"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Signal from Austria" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 26. September 2002

Innsbruck (OTS) - Der Start von UMTS in Österreich ist vor allem gutes Marketing. Europas erstes derartiges Mobiltelefonnetz steht zwar zum Testbetrieb bereit, doch fehlen dazu die Endgeräte.
Die heimische Mobilkom hat ihre Aufgaben schneller erledigt als die globalen Handy-Hersteller. So unterscheidet sich 2002 von 2000: Die Hyperaktivität am Jubelgipfel der New Economy-Euphorie wich der Lähmung im Jammertal der Wirtschaftsdepression.

Nicht zu Unrecht galt UMTS vor zwei Jahren als hoffnungsvollste Zukunftstechnik. Denn mindestens so sehr wie Online hat das Handy unser Kommunikationsverhalten verändert. Mit einer Milliarde Teilnehmer wird es weltweit bereits mehr genutzt als die Festnetze. Und anders als beim Internet ist es hierbei keine Frage, wie sich mit ihm Geld verdienen lässt.

Deshalb wurden insbesondere in Deutschland und Großbritannien aberwitzige Summen in den Erwerb von UMTS-Lizenzen gesteckt. Damit haben sich wohl einige Käufer überhoben. Hierzulande dagegen waren die Lizenzen vergleichsweise günstig. Dadurch stand das Geld zum Netzaufbau leichter zur Verfügung.

Der UMTS-Vorstoß der Mobilkom könnte mehr werden als ein Marketing-Gag. 80 Prozent der Österreicher telefonieren mobil. Unser Land liegt weltweit an siebter Stelle in Sachen Handy-Dichte. Was hier in diesem Bereich geschieht, wirkt als Signal für den globalen Markt.

Das heißt nicht unbedingt, dass wir früher als andere UMTS nutzen können. Dazu ist unsere Abhängigkeit zu groß. Doch nun müssen Mitbewerber der Mobilkom aktiv werden. Und das sind Global Player wie T-Mobile.

Die Telekom-Konzerne insgesamt wiederum bilden eine Leitbranche der Weltwirtschaft. Sie waren Hauptverursacher ihres steilen Aufschwungs in den 90er-Jahren und ihres jähen Absturzes im neuen Jahrtausend.

Der Start von UMTS ist ein Signal, dass alles wieder besser wird. Vorausgesetzt, die Technik hält, was sie verspricht. Dann geht es nur noch darum, ob wir sie auch wollen. Sicher ist das nicht.

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