"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: "Lausbubenstück, Brachialmethode" (von Manfred Posch)

Ausgabe 27.09.2002

Klagenfurt (OTS) - Die kulturpolitschen Wellen rollen hierzulande immer wilder. Vor dem Klagenfurter Landhaus türmten sie sich gestern zu gefährlichen Wogen: Der Direktor des Landtagsamtes, Robert Weiß, hinderte einen ORF-Kameramann handgreiflich am Filmen. Die Kamera wurde beschädigt und eine Brille in Mitleidenschaft gezogen; der ORF-Mitarbeiter kündigte an, den Beamten anzuzeigen.

Die Vorgeschichte ist ebenfalls nicht fein: Aktionisten des Kulturvereines UNIKUM "verzierten" die Säulen der "Stätte der Kärntner Einheit", ein im Landhaushof ruhendes Denkmal, mit glänzenden Hütchen, die Ähnlichkeit mit Cornelius Koligs "Goldfäkalien" aufweisen. Eine Provokation - selbstverständlich! Und zwar der geschmacklosen Art, wenn auch ein UNIKUM-Sprecher beteuerte, es haben sich lediglich um "Goldhauben" gehandelt.

Mit dieser Aktion hat sich das UNIKUM weder beliebt noch verdient gemacht. Und einem Großteil der kulturinteressierten Kärntner gegenüber wird der Verein in Argumentationsnotstand geraten, wenn es darum geht, doch noch zu Subventionen - und damit dem Gegenstand der geschilderten Demonstration - zu gelangen. Auf jeden Fall zu verurteilen ist das Brachialvorgehen des Landtagsdirektors: Von einem Mann seiner Qualifikation wäre zu erwarten, dass er ein unappetitliches Lausbubenstück von Pressefreiheit zu unterscheiden weiß.

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