wartezeiten durch mehr Kassenverträge und mehr niedergelassene Ärzte, die Qualitätssicherung bei der Behandlung, bessere Ausstattung mit Finanzmittel durch eine Reform der Finanzierungsströme im Gesundheitswesen", so Waneck. "Die Medizin muss von einer Geldorientierung zu einer Betroffenenorientierung kommen", betonte Waneck.

Österreichs Gesundheitssystem zählt trotz grober Mängel noch immer zu den besten auf der Welt. Daneben zeichne es sich auch durch eine hohe Wertschöpfung aus. Das Gesundheitswesen sei auch ein ganz wesentlicher Motor der Volkswirtschaft, seien doch zusammen mit den Zuliefergewerben fast 10 Prozent der Erwerbstätigen Österreichs auf diesem Sektor tätig, erinnerte Waneck. "Die Aufrechterhaltung des hohen medizinischen Standards für alle erfordert Weitsicht in der Finanzierung", so Waneck.

Es könne daher nicht Ziel einer österreichweiten koordinierten Gesundheitspolitik sein neun unterschiedliche Länderfinanzierungstöpfe und damit de jure neun Gesundheitssysteme zu schaffen. "Ziel ist es letztendlich auf eine ‚Gesamtösterreichische Gesundheitsholding’ hin zu arbeiten", betonte Waneck.

Für die Zukunft ergeben sich somit folgende Prämissen:

  • Gleiche Beitragssätze für gleiche Leistungen
  • Vereinheitlichung des Leistungsangebotes in allen Bundesländern und bei allen Trägern- Vereinheitlichung der satzungsmäßigen Mehrleistungen
  • Lukrierung aller vorhandenen Einsparungspotentiale vor unkontrollierter Zufuhr neuer finanzieller Mittel
  • Leistungsgerechte Finanzierung der Spitäler durch die Sozialversicherung
  • keine Finanzierung von Spitalsleistungen, wenn dieselben Leistungen (wie z.B. medizinische Hauskrankenpflege) effizienter und billiger erbracht werden können.
  • Kostenwahrheit durch Vergleich der Verrechnungstarife im niedergelassenen Bereich mit den tatsächlichen Selbstzahlertarifen im intramuralen Bereich, sodass, wenn man wirklich krank wird, der effizienteste, beste und kostengünstigste Weg zur Wiedererlangung der Gesundheit beschritten werden kann.

Die Erhaltung der hochwertige österreichische Gesundheitsversorgung, der ständig voranschreitende medizinische Fortschritt und die Notwendigkeit neuer zeitgemäßer Leistungen für Patienten erfordere eine langfristige Sicherung der Finanzierung, betonte Waneck. "Die Sicherung der Finanzen muss in erster Linie in der Optimierung der vorhandenen Ressourcen und in der Lokalisierung von Effizienzsteigerungspotentialen erfolgen. Erklärtes Ziel unserer Gesundheitspolitik ist es, eine bundesweite " Vernetzte Finanzierung" auf Basis einer österreichweiten Zusammenarbeit zwischen Verursachern und Finanziers im Gesundheitswesen herzustellen, damit eine überregionale Planung einheitliche Qualitätskriterien sowie eine einheitliche Finanzierung ein und derselben Leistung gewährleistet ist", so Waneck. (Schluss) mg bxf

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