Star-Geigerin beklagt schlechte Musikerziehung in den Schulen

Anne-Sophie Mutter in Reader's Digest über Kinder, Karriere, Karajan - und ein Essen mit Beethoven

Stuttgart (OTS) - Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter hat sich für mehr Musikunterricht an den Schulen ausgesprochen, um den Trend zur "Häppchenkultur" und zu populärer Massenware zu bremsen: "Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass Musikerziehung in den Schulen fast keine Rolle mehr spielt, besonders nicht in den Grundschulen", sagt die 39-Jährige in einem Interview mit dem Magazin Reader's Digest (Oktober-Ausgabe). Vor allem die Phase bis zu einem Alter von sieben Jahren sei jedoch entscheidend für die musikalische Bewusstseinsbildung: "Wenn man bis dahin nicht den Fuß in der Tür hat, mit Gehörbildung und einem breit gefächerten Angebot, aus dem das Kind selber wählen kann, dann ist es fast unmöglich, später ein ausreichendes musikalisches Verständnis aufzubauen."

Die Gründe für das wachsende Desinteresse an klassischer Musikerziehung sieht Mutter in den Autoren der Schulmusikpläne:
"Schon die Erzieher meiner Generation sind zu ihrer eigenen Schulzeit mit der Notenschrift nicht klargekommen." Deshalb gebe es immer weniger Menschen, die zum Beispiel Kinderlieder aus dem Gesangsbuch singen könnten: "Wir zahlen jetzt die Rechnung für eine Schlamperei, die vor 20, 30 Jahren schleichend begonnen hat." Mutter, die mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht erhielt, dann aber schnell auf die Geige wechselte und 1970 mit sechs Jahren beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" den "Ersten Preis mit besonderer Auszeichnung" erhielt, erinnert in dem Gespräch mit Reader's Digest an die Bedeutung der Musik für Kinder. "Das ist nicht nur ein Fenster zum akustischen Vergnügen." Kinder würden durch Musik auch lernen, einander zuzuhören, sich einzuordnen, aber auch eine Gruppe anzuführen. Obendrein sorge das gemeinsame Singen ausländischer Lieder für eine Begegnung fremder Kulturen.

Die weltbekannte Geigerin, die mit 14 Jahren von Dirigent Herbert von Karajan nach einem Vorspiel wieder zum Üben nach Hause geschickt wurde, weil sie noch nicht reif genug sei für Beethovens Violinkonzert, die dann aber 1977 unter dem gleichen Dirigenten bei den Salzburger Festspielen ihren internationalen Durchbruch erlebte, geht dabei mit gutem Beispiel voran. Ihre beiden Kinder - acht und elf Jahre alt - spielen mittlerweile Klavier. Den Unterricht überlässt die in München lebende Mutter aber lieber anderen. "Dafür hätte ich bestimmt nicht die Geduld. Das ist eine meiner großen Schwächen." Ansonsten gilt Mutter, deren erster Mann 1995 starb und die im August dieses Jahres den Pianisten, Komponisten und Dirigenten André Previn geheiratet hat, eher als selbstbewusst und energisch. "In der Musik bin ich sicher jemand, der gerne Grenzen sprengt. Der ausprobiert, wie weit er gehen kann." Immer wieder hat Mutter dies bei der Zusammenarbeit mit Komponisten und Dirigenten bewiesen. Die große Kunst des Miteinander-Musizierens, so die Künstlerin, sei aber, "einer anderen Idee ein Stückchen entgegenzugehen, ohne die eigene aufzugeben - und dies als Bereicherung zu empfinden."

Kein Wunder, dass es Mutter als "körperlich schmerzhaft" empfindet, wenn während eines Konzerts ein Zuschauer "an der schönsten, intimsten und leisesten Stelle einen enormen Hustenreiz verspürt". Dennoch bleibt die begeisterte Bergsteigerin auch in der spärlichen Freizeit der Musik treu. Sie liebt den Jazz und verehrt dabei besonders die Musik von Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Nebenbei träumt sie dann von einem Abendessen und einer Unterhaltung mit Ludwig van Beethoven. "Ich würde gerne wissen, wer diese Frau war, die ihn zu einem großen Romantiker hat werden lassen." Aber Mutter hätte noch einen zweiten Wunsch, wenn es zur Begegnung kommen könnte: "Ich würde ihn bitten, dass er ein zweites Violinkonzert schreibt." Für wen? Natürlich für Anne-Sophie Mutter.

Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Oktober-Ausgabe von Reader's Digest ist ab dem 30. September 2002 an zentralen Kiosken erhältlich.

Pressemitteilung zum Download (ab Donnerstag):
http://www.readersdigest.de
Auf Service für Journalisten klicken (Rubrik Magazin Reader's Digest)

Rückfragen & Kontakt:

Reader's Digest Deutschland:
Verlag Das Beste GmbH
Öffentlichkeitsarbeit, Uwe Horn
Augustenstr. 1, D-70178 Stuttgart
Tel. +49 (0) 711/6602-521, Fax +49 (0) 711/6602-160
presse@readersdigest.de

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EUN0006