Schenz: Neues Vorsorgeprodukt eine lobenswerte Initiative

Verwunderung über kritische Aufnahme in den Medien -Detailgespräche mit Banken und Versicherungen werden nachgeholt -Starttermin 1.1.2003 realistisch

Wien (PWK672) - Er sei froh, dass die scheidende Regierung die Grundidee eines "steuerlich geförderten Vorsorgeprodukts mit Österreich-Bezug aufgenommen und durchgedrückt hat", auch wenn in der Eile nicht alle Einzelheiten ausführlich diskutiert werden konnten. "Es ist eine lobenswerte Tat, die künftigen Pensionsprobleme aufgezeigt zu haben". Ausstehende Gespräche mit Banken und Versicherungen über mögliche Adaptierungen werden nachgeholt. Einen Start des neuen Vorsorgemodells, bei dem 60 Prozent des Geldes in österreichische Aktien fließen sollen, mit 1. Jänner 2003 halte er für realistisch, erklärte der Regierungsbeauftragte für den Kapitalmarkt und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, Richard Schenz, Montag im Club der Wirtschaftspublizisten.

Er wundere sich über das mehrheitlich negative Medienecho, mit dem das neue Produkt begrüßt wurde. Nachdem das Umlageverfahren bekanntlich an seine Grenzen stoße, sei der ergänzende Aufbau einer kapitalmarktfinanzierten Altersvorsorge sehr zu begrüßen. "Ich halte das für ein sehr attraktives Produkt. Ich möchte wissen, was daran schlecht ist", meinte Schenz.

Wer bis zu 1.801 Euro pro Jahr einzahlt, bekommt eine staatliche Prämie von zehn Prozent des einbezahlten Betrages. Die Auszahlung erfolgt bei Pensionsantritt, ein Ausstieg ist frühestens nach zehn Jahren (mit Rückzahlung der halben Prämie und Nachversteuerung der Kapitalerträge) möglich. Er könne sich vorstellen, dass rund eine halbe Million Österreicher das Modell in Anspruch nimmt. Der heimische Kapitalmarkt wäre dafür sicher nicht zu eng. "Wenn 500.000 Leute den Maximalbetrag sparen, würde das Handelsvolumen an der Börse um rund 5 Prozent steigen. Dies würde das Börsengeschehen fördern, aber sicher nicht deroutieren", stellte der Kapitalmarktbeauftragte fest.

Viele österreichische Werte seien derzeit wegen mangelnder Liquidität unterbewertet. "Es sind hervorragende Unternehmen darunter, aber es fehlt an Nachfrage und Aktienkultur", bedauerte Schenz. Ein gut funktionierender Kapitalmarkt sei andererseits die Voraussetzung für einen leistungsfähigen Wirtschaftsstandort und damit letztlich auch für Existenz und Qualität der Arbeitsplätze.

Schenz erinnerte in diesem Zusammenhang an den im Juli d.J. vorgestellten "Aktionsplan für den österreichischen Kapitalmarkt". Dieser bringe einen neuen Ansatz zur Bündelung aller positiven Kräfte und beinhalte eine Reihe von Reformvorschlägen zur Stärkung des Vertrauens in den heimischen Kapitalmarkt, zur Verbesserung von Angebot und Nachfrage sowie zur Verbesserung der Marktinfrastruktur. "Es gibt für die österreichischen Unternehmen keine gleichwertige Alternative zu einem leistungsfähigen nationalen Kapitalmarkt. Auch aus europäischer Sicht ist das Bestehen regionaler Kapitalmärkte von Vorteil", betonte Schenz. Gerade bei der Bewältigung der Herausforderungen bei der Umstellung der Altersvorsorge zeige sich die Bedeutung eines gestärkten österreichischen Kapitalmarktes.

Als Kapitalmarktbeauftragter übe er einen nicht terminisierten, ehrenamtlichen Job aus. Die neue Bundesregierung werde entscheiden müssen, ob es auch in Zukunft einen Kapitalmarktbeauftragten geben soll. Wenn dies bejaht wird, dann werde die personelle Frage zu entscheiden sein. Er stelle sich gerne zur Verfügung, allerdings "nehme ich mir die Freiheit heraus, diese Position zurückzulegen, wenn ich mit einem künftigen Finanzminister `nicht kann´", präzisierte Schenz auf eine entsprechende Journalistenanfrage. (hp).

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Presseabteilung
Tel.: (++43-1) 50105-4363
Fax: (++43-1) 50105-263
presse@wko.at
http://www.wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0004