NEUERUNGEN BEIM MOPEDAUSWEIS

KfV begrüßt verpflichtende Theorie für Moped-Lenker, kritisiert aber fehlenden Praxis-Teil und Entfall der Persönlichkeitstests 15jährige

Wien (OTS) - Ab ersten Oktober ist es soweit: Für Anwärter auf einen Moped-Ausweis heißt es, die Schulbank zu drücken. Die 5. Novelle zum Führerscheingesetz sieht ab diesem Zeitpunkt eine achtstündige theoretische Schulung für künftige Moped-Lenker vor. Bisher musste für die Berechtigung, ein Moped lenken zu dürfen, zwar eine mündliche Prüfung absolviert werden, eine Schulung mit wichtigen Inhalten, wo Fachleute Jugendliche zum Beispiel über die Wirkung von Alkohol und Drogen informieren und verschiedene verkehrsrelevante Lerninhalte ver-tiefen, war jedoch nicht vorgesehen. Eine gewisse Mindestschulung sollte auch für Moped-Lenker gelten, sind sich die Experten des Kuratorium für Ver-kehrssicherheit (KfV) einig. Vor allem in Anbetracht dessen, dass das Moped neben dem Motorrad -bezogen auf die Kilometerleistung nach wie vor das mit Abstand gefährlichste motorisierte Verkehrsmittel ist. Im Vergleich zu ei-nem Pkw-Lenker trägt ein Mopedlenker etwa das zehnfache Unfallrisiko!

Thann: "Kluft zwischen Theorie und Praxis nicht entschärft"

KfV-Direktor Dr. Othmar Thann begrüßt diese Einführung, geht aber einen Schritt weiter: "Eine verpflichtende theoretische Schulung ist ein positiver An-fang. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis ist damit aber noch nicht ent-schärft. Viele Inhaber eines Mopedausweises sitzen zum ersten Mal auf einem Fahrzeug, ohne auch praktisch geübt zu haben. Angesichts der steigenden Moped-Unfälle ist das ein erhebliches Versäumnis." Im ersten Halbjahr 2002 gab es wieder mehr Moped-Unfälle, Verletzte und Getötete als im Vorjahr. 1.719 (2001:
1.667) Unfälle mit 19 Getötete (2001: 15) und 1.829 Verletzten (2001:
1.768) waren zu verzeichnen.

Moped 15 nur sinnvoll, wenn keine "Öffis" existieren

Außer in Wien und Innsbruck-Stadt dürfen österreichweit 15jährige unter be-stimmten Voraussetzungen ein Moped lenken. Einer der Gründe zur vorzeitigen Erlaubnis zum Lenken eines Mopeds ist die Schwierigkeit, die Lehrstelle oder Schule zu erreichen. "Im ländlichen Bereich hat das durchaus seine Berechtigung, allerdings bezweifle ich, dass in Städten wie Graz, Linz oder Salzburg ein ausreichend entwickeltes System an öffentlichen Verkehrsmitteln exis-tiert", kritisiert KfV-Direktor Thann.

Entfall der Persönlichkeitstests schweres Defizit

Bisher musste neben der mündlichen Prüfung, der Einwilligung der Eltern und einer Bestätigung des Arbeitgebers auch eine Art "Reifeprüfung" absolviert werden. Dieser Persönlichkeitstest entfällt. Laut KfV-Psychologen sind ohne Test kaum Reifedefizite feststellbar und die Unfallgefahr steigt erheblich. Die hohe Unfallbeteiligung jugendlicher Mopedlenker ist zum Großteil auf die man-gelnden psychische Voraussetzungen zurückzuführen. Rund 15 Prozent der unter 16jährigen sind in den Jahren 2000 und 2001 bei Tests des KfV durchge-fallen. Diese rund 700 Personen fallen in ein erhöhtes Unfallrisiko und zumindest einige von Ihnen hätten vermutlich nicht überlebt wären sie nicht untersucht worden! Die neue Novelle sieht den Entfall der Persönlichkeitstests vor, die Einwilligung der Eltern muss aber gegeben werden.

21 Todesopfer im Straßenverkehr während der vergangenen Woche, davon 6 am Wochenende

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen in der vergangenen Woche verloren 14 Pkw-Insassen (davon 10 Lenker), 1 Lkw-Lenker, 2 Motorrad-Lenker, 1 Moped-Lenker, 1 Radfahrer und 2 Fußgänger ihr Leben. Als vermutliche Hauptunfalls-ursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nichtangepasste Fahrge-schwindigkeit (6), Vorrangverletzung (3), Überholen (2), Kurvenschneiden (1), Reifenschaden (1), Unachtsamkeit (1), Herzversagen (1) und Übermüdung (1) festgestellt werden. Bei 2 Verkehrsunfällen konnte die Ursache bisher nicht ermittelt werden. 2 Fußgänger kamen durch Fremdverschulden ums Leben. 7 der 18 Verkehrsunfälle waren sogenannte Alleinunfälle. 3 tödlich verletzte Fahrzeuginsassen waren nicht angegurtet. Vom 1. Jänner bis zum 22. Septem-ber dieses Jahres gab es damit auf dem österreichischen Straßennetz vorläufig 672 Verkehrstote (30-Tages-Fristabgrenzung berücksichtigt bis Ende Juli), im Vergleichszeitraum des Vorjahres verunglückten nach endgültigen Zahlen 686 Menschen tödlich.

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