"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Tiroler Zerrissenheit" (Von Markus Schramek)

Ausgabe vom 25. 9. 2002

Innsbruck (OTS) - Wird der gelernte Tiroler danach befragt, was
ihn am meisten ärgert, ist die Antwort stets die selbe: der Transit. Die Umfragen der vergangenen Jahre sind in diesem Punkt deckungsgleich. Der Landespolitik bleibt also gar nichts anderes übrig, als sich des Themas anzunehmen. Der Bevölkerung werden Beruhigungspillen verabreicht - ganz nach dem Motto: "Wir tun eh was."

Knapp vor seinem Abgang ist LH Wendelin Weingartner in der Causa prima des Landes noch einmal aktiv geworden. Am 1. Oktober tritt auf einem Streckenabschnitt der Inntalautobahn, zwischen Hall und Wörgl, ein Nachtfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen in Kraft. Weingartner verspricht sich davon ein Minus von 600 nächtlichen Fahrten und verbesserte Luftwerte. Bei durchschnittlich 7300 Lkw-Fahrten pro Tag im Unterland kann das Nachtfahrverbot aber nur der Anfang gewesen sein. Um die Fortsetzung müssen sich Weingartners politische Erben kümmern - so sie denn wollen.

Zweifel sind angebracht. Weingartners designierter Nachfolger Herwig van Staa ist ein Freund großer Ankündigungen. Doch in der Verkehrsdebatte schlägt er leise Töne an. Zuletzt meinte er, beim Transit könne bestenfalls der Schaden "minimiert" werden. Schaden abzuwenden scheint er gar nicht mehr für möglich zu halten. Hat der neue starke Mann des Landes in der Verkehrsfrage schon vor dem Amtsantritt resigniert?

Erschwerend kommt dazu, dass von Einigkeit in der Transitcausa nicht einmal in Tirol die Rede sein kein. Vom "transitgeplagten Land" ist oft, etwas pathetisch in der Formulierung, die Rede. Doch Wirtschaftskammer und Fahrergewerkschaft schießen quer, drohen mit Demos und dem Gang zum Höchstgericht. Die fahrende Zunft fühlt sich eingebremst und an der Ausübung ihrer Jobs behindert, ja sogar schikaniert.

In Brüssel freut man sich über die Tiroler Zerrissenheit. Mit so einem Gegenüber lässt es sich leicht verhandeln.

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