"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Endlich Reformen" (Von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 30. 9. 2002

Innsbruck (OTS) - Die reichsten 358 Super-Milliardäre der Welt besitzen soviel wie die ärmsten 2,5 Milliarden Menschen zusammen. Drei Milliarden Menschen müssen täglich mit weniger als zwei Euro auskommen. Gleichzeitig wird eine Kuh in Europa mit 2,50 Euro pro Tag subventioniert, in Japan sogar mit 7 Dollar.

War es das soziale Elend in vielen Ländern der Welt oder auch der lautstarke Protest von Globalisierungsgegnern, den es bei jedem größeren Treffen gab, die die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds nun offenbar reagieren ließen? Erstmals seit 1979 jedenfalls sollen die Kreditauflagen nun reformiert werden. Und erstmals ist auch ein geordnetes Insolvenzverfahren für bankrotte Staaten in Planung. Auch wenn hier noch viele Fallstricke lauern.

Die Kreditauflagen des IWF sollen künftig auch auf ihre soziale Verträglichkeit hin geprüft werden. Bisher hatte der IWF vielfach ohne Rücksicht auf soziale Not schmerzhafte Einsparungen verlangt. Jahrelang hat der Fonds Entwicklungsländern auch die Liberalisierung vor allem der Kapitalmärkte als Allheilmittel auf dem Weg zu Wachstum und Wohlstand verkauft. Das stellte sich vielfach als großer Irrtum heraus. Die Armut, die bekämpft werden sollte, hat zu- statt abgenommen. Nicht nur, weil die Konzepte von IWF und Weltbank so nicht funktionieren konnten, sondern auch, weil Gelder in falsche Kanäle geflossen sind. Spekulanten haben die Liberalisierung für fette Gewinne genutzt und den betroffenen Ländern in Krisenzeiten sofort den Rücken gekehrt.

Was vor kurzem noch undenkbar war, ist für IWF und Weltbank jetzt offenbar kein Tabu mehr: Sie setzen die reichen Industrieländer und damit ihre eigenen Geldgeber auf die Anklagebank. Es sei scheinheilig, die armen Länder zur Öffnung der Märkte zu verdonnern und gleichzeitig die eigenen Märkte durch Subventionen und Zölle abzuschotten. Ein Wochenende mit wundersam positiven Einsichten.

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