"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Abkehr von der Solidarität (von Michaela Geistler)

Ausgabe vom 01.10.2001

Klagenfurt (OTS) - Seit die schwarz-blaue Regierung existiert, geistert die Idee der Privatisierung des Gesundheitssystems -freilich immer anders verpackt - durch Österreich. Zuletzt redete der neue Hauptverbandspräsident Gleitsmann den "Wahlmöglichkeiten" für Patienten bei den angebotenen Leistungen das Wort.

Alle diese charmant formulierten Vorschläge sind in letzter Konsequenz nichts anderes als ein Schritt hin zu einer Abkehr von der Pflichtversicherung und einem Abschied vom Prinzip der Solidarität. Wie unsolidarisch diese Gedankenwelt ausgerichtet ist, zeigt sich an einer anderen Forderung Gleitsmanns: Es müsse Anreize für einen gesunden Lebensstil im Gesundheitssystem geben. Wer seine Tage unbelastet von psychisch und physisch anstrengender Arbeit seinem Körper huldigend verbringen kann, soll also belohnt werden. In der Regel sind das doch eher die Privilegierten in unserer Gesellschaft.

Der Zugang zur elementarsten Versorgung von Menschen hat zumindest grundsätzlich für alle offen zu bleiben. Von absoluter Gerechtigkeit kann auch jetzt nicht die Rede sein, viele bauen auf Zusatzversicherungen und Privatordinationen, um sich optimaler Betreuung zu vergewissern. Es kann jedoch nicht der Weg sein, noch stärker in Richtung private Absicherung zu gehen, sondern an der Qualität unseres Gesundheitssystems für alle zu arbeiten.

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