Greenpeace warnt vor Atomstromschwindel in Europa

Greenpeace präsentiert Atomstromanteile für Österreichs Stromkonzerne

Wien/Brüssel (OTS) - Anlässlich des Energieministerrates am 4. Oktober in Brüssel präsentiert Greenpeace die neuen Anteile von Atom-und Kohlestrom bei den österreichischen Stromanbietern. Greenpeace fordert auch auf europäischer Ebene eine lückenlose Stromkennzeichnung für Atomstromriesen wie EdF und EON. Die atomfreundliche EU-Kommission möchte im Rahmen einer europäischen Stromkennzeichnung Atomstrom gleich behandeln wie österreichische Wasserkraft und Ökostromanlagen wie Wind, Sonne und Biomasse. "Wenn Energiekommissarin De Palacio sich durchsetzt, wird kein Europäer wissen aus welcher Energiequelle sein Strom tatsächlich stammt", befürchtet Energieexperte Mayer von Greenpeace. Österreich müsse laut Greenpeace mit einer eigenen, strengen Stromkennzeichnung vorangehen und in Europa die Reinwaschung von Atomstrom verhindern.

Ein Jahr nach der Einführung der Stromkennzeichnung in Österreich gibt es noch immer zahlreiche Tricks mit denen die Stromkonzerne ihre Atomstromimporte verschleiern wollen. Greenpeace hat gemeinsam mit Global 2000 eine konsequente Stromkennzeichnung auf die österreichischen Stromversorger angewandt. Nach wie vor sind die Atomstromanteile einiger Energieversorgungsunternehmen über 20 Prozent. Bei den privaten Stromkunden wird aber weiterhin der Eindruck erweckt, dass Österreich frei von Atomstromimporten sei. Der Grund für diese unterschiedlichen Darstellungen liegt darin, dass Greenpeace das für 2004 bundesweit einheitliche Händlerlabel bereits jetzt anwendet. Dabei wird die gesamte Stromaufbringung eines Energieunternehmens auf der Stromrechnung ausgewiesen und es gibt einen Strom-Mix für jedes EVU.

Bis Jänner 2004 haben einige Bundesländer, nicht zufällig jene mit hohen Atomstromanteilen, ein Produktlabel erlaubt. Dabei wird die gesamte eingekaufte Strommenge in verschiedene Strom-Mixe für verschiedene Kundengruppen aufgeteilt. Den Haushalten wird rechnerisch der "saubere" Strom aus Wasserkraft und Ökostromanlagen rechnerisch zugeteilt. Der umso "schmutzigere" Rest aus Atom- und Kohlestrom vom europäischen Strommarkt wird an weniger sensible Industriekunden verkauft.

Der Vorschlag von Energiekommissärin De Palacio sieht neben der Möglichkeit ein Produktlabelling einzuführen auch noch vor, dass der Strom-Mix nicht nach den Stromerzeugungsarten Kohle-, Öl-, Gas-, Atom- und Ökostrom unterteilt wird. Anstelle dessen soll nur die mit einer Kilowattstunde verbundene CO2-Belastung auf der Stromrechnung aufscheinen. Das würde ohne weitere Information wie z.B. eine Angabe des mit der Produktion dieser Kilowattstunde verursachten Atommülls die Wasserkraft und Ökostrom mit Atomstrom gleichsetzen. "In Österreich darf nicht weiter geschummelt werden und in Europa muss man jetzt sehr aufpassen, dass kein Ökosiegel für den Verkauf von Atomstrom durchgesetzt wird", lautet die doppelte Herausforderung für Österreichs Regierung.

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