ÖGB zu Gleitsmann: Keine Zwei-Klassen-Medizin

Leutner urgiert Rücknahme der 58. ASVG-Novelle

Wien (ÖGB). Mit scharfen Worten reagierte der Leitende Sekretär im ÖGB, Dr. Richard Leutner, auf die Vorschläge des Präsidenten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Martin Gleitsmann, der, unter dem Vorwand mehr Wahlmöglichkeiten für Patienten zu schaffen, eine Zwei-Klassen-Medizin einführen will und gegenüber der Tageszeitung "Die Presse" eine Möglichkeit sieht, überhaupt vom "Zwangssystem" wegzukommen. Derartige Äußerungen sind nicht im Interesse der Versicherten, im besonderen nicht der ArbeitnehmerInnen und deren Familien. "Gleitsmann soll sich lieber darum kümmern, dass eine bestmögliche medizinische Versorgung aller Bevölkerungsschichten ermöglicht wird", sagte Leutner. ++++

Wahlmöglichkeiten im Sinne Gleitsmanns bedeuten, dass sich der Patient aussuchen darf, für welche Leistungen er extra bezahlen möchte oder sich privat versichern muss. Der neue Hauptverbandspräsident soll nicht über Leistungseinschränkungen und Rationierungen von Gesundheitsleistungen für PatientInnen nachdenken, sondern seine ureigenste Aufgabe muss es sein, sich Gedanken über eine bestmögliche Versorgung der Bevölkerung zu machen. "Gleitsmans Bestreben sollte es sein, unser bewährtes Gesundheitssystem dauerhaft abzusichern und im Sinne der BeitragszahlerInnen weiter zu entwickeln."

Gleicher Zugang für alle zur gesundheitlichen Versorgung

Statt über Verschlechterungen nachzudenken, täte der neue Hauptverbandspräsident gut daran, für eine nachhaltige Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems einzutreten und raschest die dazu notwendigen Schritte einzuleiten. Dazu gehört die Definition der Gesundheitsziele für die österreichische Bevölkerung. Wesentlichstes Ziel muss dabei der gleiche Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, unabhängig vom Einkommen und der sozialen Stellung, sein.

Ein breites Betätigungsfeld findet Gleitsmann auch bei der Weiterentwicklung des Leistungsangebotes. Die Versicherten haben ein Recht auf ein modernes, bedarfsgerechtes Leistungsangebot, das dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entspricht (Zahnmedizin, Rehabilitation). Um Krankheiten früh zu erkennen, zu behandeln und dadurch erst gar nicht entstehen zu lassen, sind Gesundheitsförderung und Prävention Handlungsfelder der Zukunft, die besonders zu beachten sind. Leutner empfiehlt dem Hauptverbandspräsidenten auch, der Qualitätssicherung bei der Betreuung der PatientInnen besonderes Augenmerk zu schenken und eine dauerhafte, solide finanzielle Basis für das Gesundheitswesen auf die Beine zu stellen.

Solidarität und Selbstverwaltung nicht in Frage stellen

Der Zugang zu medizinischen Leistungen aller Art, von der ärztlichen Betreuung und medikamentösen Versorgung über Spitalsleistungen einschließlich dem medizinischen Spitzenbereich bis hin zur Einbindung chronisch kranker Menschen, zeichnen das funktionierende, solidarische Krankenkassenkonzept aus. "Hinter diesem steht jenes der Selbstverwaltung und der Versichertennähe, das nicht in Frage gestellt werden darf", sagte Leutner, der abschließend in diesem Zusammenhang die ÖGB-Forderung nach Rücknahme der 58. ASVG-Novelle urgierte. (ew)

ÖGB, 30. September 2002
Nr. 743

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